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Fachartikel
28. September 2017

Nachhaltige und sichere Trinkwasserversorgung

SVGW-BEREICHSSTRATEGIE WASSER 2030

Für eine nachhaltige und sichere Trinkwasserversorgung in der Schweiz – um diesem Anspruch auch in Zukunft zu genügen, hat der SVGW in der ersten Hälfte 2017 in einem breit abgestützten partizipativen Prozess eine Bereichsstrategie Wasser 2030 erarbeitet. Die Strategie zeigt auf, in welchen Themenbereichen der SVGW sowohl die Wasserversorgungsbranche als auch den Verein weiterentwickeln will und wie er die gesteckten Ziele erreichen wird.
André Olschewski, Paul Sicher, 

HINTERGRUND

Mit der Dachstrategie des SVGW [1] und dem Branchenbericht zur Trinkwasserversorgung [2] hat sich der SVGW grobe Leitlinien betreffend Schwerpunkte und Ziele sowohl für den Verein als auch für die Themen Wasser, Gas und Fernwärme gegeben.
Spezifische Ziele im Bereich Wasser betreffen demnach:
– Den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen fördern.
– Die Professionalisierung der Wasserversorgung unterstützen.
– Die Autonomie der Wasserversorgung bei Strukturfragen (Grundlagen schaffen) erhalten.

Ende 2016 hat der Vorstand den Bereich Wasser beauftragt, in einem partizipativen Prozess eine eigene Bereichsstrategie Wasser auszuarbeiten. Viel Gutes liegt ja bereits vor und ist bewährt. Mit der Bereichsstrategie Wasser wird nun die strategische Ausrichtung der Trinkwasserbranche und des Vereins im SVGW-Bereich Wasser präziser umrissen und so ergänzt, dass daraus klare Folgerungen für deren Umsetzung abgeleitet werden können, z. B. Priorisierung von Tätigkeiten oder Aufbau eines 3-Jahres-Plans.
Mit der Bereichsstrategie Wasser 2030 wird zudem das Profil der Branche und des Vereins geschärft, um Kernforderungen klarer und einfacher innerhalb des SVGW und ausserhalb kommunizieren zu
können.

WICHTIGE HERAUSFORDERUNGEN

In der Schweiz ist die Trinkwasserversorgung im Allgemeinen gut aufgestellt, die Qualität des Rohwassers ist in den überwiegenden Fällen noch gut und die Kosten für die Versorgung vergleichsweise tief. Trotzdem steht die Wasserversorgungsbranche in der Schweiz vor einigen wegweisenden Herausforderungen, u. a. die Verbesserung der Versorgungssicherheit in gewissen Regionen oder der Umgang mit Fremdstoffen im Rohwasser [3]. Ebenso stehen bedeutende strukturelle Veränderungen bevor wie z. B. Regionalisierungen, Sicherung der nachhaltigen Finanzierung, Sparmassnahmen bei Gemeinden oder die Einführung neuer Betriebsmodelle. Regional unterschiedlich werden die Wasserversorgungen auch vom Klimawandel resp. von zunehmenden Nutzungskonflikten durch Siedlungsdruck und Stoffeinträgen betroffen sein. Für diese Herausforderungen gilt es, sinnvolle und praktische Lösungen zu entwickeln und die Versorger in der Umsetzung von Massnahmen zu unterstützen.

AMBITIONIERTE VISION UND ZIELE

Beide Sphären, die Wasserversorgungsbranche als auch der Verein SVGW, sind durch den Strukturwandel und die Veränderungen im Umfeld herausgefordert (z. B. mehr Leistungen zu erbringen trotz stagnierender Mitgliederbeiträge) und müssen sich organisatorisch anpassen. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, beinhaltet die Bereichsstrategie Wasser 2030 des SVGW sowohl eine Vision und Ziele für die Trinkwasserversorgungsbranche als auch für den Verein SVGW an sich. Die Vision und Ziele sind ambitioniert formuliert, sind aber bis 2030 erreichbar – sofern die benötigten Anpassungen (u. a. E-Regelwerk, Anpassung der Kommissionsstruktur) und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und Partnern produktiv umgesetzt werden. 

