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07. August 2018

Bilanz

Allmählich geht’s auch den Seen nicht mehr gut

Die Hitze der vergangenen Tage, Wochen und Monate wirkt sich auch auf die Seen aus, wie ein Augenschein am Rande der Schweiz, am Bodensee und am Lago Maggiore zeigt.

Die Schweiz schwitzt, die «Hundstage» dauern an und Regengüsse grösseren Ausmasses sind nicht in Sicht. Die Pegelstände der Seen sind tief – auch im Bodensee und am Lago Maggiore. Und doch: Sorgen machen muss man sich um die Seen (noch) nicht.

Algen färben Bodensee türkisgrün

«Es ist so, dass Tiere und Pflanzen unter den hohen Temperaturen im Wasser leiden können», erklärte Martin Wessels, stellvertretender Leiter des Instituts für Seenforschung, gegenüber FM1 Today: «Gewisse Krankheiten können sich bei den hohen Temperaturen schneller verbreiten. Diese sind vor allem für Fische gefährlich, welche nicht in ein kühleres Gewässer abwandern können.» Aktuell gibt es für den Bodensee aber noch keine Meldungen über Fischkrankheiten.

Neben dem warmen Wasser sind in den letzten Wochen vor allem auch die starke Algenbildung und die dadurch türkisgrüne Farbe des Bodensees aufgefallen. Doch auch diese sei kein Grund zur Besorgnis: «Das hat einerseits mit der Algenbildung zu tun, welche im Sommer vorkommt», erklärt Martin Wessels, «andererseits hat es mit der sogenannten Kalzitfällung zu tun. Dadurch sieht der See im Sommer eher wie ein Bergsee aus.» Da all dies Teil eines natürlichen Prozesses ist, bestehe aber keine Gefahr für die Fische.

Dass es im Bodensee aber über die Jahre immer wärmer wird, ist auch Martin Wessels bewusst: «Wir beobachten, dass sich die mittleren Temperaturen in den oberen Schichten erwärmen. In den letzten dreissig Jahren ist es dort um rund ein Grad wärmer geworden. Das ist klar auf den Klimawandel zurückzuführen.» Deshalb könne man auch aktuell nichts gegen das warme Wasser im Bodensee unternehmen. Viel mehr müsste langfristig eine Lösung gefunden werden: «Als Menschen können wir nur die allgemeine Problematik der Klimaerwärmung erkennen und uns bewusstmachen, dass diese einen Einfluss auf unsere Umwelt hat», sagt Wessels. Vorerst gibt er aber Entwarnung für den Bodensee: «Ich denke, wir bewegen uns noch in einem normalen Bereich. Klar, wir haben ungewöhnlich tiefe Wasserstände und die Temperaturen sind hoch, aber die Mehrheit der Fauna im See kommt in der Regel ganz gut mit den hohen Temperaturen klar.»

Noch kein Jahrhundertsommer

Die Pegel sinken also, deshalb muss der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung derzeit überdurchschnittlich viel Wasser an seine Mitglieder abgeben – momentan täglich etwa 480'000 Kubikmeter. Wie der Zweckverbund mitteilte, ist der Juli erfahrungsgemäss der Monat mit der höchsten Wasserabgabe. Für dieses Jahr rechnet der Wasserversorger mit einem Wasserabsatz von rund 13 Mio. Kubikmeter. Die durchschnittliche Abgabe liege in diesem Jahr bei 360'000 Kubikmetern pro Monat. Der Wasserversorger hat eigenen Angaben zufolge eine Kapazität und ein Entnahmerecht von 670'000 Kubikmeter pro Tag. Diese Menge sei jedoch selbst im Jahrhundertsommer 2003 mit der bislang höchsten Tagesabgabe in der Geschichte der Bodensee-Wasserversorgung von 531'000 Kubikmetern nicht benötigt worden.

Der Zweckverband erklärte zudem gegenüber EUWID, dem Europäischen Wirtschaftsdienst, dass die Entnahme von Trinkwasser keinen messbaren Einfluss auf den Pegel des Bodensees hat. Im Mittel sei die Verdunstung doppelt so hoch wie die Entnahme der Bodensee-Wasserversorgung. Dieser Tage beträgt der Pegel-Stand bei Konstanz etwa 3,30 Meter. Das langjährige Mittel seit 1850, liegt für diesen Pegel bei etwa 4,22 Metern. Der seit 1850 jemals gemessene Tiefwasserstand für Ende Juli liegt bei 3,14 Metern, so der Wasserversorger. Der Bodenseepegel liege damit noch leicht oberhalb des Minimalwerts, aber deutlich unter dem langjährigen Mittel.

