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15. April 2019

Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF)

Haustechnik: Es bewegt sich was

Anfang April nahmen rund dreihundert Fachleute der Haustechnikbranche in der Umwelt Arena Spreitenbach am Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF) teil. Der renommierte, alle zwei Jahre stattfindende Anlass hat sich seit 2001 zu einer wichtigen Veranstaltung der Branche entwickelt. Mit der «Energiestrategie 2050 – Stand heute» nahm er sich 2019 einem hochbrisanten Thema an und zeigte die Umsetzung der Strategie in der Praxis.

Seit 1979 ist die Energie-Direktoren Konferenz (EnDK) der Zusammenschluss von 26 Mitgliedern der Kantonsregierungen, die führend im Bereich Energie sind. Sie bilden gewissermassen das Energie-Kompetenzzentrum der Kantone. Hauptaufgaben sind die Förderung und Koordination der Zusammenarbeit der Kantone in Energiefragen sowie die Vertretung gemeinsamer Interessen. Angegliedert ist die Energie-Fachstellen Konferenz (EnFK), die vor allem fachtechnische Fragen behandelt.

Die AEE SUISSE vertritt als Dachorganisation der Wirtschaft die Interessen von etwa zwanzig Branchenverbänden und rund 15’000 Unternehmen und Energieversorgern aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Ihr Ziel ist es, die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger für eine nachhaltige Energiepolitik zu sensibilisieren und sich aktiv an der Gestaltung der wirtschaftlichen und energiepolitischen Rahmenbedingungen auf nationaler und regionaler Ebene zu beteiligen.

Digitalisierung als grosse Chance

Oliver Brenner, der stellvertretende Generalsekretär der EnDK zeigte in seinem Referat am WIF in Spreitenbach nun auf, dass die Schweizer Energieversorgung zu über 75 Prozent vom Ausland und stark von fossilen Energieträgern abhängig ist. Eindrücklich sei dabei die Tatsache, dass der Brennstoffverbrauch der Haustechnik seit 2004 signifikant sinke, die Treibstoffe des Verkehrs jedoch laufend zunehmen würden. Danach ging Oliver Brenner auf die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, die MuKEn ein: Sie seien im Jahr 2014 nach dem Atomkraftwerk-Unfall 2011 in Fukushima entstanden und würden Gebäudevorschriften und -standards für Neubauten und bestehende Bauten zur zielkonformen Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen beinhalten. Brenners Fazit: «Energie- und klimapolitische Herausforderungen und Ziele lassen sich nur gemeinsam erreichen, wobei Kantone und die Haustechnikbranche wichtige Player sind!»

Gianni Operto, Präsident der AEE Suisse, zeigte im Anschluss daran auf, wie der Energiewende mit innovativen Lösungen begegnet werden kann. Neue Technologien, so Gianni Operto, seien ein grosses Thema und machten - wie auch die Digitalisierung - grosse Fortschritte. Die Digitalisierung eröffne zudem neue Möglichkeiten. Operto sieht sie deshalb als grosse Chance.

Alles «made in Switzerland»

Berthold Högerle, Leiter Schulungszentrum der Max Weishaupt GmbH, berichtete seinerseits über den grossen Energieumbruch in der Branche: Obwohl Brenner noch etwa 60 Prozent der Geschäftsaktivitäten ausmachten, so Högerle, sei Weishaupt daran, den regenerativen Bereich stark auszubauen. Högerle stellte als Beispiel die neue, in der Schweiz produzierte Luft- und Wasser-Wärmepumpe «Biblock» und die neuen noch energieeffizienteren Gasbrenngeräte vor - alles Eigenentwicklungen und gewissermassen «made in Switzerland». Energieeffizienz stehe dabei an erster Stelle: Die Anlagen würden aber immer leiser, seien einfacher zu montieren und benötigten immer weniger Platz.

Das Interesse von Moderator Reto Brennwald an der Energiewende sei durch seine Reportersendung über Doris Leuthard geweckt worden, war am WIF weiter zu erfahren. Seine Faszination für Energie-Themen und das breite Hintergrundwissen kamen in der Moderation denn auch zum Tragen. Er hielt den Finger auf die Diskrepanz zwischen Illusion und Wirklichkeit und führte in sympathischer und eloquenter Manier durch den Anlass. Auch im anschliessenden Podiumsgespräch kam klar heraus: Was die Branche möchte, scheint klarer zu sein, als wie sie es reichen will: Eine grosse Herausforderung sei dabei vor allem die Umsetzung der Vorschriften. Verschiedene Infostände, Netzwerk und Apéro rundeten das 16. WIF ab.

Stabsübergabe der operativen Leitung

Am Gipfel bekannt gegeben wurde auch, dass Richard Osterwalder per 1. Juni 2019 die operative Leitung an den 46-jährigen Ingenieur ETH Thomas Rusch weitergeben wird. Über 30 Jahre habe Richard Osterwalder das Geschick der Unternehmung Weishaupt in der Schweiz geleitet, die Firma massgeblich mitgeprägt und die Marke und ihre technischen Innovationen in der Schweiz an die Spitze gebracht. Richard Osterwalder, der Gründervater des WIF, habe einen grossen Leistungsnachweis weit über die eigene Firma hinaus. Er habe während dreier Jahrzehnte eine enorme Entwicklung miterlebt, aber sie auch mitgeprägt. So gehe nun eine Ära Ende. Richard Osterwalder bleibt dem Unternehmen und der Branche aber als Delegierter des Verwaltungsrates und in Fachverbänden erhalten.

 

Instrumente der kantonalen Energiepolitik

Der schweizerische Gebäudepark mit einem Gesamtwert von 2'500 Mrd. Schweizer Franken und einem jährlichen Investitionsvolumen von 40 Mrd. Franken ist für über 40 Prozent des schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs und für etwa 27 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Gegenüber 1990 weist der Gebäudebereich trotz Zunahme der beheizten Fläche wie auch der Bevölkerungszahl entscheidende Verbesserungen auf, die zu einem nennenswerten Anteil mit Hilfe der Instrumente der Kantone erreicht werden konnten. Diese decken die Bereiche Fordern, Fördern, freiwillige Label sowie Information und Beratung ab. Die Weiterentwicklung und konsequente Anwendung dieser und weiterer Instrumente werden auch künftig erforderlich sein, sollen die gesetzten Ziele im Energie- wie auch im Klimabereich erreicht werden.

Einen wesentlichen Reduktionsbeitrag müssen die bestehenden ineffizienten und fossil beheizten Bauten leisten. Dabei ist zu beachten, dass die Energieeffizienz im Gebäudebestand die Eintrittskarte für eine technologieoffene Anwendung der begrenzt verfügbaren erneuerbaren Wärmequellen im Gebäudebereich ist. Die Transformation des Gebäudeparks hin in Richtung effizient und erneuerbar entspricht einem Marathon, der die ganze Branche betreffe und nur gemeinsam erreichbar sei. Der Gebäudetechnikbranche komme dabei bei der Umsetzung eine Schlüsselrolle zu, die viele Möglichkeiten, Chancen und Arbeitsplätze biete.

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