Die Bereichsstrategie greift viele wichtige bereits laufende Aktivitäten auf, wie u. a. Arbeiten an der Umsetzung der Politikstrategie (Box 1) oder die Weiterentwicklung des Regelwerkes. Sie beschreibt nun erstmals ein greifbares Gesamtkonzept für den Bereich Wasser, in das auf operativer Ebene die konkreten Aktivitäten eingebettet werden. Es ermöglicht auf strategischer Ebene eine klare Kommunikation der strategischen Ausrichtung und Priorisierung von Massnahmen.

Für die Schweizer Trinkwasserbranche
Vision 2030

– Auch zukünftig kann trotz steigendem Nutzungsdruck (u. a. aus Landwirtschaft, Siedlung) sowie Klimawandel allen Kunden sicher, genügend, sauberes Trinkwasser zu ökonomisch sinnvollen Kosten und mehrheitlich ohne aufwendige Aufbereitung zur Verfügung gestellt werden.
– Die Versorgungen und Branche haben sich an den Strukturwandel und die Digitalisierung angepasst und sich dabei betreffend Nachhaltigkeit und Professionalisierung deutlich verbessert.
– Die Konsumenten haben volles Vertrauen in die Qualität des Trinkwassers und unterstützen Investitionen und vorsorgenden Ressourcenschutz zur Aufrechterhaltung eines ausreichenden Schutz- und Versorgungsniveaus.

Ziele 2030

– 95% der Mitglieder-Versorgungen haben ihre Versorgungssicherheit und Resilienz gegenüber Klimawandel durch Redundanz und organisatorische Massnahmen aufgebaut.
– Alle relevanten Fassungen sowie 95% aller Fassungen unserer Mitglieder verfügen über eine rechtskräftige Schutzzone.
– Alle grossen und mittleren sowie 75% der kleineren Mitgliederversorgungen werden gemäss einer nachhaltigen strategischen Infrastrukturinvestitionsplanung geführt und haben entsprechende Tarife eingeführt.
– Rohwasser wird in ausreichender Qualität und Quantität durch vorsorgliche Massnahmen in Schutzzonen und Zuströmbereichen geschützt, sodass weiterhin der Grossteil des Grund- und Quellwassers ohne aufwendige Aufbereitung als Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden kann.
– Eine einwandfreie Trinkwasserqualität wird mit entsprechenden Massnahmen betreffend Trinkwasserhygiene bis zum Wasserhahn erreicht.

Für den SVGW als Verein
Vision 2030

– Der SVGW vertritt und lenkt die Trinkwasserbranche und wird als starker Wasserversorgungsverband wahrgenommen und auch wertgeschätzt.
– Der SVGW antizipiert den Strukturwandel und die Digitalisierung in der Wasserversorgung und stellt sich proaktiv auf die Veränderungen ein.
– Der SVGW arbeitet als effizientes, innovatives Netzwerk zwischen allen Akteuren und ist in allen Landesteilen aktiv, bekannt und verankert.
– Auch in Zukunft stehen der Branche ausreichend qualifiziertes Fachpersonal sowie Nachwuchskräfte zur Verfügung.
– Das Milizsystem ist gestärkt und fachkundige Mitglieder engagieren sich aktiv im SVGW.
– Der SVGW teilt aktiv seine Erfahrungen und guten Beispiele in der Branche im Inland und auch im Ausland.

Ziele 2030

– Der SVGW ist die führende Fachorganisation für alle trinkwasserrelevanten Fagen im Bereich Wasserversorgung, Trinkwasser-Ressourcenschutz und Hausinstallationen.
– Er deckt bis 2030 durch seine Mitglieder mindestens 80% der in der Schweiz versorgten Personen ab (heute 70%).
– Er verfügt über direkten Zugang zu den politischen Fraktionen auf Bundesebene und kann seine Interessenvertretung effektiv umsetzen.
– Er ist in allen Landesteilen verankert und bekannt, er bietet kundenspezifische Dienstleistungen zu marktgerechten Preisen an.
– Er agiert als Vermittler in Entwicklungsprozessen und ist die relevante Wissens- und Austauschplattform für Wasserversorgungen, die I + IG und Behörden.
– Sämtliche Mitglieder-Versorgungen erfüllen die Anforderungen der «Gute(n) Verfahrenspraxis» und verfügen über ausreichend geschultes Personal.

