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11. Juni 2019

1000. Fachausweis übergeben

Brunnenmeister-Ausbildung: Alles fliesst!

Die Ausbildung zum Brunnenmeister des SVGW feiert derzeit einige Jubiläen: Momentan haben in der Schweiz mehr als 1000 Brunnenmeister ihre Ausbildung mit einem eidgenössischen Fachausweis abgeschlossen: rund 700 in der Deutschschweiz, in der Romandie deren 250 und im Tessin etwa 50. Grund genug mit einigen Jubilaren zusammen ein Fazit zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Peter C. Müller 

«Panta rhei – alles fliesst», meinte einmal der griechische Philosoph Heraklit. Das gilt wohl derzeit auch für den Beruf des Brunnenmeisters, der im Rahmen der Revision der eidgenössischen Berufsprüfung – ebenso wie der Rohrnetzmonteur – momentan ein aktualisiertes neues Berufsbild und Qualifikationsprofil erhält: «Die Vernehmlassung des Qualifikationsprofils ist nun abgeschlossen», weiss Thomas Rotach, zuständig für die Höhere Berufsbildung beim SVGW: «Sie fand dieses Frühjahr statt und wir erhielten grundsätzlich sehr positive Rückmeldungen auf das neue Qualifikationsprofil.» Dennoch seien noch einige Schritte zu tun, bis ab dem Jahr 2022 schliesslich auch die Ausbildungsgänge in überarbeiteter Form angeboten werden können. Diskutiert werde derzeit zum Beispiel noch, ob es – wie bisher - ein klassisches oder neu ein modular aufgebautes Prüfungs- und Lehrgangskonzept geben soll.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Seit über 20 Jahren arbeiten der Schweizerische Brunnenmeisterverband (SBV), Suissetec und der SVGW bei der Ausbildung und Berufsprüfung der Brunnenmeister zusammen: «Es ist eine sehr erfolgreiche Kooperation, die sich sehr bewährt hat», erklärt Thomas Rotach: «Dies zeigen auch die Zahlen der Ausbildung: Seit vielen Jahren verzeichnen wir eine steigende Nachfrage nach den Vorbereitungslehrgängen auf die eidg. Berufsprüfung und sind in der Deutschschweiz bereits bis 2021 ausgebucht.»

Vor kurzem konnte man so einige Meilensteine feiern: Insgesamt wurden seit 1996 in der Schweiz mehr als 1000 eidgenössische Fachausweise Brunnenmeister erworben. Rund 250 der Brunnenmeister kamen dabei aus der Romandie und rund 50 aus dem Tessin und die restlichen etwa 700 aus der Deutschschweiz.

Gutes Standbein für die Zukunft

Doch wie gefällt die Ausbildung zum Brunnenmeister? Wieso entschliesst man sich Brunnenmeister zu werden? Möchte man sich nun nach einer bereits abgeschlossenen Lehre weiterentwickeln und etwas Neues anpacken? Und was ist am Beruf besonders spannend? Wir haben bei einigen Jubilaren in den verschiedenen Landesteilen nachgefragt und Bilanz gezogen – zusammen mit Sandro Schneider aus Davos, Fréderic Meyer aus Gruyère und Nathan Bonetti aus Blenio.

«Es ist vor allem die Begeisterung für diesen vielfältigen Beruf, die mich dazu bewogen hat, diese Ausbildung zu machen», erklärt der 46-jährige Sandro Schneider, der heute  bei der Wasserversorgung der Gemeinde Davos arbeitet: «Ich bin sehr motiviert, immer wieder Neues zu lernen, und ich liebe die Möglichkeit das erlernte Wissen auch in der Praxis anzuwenden.» Dies alles habe ihn dazu bewogen diese Ausbildung zu machen: «Ich denke, ich bin damit nun beruflich für die Zukunft sehr gut aufgestellt», meint der Familienvater von zwei Teenies.

Vor seiner Ausbildung zum Brunnenmeister hat Sandro Schneider den Beruf des Metallbauschlossers erlernt, bevor er auch einen Kurs zum Badangestellten des Schweizerischen Badmeisterverbandes absolviert hatte. Ausserdem erlernte er in Kursen das Schweissen und Verlegen druckbeanspruchter Rohre aus Kunststoffen oder legte im Jahr 2012 die Berufsprüfung zum Rohrnetzmonteur ab.

«Die Ausbildung zum Brunnenmeister war sehr lehrreich», bilanziert Sandro Schneider heute: «Das abwechslungsreiche Ausbildungsprogramm hat mir noch einmal bestätigt, wie vielfältig unser Beruf ist, und wie wichtig es ist, die uns auferlegten Aufgaben gewissenhaft ausführen zu können.» Durch die Ausbildung seien zudem «gute Bekanntschaften unter Gleichgesinnten» entstanden, mit denen auch heute noch ein «reger und wertvoller Austausch» stattfinde.

Der Lehrgang sei mit sechs Wochen Ausbildungszeit zwar «recht straff» geführt, sagt der Davoser Brunnenmeister heute: «Doch besonders geschätzt habe ich, dass einige Lehrpersonen uns auch ausserhalb des Unterrichts mit Rat und Tat unterstützt haben.» Dennoch hätte er für einige der Unterrichtsthemen gerne etwas mehr Zeit aufgewendet.

