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Fachartikel
25. März 2019

Berner Wassertag 2019

Mikroverunreinigungen: Herausforderungen und Lösungen

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Medikamenten, Haushaltsreinigern und anderen Produkten gelangen trotz hohem Standard der Kläranlagen in die Gewässer. Wie solche Stoffe auf Mensch und Umwelt wirken und wie die Belastung der Gewässer durch Mikroverunreinigungen reduziert werden kann, stand im Zentrum des diesjährigen Berner Wassertages.

Ende März haben rund dreihundert Akteure aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am Berner Wassertag teilgenommen. Der diesjährige Anlass, moderiert von TY-Moderator Tobias Müller, widmete sich den Mikroverunreinigungen. Der Berner Baudirektor und Regierungspräsident Christoph Neuhaus betonte einleitend, dass sauberes Wasser für Mensch und Natur unabdingbar sei und zeigte auf, wie sich der Kanton Bern dafür engagiert.

Unbedenklich für Menschen, aber trotzdem ein Fremdstoff

Mikroverunreinigungen sind Rückstände aus Produkten des täglichen Gebrauchs, aus Medikamenten und aus Pflanzenschutzmitteln. Sie gelangen über das Abwasser oder durch diffuse Einträge in die Gewässer. Fachleute beurteilen die aktuell gemessenen Stoffe und Mengen als für den Menschen unbedenklich. Allerdings können bereits geringe Konzentrationen an Mikroverunreinigungen gewisse Wasserlebewesen schädigen. Deshalb sind sich die Gewässerschutzexperten einig, dass solche Fremdstoffe weder im Grundwasser noch im Trinkwasser vorkommen sollten, meinte an der Tagung auch Claudia Minkowski vom Berner Amt für Wasser und Abfall (AWA).

Technische Lösungsansätze

Mit technischen Verfahren können Mikroverunreinigungen zu einem grossen Teil aus dem Abwasser entfernt werden. Die Abwasserreinigungsanlage Thunersee in Uetendorf, so berichtete ARA-Geschäftsführer Bruno Bangerter, ist die erste Anlage im Kanton, die dieses Verfahren eingeführt hat. Mit Hilfe von feinster Pulveraktivkohle können organische Spurenstoffe zu über 80 Prozent vom Abwasser getrennt werden. Es wäre auch denkbar, Trinkwasser vor der Abgabe von Mikroverunreinigungen zu befreien.

Für den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW), der durch sein Vorstandsmitglied Andreas Hirt, Geschäftsleitungsmitglied der Energie Service Biel (ESB), vertreten war, ist jedoch die Wasseraufbereitung nur die zweitbeste Lösung, da dadurch die Umwelt nicht entlastet wird. Der Trinkwasserverband fordert deshalb Massnahmen wie das Verbot von Pflanzenschutzmitteln in den Schutzzonen der Wasserversorgungen.

Reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Die Vertreter der Landwirtschaft haben am Berner Wassertag ihrerseits aufgezeigt, dass beim Einsatz von Pestiziden in den letzten Jahren eine Sensibilisierung stattgefunden habe. Es gäbe Fortschritte bei der mechanischen Unkrautbekämpfung und es würden gezielt Massnahmen zur Vermeidung von Punkteinträgen umgesetzt, erklärte zum Beispiel Christian Hofer, Vorsteher des Amtes für Landwirtschaft und Natur (LANAT). So unterstütze das Berner Pflanzenschutzprojekt die Landwirtschaft beim effizienten und umweltschonenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Ziel des Projekts sei es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zu optimieren, ohne dabei das Produktionsvolumen massgeblich zu beeinträchtigen.

Diese Massnahmen gehen der Initiantin der sogenannten «Trinkwassersinitiative – Sauberes Wasser für alle» nicht weit genug. Die Initiative, so erklärte Franziska Herren, verlange unter anderem, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzten.

Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbandes, zeigte zudem auf, welches die Herausforderungen für eine zeitgemässe und nachhaltige Lebensmittelproduktion sind, und warum die Devise «Das Richtige am richtigen Ort» auch für den Pflanzenschutz gelten sollte.

 

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