DER SVGW ALS NETZWERK

Eine wesentliche Stärke des SVGW ist die Einbettung der Mitglieder in ein Netzwerk von Akteuren, in dem sie mit anderen Vereinsmitgliedern interagieren können, z. B. mit anderen Versorgern, Vertretern von Behörden oder Industrie. Konkret manifestiert sich dies physisch durch Treffen während der Kommissionsarbeit, bei Tagungen oder in virtuellen Kommunikationskanälen wie Newsletter. Durch das Netzwerk können spezifische Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden, die anderweitig nicht so effizient beschafft werden könnten. Durch den hohen Grad der Eigenverantwortung und Kompetenz können zudem Branchenlösungen erarbeitet und angewendet werden, die spezifische, effiziente und offiziell anerkannte Lösungen bieten.
Die Branche und damit auch die SVGW-Mitglieder werden künftig durch die Zunahme an Aufgaben bei gleichzeitig abnehmenden Ressourcen stark herausgefordert. Lösungen basierend auf qualitativ hochwertigen Informationen, erprobtem Wissen und praktischen Erfahrungen können zunehmend nur durch Austausch mit anderen Akteuren erarbeitet werden. Probleme, deren Lösung den Einbezug von politischen Entscheidungsträgern bedingen wie z. B. im qualitativen Ressourcenschutz, können zunehmend nur auf nationaler Ebene und in Zusammenarbeit mit Partnern angegangen werden. Dafür soll das SVGW-Netzwerk vermehrt gezielt eingesetzt werden [4].
Die Mitglieder des SVGW werden zunehmend den Verein als Plattform für den Wissensaustausch nutzen können. Die SVGW-Geschäftsstelle mit ihren Aussenstellen sowie die Kommissionen übernehmen die Rolle des Motors innerhalb des Netzwerkes, des Facilitators und der Wissensplattform, die die Akteure verbinden und deren Wissen optimal aufbereiten und den Austausch mit anderen Mitgliedern ermöglichen (s. Pfeile in Fig. 1).
Spezifische Kooperationen mit Partnern werden eine grosse Rolle spielen, um bei abnehmenden Ressourcen das nötige spezifische fachliche Wissen anbieten zu können (z. B. zum Themenbereich integrierte Wasserwirtschaft und Siedlungsentwässerung mit VSA), um die Interessenvertretung wirkungsvoller zu gestalten (z. B. breite Abstützung und Netzwerke durch Allianzen mit Umweltverbänden) oder um die nötige lokale Verankerung zu erreichen (z. B. Zusammenarbeit mit regionalen Fachverbänden wie den Distributeurs d’Eau Romands in der Westschweiz). Wissen wird auch zukünftig weiterhin stark über physischen Austausch und Weiterbildungen geschaffen, aber vermehrt werden dafür auch webbasierte Formen des E-Learnings oder Expertensysteme angeboten (Blended Learning).

SIEBEN STRATEGISCHE THEMENFELDER

Basierend auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit (Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft) und angelehnt an Nachhaltigkeitsbetrachtungen von Wasserversorgungsunternehmen [5] wurden sieben strategische Themenfelder abgeleitet, in denen sich der SVGW prioritär engagieren wird, um sowohl die Branche als auch den Verband hinsichtlich der Vision weiterzuentwickeln (Box 2, Fig. 2).
Die Themenfelder sind untereinander grundsätzlich gleich priorisiert. Dies erlaubt der Geschäftsstelle und den involvierten Mitgliedern Massnahmen hinsichtlich der Arbeitsplanung flexibel auf aufkommende Gelegenheiten hin umzusetzen und anzupassen, z. B. wenn neue Projekte oder Initiativen von Partnern aufkommen. Die angestrebten Ziele sollen durch spezifische Massnahmen erreicht werden, die eines oder mehrere der sieben strategischen Themenfelder betreffen. Die konkreten Massnahmen, wie z. B. die Entwicklung einer interaktiven Plattform für das betriebsinterne Qualitätsmanagement, umfassen oft verschiedene Teilprozesse wie die Weiterentwicklung des Regelwerks, Aus- und Weiterbildung, Information oder Beratung.