Spannende und nützliche Themen

Von seiner Ausbildung zum Brunnenmeister sehr begeistert ist auch der 41-jährige Fréderic Meyer  aus Epagny, der heute für die Gruyère Energie SA in Bulle arbeitet: «Ich hatte eine Anfrage von meinem Arbeitgeber, ob ich mich auf diesem Gebiet nicht etwas spezialisieren und die Kenntnisse auf dem Gebiet der Verwaltung von Trinkwassernetzen vertiefen wolle. Ich habe zugesagt und es bisher keinen Tag bereut!» Besonders die Vielfalt der Themen habe ihm gut gefallen, sagt Fréderic Meyer. Aber es sei auch gut gewesen, den Kurs mit den unterschiedlichsten Teilnehmern zu absolvieren und nicht nur einen, sondern viele Lehrer zu haben.

Zuvor hatte der vierfache Familienvater schon eine Ausbildung zum Elektromechaniker, zum Wasseraufbereitungsspezialisten und zum Sicherheitsbeauftragten absolviert. Vielleicht kommt es gerade daher, dass er die Kurse zur Arbeitssicherheit im Rahmen der Brunnenmeisterausbildung etwas kritisch sieht: «Ich hätte mir gewünscht, dass wir hier etwas vertieftere Informationen bekommen hätten, denn es ist ein sehr wichtiges, spannendes und nützliches Thema.»

Zudem brauche es auch etwas mehr Kohärenz zwischen den Kursen, zum Beispiel bei den hydraulischen Berechnungen und der Physik. «Manchmal überschneiden sich hier die Themen und es gibt auch Unterschiede darin, wie gut die Lehrer das Thema vermitteln können.» Er habe teilweise den Eindruck gehabt, es ginge nur darum den Lehrstoff zu vermitteln, aber nicht darum, dass er auch tatsächlich verstanden werde.

Dennoch könne er die Ausbildung zum Brunnenmeister durchaus anderen Kollegen sehr empfehlen. Und auch er freut sich darauf, in den nächsten Jahren im neu erlernten Beruf weiterarbeiten zu können: «Vorerst sind keine Veränderungen geplant», meint Fréderic Meyer lachend: «Ich werde wohl für die Gruyère Energie SA weiterarbeiten. Es sei denn, es wird mir in Französisch-Polynesien eine ähnliche Stelle angeboten!»

Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen

Und was hat Nathan Bonetti, der in der Wasserversorgung der Berggemeinde Blenio im Tessin auf etwas über 900 Meter über Meer arbeitet, bewogen, Brunnenmeister zu werden? «Ich wollte mein Wissen vertiefen», sagt der heute 32-jährige, der zuvor schon eine Ausbildung zum Mechaniker absolviert hat, «damit ich mit solidem Know-how arbeite und keine Fehler mache!» Er sei zwar in einer kleinen Region tätig, aber hier – wie in der ganzen Schweiz – sei ein sorgsamer und ressourcenschonender Umgang mit dem Wasser äusserst wichtig. An seinem Beruf gefalle ihm dabei besonders, dass er täglich neuen Herausforderungen begegne, dass er in der Gemeinde und im Kanton Kontakt zu zahlreichen Menschen habe und dass er sich für das Wasser als wertvolles Gut einsetzen könne. «Ich möchte mich bei meiner Arbeit stets weiter verbessern, auch wenn ich denke, dass ich schon ein beachtliches Niveau erreicht habe, um meine Arbeit und meine Aufgaben gut erledigen zu können.»

Die Ausbildung zum Brunnenmeister könne er durchaus weiterempfehlen, sagt Nathan Bonetti. Allerdings würde etwas mehr Praxis, zum Beispiel im Rahmen einiger Übungstage, dem Kurs ganz gut tun. Gerade der rechtliche Aspekt einer einwandfreien Wasserversorgung sei vielleicht etwas schnell vermittelt worden, auch wenn er für die praktische Arbeit eines Brunnenmeisters vielleicht nicht erste Priorität habe.

Er selbst setze für die Zukunft sicherlich weiterhin auf eine für ihn passende Aus- und Weiterbildung, meint Nathan Bonetti: «Ich möchte gerne auch in Zukunft in Blenio arbeiten. Um dabei aber meinen zahlreichen Aufgaben gerecht zu werden, werde ich mich wohl mit einigen Auffrischungskursen oder aktuellen Fachtagungen auf dem Laufenden halten. Dann bin ich, was mein Wissen anbelangt, stets à jour und für manche neue Herausforderung im beruflichen Alltag gut gewappnet.»

Film über den Beruf des Brunnenmeisters

Brunnenmeister sorgen für einwandfreies Trinkwasser und den reibungslosen Betrieb und Unterhalt von Pumpwerken, Reservoiren und Leitungsnetzen in der gesamten Wasserversorgung. Sie überwachen die Trinkwasserschutzzonen sowie Bauarbeiten am Trinkwassernetz. Zudem kontrollieren Sie Haustechnikanlagen.

 (c) SVGW 2016

1000. Fachausweis Brunnenmeister

Am 14. Juni übergibt die Trinkwasserbranche in Yverdon-les-Bains an 40 Absolventen die hart erarbeitete Qualifikation «Brunnenmeister mit eidg. Fachausweis», darunter ist der 1000. Wasserfachmann. Den Rahmen bietet die Generalversammlung des Schweizerischen Brunnenmeisterverbandes (SBV).

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