Zur Vorbereitung auf einen hohen Tagestrinkwasserbedarf werden derzeit die sogenannten Hochbehälter gefüllt und auch tagsüber auf einem hohen Stand gehalten, erklärte der Zweckverband. Im gesamten Verteilnetz stehen etwa 500'000 Kubikmeter bestes Trinkwasser zur Verfügung, was bei derzeitiger Wasserabgabe einem Vorrat von gut einem Tag entspreche.

Lago Maggiore: hydrologisch bedeutend

Stetig gesunken ist während des ganzen Juli 2018 auch der Pegelstand des Lago Maggiore im Süden der Schweiz, wie die Messstation in Locarno zeigt: Lag er Anfang Juli noch bei 193, 8 Metern ü. M., so war man rund dreissig Tage später, Anfang August, bei 192,7 Metern ü. M. angelangt. Der Lago Maggiore bedeckt dabei eine Fläche von 212,5 Quadratkilometern, von der rund 80 Prozent zu Italien, die restlichen knapp 20 Prozent zur Schweiz gehören. Er reicht von der südlichen Alpenkette bis an den westlichen Rand der Poebene. Wie die anderen oberitalienischen Seen entstand er beim Abschmelzen eiszeitlicher Gletscher Vor allem sein Nordteil ist von hohen Bergen umgeben. Der See hat eine Länge von rund 65 Kilometer und hat eine Breite von bis zu 10 Kilometern. Nach dem Gardasee ist er der zweitgrösste See Italiens. Der Seespiegel liegt im Mittel bei 193 Metern ü. M. und bildet damit den tiefsten Punkt der Schweiz. Die grösste Tiefe beträgt 372 Meter. Der Seegrund liegt damit mehr als 170 Metern unter dem Meeresspiegel. Das Einzugsgebiet beträgt 6'386 Quadratkilometer, 3'326 Quadratkilometer in der Schweiz und 3'060 Quadratkilometer in Italien.

Der Hauptzu- und -abfluss ist der Ticino, er mündet bei Magadino in den See ein. Das Mündungsgebiet, die Bolle di Magadino, ist ein artenreiches Naturschutzgebiet. Weiter westlich mündet die Maggia in den Lago Maggiore. Sie bringt ständig Geschiebe mit sich, so dass das Maggia-Delta heute weit in den See hinausreicht. Östlich des Deltas liegt Locarno, das vor allem durch sein Filmfestival und die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso bekannt ist, auf der Westseite Ascona mit seiner Seepromenade und dem Monte Verità. Im Hinterland teilt sich das Tal bei Ponte Brolla ins Centovalli zur linken und das Maggiatal zur rechten Seite. Im Norden mündet die Verzasca in den See, vor allem bekannt durch eine Brücke und die 220 m hohe Staumauer.Der hydrologisch bedeutendste Zufluss des Sees ist allerdings der Toce, da dieser durchschnittlich etwas mehr Wasser als der Tessin in den See miteinbringt. Allerdings sind die natürlichen Wassermengen dieser Flüsse aufgrund zahlreicher Wasserableitungen zur Stromgewinnung seit Jahrzehnten von Menschenhand reguliert.

Weitere Seen in der Schweiz

Die Niveaus der Gewässer sind in dieser Jahreszeit im Vergleich mit den vergangenen Jahren also tief; dieser Meinung ist auch das Bundesamt für Umwelt, das BAFU Anfang August: Die Niedrigwasserlage in der Schweiz bleibt zudem noch eine Weile bestehen. Und die Hitze führe zu hohen Wassertemperaturen und intensiver Gletscherschmelze in den Hochalpen.

Bei den regulierten Seen würden derzeit «zum Teil noch durchschnittliche Wasserstände» gemessen, meint das BAFU. Ausserordentlich tiefe Wasserstände würden aber am Vierwaldstätter-, Zuger- und Zürichsee gemessen. Einen natürlichen Abfluss haben und somit nicht reguliert sind der Boden- und der Walensee. An beiden Seen seien für Anfang August «extrem tiefe Wasserstände» gemessen worden.

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