PRIORITÄRE MASSNAHMEN UND UMSETZUNG

Innerhalb der sieben Themenfelder wurden mehrere prioritäre Massnahmenbündel identifiziert, die zur Erreichung der Ziele 2030 führen sollen [6]. Eine konkrete Planung der einzelnen Aktivitäten über die nächsten 3–5 Jahre hinaus ist aufgrund der geringen Vorhersehbarkeit jedoch wenig sinnvoll. Um die Umsetzung der Strategie greifbarer und für alle Beteiligten operationalisierbar zu machen, hat der Vorstand für den Zeitraum 2017–2020 mehrere prioritäre Massnahmenbündel definiert, die in einzelnen Detailplanungen runtergebrochen werden, wie z. B.
– strategische Analyse und Weiterentwicklung des Regelwerkes
– Planung und Einflussnahme auf die Agrarpolitik 22+ zur Verbesserung des Schutzes des Rohwassers im Zuströmbereich von Fassungen
– Umsetzung der politischen Interessenvertretung, u. a. Einflussnahme auf die Revision des Raumplanungsgesetzes zwecks stärkerem verbindlichen Schutz der strategischen Wasserressourcen
– Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern zu diversen Themen, wie z. B. Anlass mit Parlamenta­riern oder Interpellation
– Erarbeitung von «Guten Praktiken» zum Umgang mit Nutzungskonflikten in Schutzzonen als Ergänzung zur BAFU-Wegleitung «Grundwasserschutz» aus dem Jahr 2004 [7]
– Einführung verschiedener Massnahmen zur Verbesserung des Austausches zwischen Versorgungen, wie z. B. regionale Werkleitertreffen

Ferner werden neue Hilfsmittel für die Versorgungen zur Verfügung entwickelt und eingeführt, wie die SVGW-Richtlinie W12 für die Gute Verfahrenspraxis (GVP) [8] oder die Richtlinie für die Generelle Wasserversorgungsplanung (GWP), die derzeit erarbeitet wird.
Die Umsetzung dieser Massnahmen kann nur in enger Zusammenarbeit zwischen SVGW-Geschäftsstelle sowie Partnern erfolgen, insbesondere den Versorgungen und Vertretern der Behörden inkl. Lebensmittelinspektorat und der Industrie (I+IG). Im Rahmen von gemeinsamen jährlichen Planungen werden die Massnahmen möglichst verbindlich geplant.

AUSBLICK AUF UMSETZUNG

Um die übergeordnete Vision einer nachhaltigen und sicheren Wasserversorgung in Zukunft zu erzielen, wird der SVGW die Branche als Fachorganisation leiten und unterstützen. Wie bis anhin sind viele Aktivitäten nur durch den Einbezug der Netzwerkpartner, insbesondere der Versorgungen und Kantone, umsetzbar. Trotz der vorgesehenen Koordination und Planung der Aktivitäten zwischen den Partnern wird aber ein gewisses Mass an Unvorhersehbarkeit bestehen bleiben.
Chancen und Herausforderungen müssen kurzfristig erkannt und ergriffen werden. Dies erfordert von allen eine gewisse Flexibilität, eine offene Kommunikation sowie eine hohe Lern- und Diskussionskultur.

Bibliographie

[1] Vorstand SVGW (2014): SVGW: Gemeinsam für eine sichere und nachhaltige Versorgung. Aqua & Gas 12/14: 101–104
[2] SVGW (2015): Branchenbericht der schweizerischen Wasserversorgung. Zürich. 39 S.
[3] BAFU (2014): Grundlagen für die Wasserversorgung 2025 – Risiken, Herausforderungen und Empfehlungen. www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/wasser/uw-umwelt-wissen/grundlagen_fuer_diewasserversorgung2025.pdf.download.pdf/grundlagen_fuer_diewasserversorgung2025.pdf
[4] GIZ (2015): Work the net – a management guide for existing and emerging formal networks
[5] Martins, J. P. (2014): Management of Change in Water companies – in search of sustainability and Excellence, IWA Publishing
[6] Moehrle, M.G.; Isenmann, R.; Phaal, R. (2013): Technology Roadmapping for Strategy and Innovation. Springer Verlag
[7] BUWAL (2004): Wegleitung Grundwasserschutz. Vollzug Umwelt. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern. 141 S.
[8] SVGW (2017): Richtlinie W12 – Leitlinie für eine gute Verfahrenspraxis in Trinkwasserversorgungen, Zürich

Politikstrategie Trinkwasser des SVGW

Das Ziel der Politikstrategie ist, zentrale Anliegen der Wasserversorger in die politische Diskussion zu tragen und wo möglich geeignete Handlungsansätze in politische Geschäfte zu verankern. Auch werden thematische Stossrichtungen und gewisse Meilensteine festgelegt, die damit die Basis für die konkrete Massnahmenplanung und für den Aufbau strategischer Allianzen bilden. Weiter soll die Umsetzung der Politikstrategie mehr Aufmerksamkeit für zentrale Themen schaffen und neue Partner für die Anliegen des SVGW gewinnen. Die Politikstrategie basiert auf dem Lobbying-Konzept (2015). Sie wurde von der S-AG7 und weiteren SVGW-Mitgliedern in Workshops entwickelt und vom Vorstand am 8. Juni 2017 verabschiedet.
In der Politikstrategie wurden zwei thematische Handlungsfelder definiert, die der SVGW vertiefter bearbeiten soll:
– planerischer Schutz der Trinkwasserversorgung mit den dazugehörigen Themen Versorgungssicherheit, Klimaresilienz und regionale Planungen
– stofflicher Schutz der Trinkwasserressourcen: Verminderung der Stoffeinträge in die Umwelt bzw. die Verbesserung der Grundwasserqualität in den Zuströmbereichen und Schutzzonen.

Planerischer Schutz

Zur Stärkung des planerischen Schutzes will der SVGW die Ziele der Wasserversorger in den verschiedenen Planungsinstrumenten verankern. Konkret wird der SVGW versuchen, Einfluss zu nehmen auf die Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG 2). Als erster Schritt wurde bereits eine Stellungnahme erarbeitet und im August 2017 beim Bund eingereicht. Weiter wird der SVGW in der Auslegung und Umsetzung des RPG auch auf Kantone und Kommunen Einfluss nehmen. Zudem wird der Fach- und Erfahrungsaustausch anhand von guten Praxisbeispielen gefördert, zum Beispiel zum Thema Planung auf regionaler Ebene. Ebenfalls wird der SVGW die Interessen der Wasserversorger in die Revision der Verordnung zur Trinkwasserversorgung in Notlagen einbringen.

Stofflicher Schutz

Seine Forderungen zum stofflichen Schutz der Wasserressourcen will der SVGW u.a. durch sein Engagement in der Allianz Pestizidreduktion und durch gemeinsames Lobbying schlagkräftiger einbringen. Zusammen mit den Fach-, Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen der Allianz wird verstärkt Druck ausgeübt zugunsten des stofflichen Ressourcenschutzes. So fand am 14. Juli ein Austausch mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) statt, bei dem konkrete Forderungen platziert wurden. Beim Austausch wurde das BLW damit konfrontiert, dass es vorsätzlich massiv zu hohe Risiken zulässt und eigenhändig eine Interessenabwägung zugunsten der Landwirtschaft und einer entsprechenden Pestizidzulassung vornimmt.
Der SVGW wird auch die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutzmittel (NAP) kritisch weiterverfolgen und u. a. die Sicherung der Finanzierung einfordern. Zudem erarbeitet der SVGW derzeit – in einem breit abgestützten Prozess – ein Positionspapier zum Thema Fremdstoffe. Mit diesem wird er sich in die anstehende Revision der Gewässerschutzverordnung betreffend Festlegung von Anforderungswerten für Pestizidmetaboliten einbringen. Der SVGW wird auch darauf hinarbeiten, dass die Interessen der Wasserversorger und des Ressourcenschutzes in die nächste Etappe der Agrarpolitik (Agrarpolitik 22-25) einfliessen und berücksichtigt werden.
Gegenüber den Volksinitiativen, die die Pestizidthematik betreffen und sich derzeit in der Phase der Unterschriftensammlung befinden, ist der SVGW zurückhaltend. Zur Erreichung seiner Ziele für den stofflichen Trinkwasserressourcenschutz in der Landwirtschaft erachtet der SVGW derzeit standortspezifische Massnahmen im Sinne eines regionalisierten «Ökologischen Leistungsnachweises» (ÖLN) als zielführender.

Sensibilisierung als Massnahme

Begleitet werden alle Aktivitäten von abgestimmten Kommunikationsmassnahmen, um die Entscheidungsträger für die Interessen der Trinkwasserversorgung zu sensibilisieren. In der Medienarbeit wurde das Thema Pestizidbelastung des Grundwassers in der NZZ am Sonntag vom 18. Juni 2017 lanciert, was dazu beitrug, den Druck auf die Intensivlandwirtschaft zu erhöhen. Auch zur lancierten Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» nahm der SVGW in einem Artikel des Tagesanzeigers Stellung.
Mit dem VSA, einem Partner in der Allianz Pestizidreduktion, konnte der SVGW am 18. September 2017 eine Aktion im Bundeshaus durchführen. Alle Parlamentarier erhielten eine gläserne Trinkflasche beschriftet mit «natürlich Trinkwasser». Dazu wurde ein Schreiben von Nationalrat Marco Romano (CVP, TI) verteilt (Fig. 3). Darin wird mit dem Appell «Bekennen wir uns zu unserer Wasserversorgung und tragen wir Sorge zu den Wasserressourcen!» auf die Interessen der Trinkwasserversorger hingewiesen und die Notwendigkeit der Vorsorge betont. Darauf aufbauend ist eine Interpellation mit Fragen an den Bundesrat geplant.

Die sieben strategischen Themenfelder
a) Technisches System, Betrieb, Unterhalt, Materialien, Service und Qualität (Technik, Infrastruktur)

Weiterentwicklung des technischen Wissens, anerkannten Regeln der Technik, v. a. durch Regelwerk und Normen sowie Ausbildung.

b) Vorsorgender Ressourcenschutz (Umwelt)

Planerischer und stofflicher Ressourcenschutz zur Sicherung einer mengenmässig ausreichenden und qualitativ naturnahen Rohwasserversorgung.

c) Bewahrung der Autonomie der Wasserversorgungen (Ökonomie)

Sicherung der finanziellen Nachhaltigkeit, der rechtlichen Selbständigkeit bei Wahrung der Gouvernance durch die Allgemeinheit.

d) Versorgungsauftrag (Rechtliches)

Sicherung der Versorgungssicherheit, u. a. Aufbau von zweitem Standbein durch Vernetzung; proaktive Behandlung der Auswirkungen des Klimawandels auf Versorgungen.

e) Kompetenzen, Austausch und gute Verfahrenspraxis (Wissen)

Sicherstellung von hochstehendem Wissen und Ausbildung in Versorgungen sowie der guten Verfahrenspraxis.

f) Image und Identität des Trinkwassers (Soziokulturelles, Politisches)

Wahrung des hohen Images des Trinkwassers als naturnahes und ökologisch sinnvolles Lebensmittel und Bereitschaft für vorsorgenden Ressourcenschutz.

g) Selbstverständnis und Entwicklung der Branche (Institutionelles)

Stärkung der Branche im Sinne des Selbstbildes und auch in Wahrnehmung und Wertschätzung von aussen.

Die SVGW-Bereichsstrategie Wasser 2030 in 10 Punkten
Ziel

Der SVGW ist die führende Fachorganisation für alle trinkwasserrelevanten Fragen im Bereich Wasserversorgung, Trinkwasser-Ressourcenschutz und Hausinstallationen.

Thematisch: umfassend und ambitioniert

– vom Zuströmbereich bis zum Wasserhahn – Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette
– für die Trinkwasserbranche und den Verband
– eine starke, geeinte Stimme fürs Wasser

Leistungsspektrum: vertikal und horizontal kundenorientiert

– in allen Landesteilen aktiv und regional verankert, national wirksam
– für kleine, mittlere und grosse Versorgungen
– praktische, praxisbezogene Produkte und Dienstleistungen, die für Kunden Mehrwert schaffen

Arbeitsweise und Ressourcen: Netzwerk mit effizientem Motor

– effizientes Netzwerk für, mit und durch Mitglieder; Geschäftsstelle als Motor und Netzwerker
– aufgabenbedingt spezifische Kooperationen nutzen
– rollende Planung, periodische Überprüfung strategischer Prioritäten

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