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Fachartikel
17. September 2019

Informationsanlass für Entscheidungsträger zum Thema Wasser

Austausch von Wissen, Knowhow und Erfahrungen

Aktuelle Themen der Wasser- und Abwasserbranche und die damit zusammenhängende Verantwortung der Kommunen standen im Zentrum der «Express-Schulung» von SVGW und VSA in Bern, an der rund dreissig Entscheidungsträger von Berner Gemeinden teilnahmen. Zum Informationsanlass eingeladen hatte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland.
Peter C. Müller 

Gemeinden werden immer stärker durch Herausforderungen im Bereich Wasser gefordert: Sei dies im Bereich Gewässerschutz, Versorgungssicherheit der Trinkwasserversorgung oder Schutzzonenkonflikte. Um die Entscheidungsträger in den Gemeinden auf ihre Verantwortung in diesen oft komplexen Aufgaben hinzuwiesen und ihnen Lösungen und Unterstützung anzubieten, haben der VSA und der SVGW gemeinsam das Format der sogenannten «Express-Schulung» entwickelt.

Solche «Express-Schulungen», bestehen aus kurzen kompakten Inputreferaten für die Zielgruppe «Entscheidungsträger» und aus kleinen Diskussionsrunden für den Austausch: «Vorteil dieser Art von Schulung ist», so erklärt André Olschewski, Leiter des Bereichs Wasser beim SVGW, «dass in kurzer Zeit spezifische Themen unserer Branche behandelt werden können und die zentrale Gruppe der Entscheidungsträger auf ihre Verantwortung hin sensibilisiert werden kann.» Dabei soll bereits bestehendes Fachwissen aktualisiert, neues Knowhow vermittelt, und untereinander Erfahrungen ausgetauscht werden. Weiter soll auch der Bekanntheitsgrad der beiden Verbände mit Hilfe solcher Informationsanlässe gefördert werden. Auf der Basis der Rückmeldungen aus der Express-Schulung können in einer späteren Phase regionale Schulungen zu ausgewählten Themen für die spezifischen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und der kantonalen Stellen angeboten werden.

Gemeinsamer Anlass von SVGW und VSA

Ende August war es nun in Bern soweit: Rund dreissig Entscheidungsträger von Gemeinden aus der Region Bern-Mittelland, rund zur Hälfte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie Bauverantwortliche, liessen sich über aktuelle Herausforderungen der Wasser- und Abwasserbranche informieren. Zum Fach- und Netzwerkanlass eingeladen hatte Christoph Lerch, Regierungsstatthalter Bern-Mittelland. Die Referate und die sich daran anschliessenden Workshops wurden vor allem durch Vertreter des SVGW und des VSA bestritten: So referierten vom SVGW André Olschewski über Versorgungssicherheit und Nutzungskonflikte und Markus Biner über die Selbstkontrolle der Wasserversorger im Rahmen der Richtlinie W12 und des elektronischen Tools «AQUAPILOT». Stefan Hasler, Direktor des VSA, gab von Seiten seines Verbandes einen Überblick über die Wasserwirtschaft oder das Thema Management von Gewässereinzugsgebieten.

Auf der Suche nach ausgewogenen Lösungen

«Ihre Verantwortung als Gemeinderätinnen oder Gemeinderäte», so erklärte Stefan Hasler, «ist es ausgewogene Lösungen zu finden.» Die Gewässer und ihr Einzugsgebiet, so Hasler, müssten den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Interessen gerecht werden, zum Beispiel denjenigen der Trinkwasserversorgung, Bewässerung oder Entwässerung sowie der Revitalisierung und des baulichen Hochwasserschutzes. Zudem gäbe es noch Ansprüche der Wasserkraftnutzung, der Schifffahrt, der Fischerei oder der Bedürfnisse der Menschen nach Freizeitgestaltung und Erholung. «Dies alles», so Stefan Hasler, «kann zu Zielkonflikten führen, die es – wenn immer möglich –- zu lösen gilt.» Lebendige Gewässer bräuchten eben genügend Raum und um diesen zu gewähren, brauche es Kompromisse von allen Seiten.

W1019: Umgang mit Nutzungskonflikten bei Trinkwasserfassungen

Ebenfalls um Konflikte, nämlich um diejenige der Nutzung ging es vor allem bei André Olschewski: «Untersuchungen des SVGW», so der Vizedirektor, «haben gezeigt, dass rund 54 Prozent aller Wasserversorgungen in der Schweiz Nutzungskonflikte haben, dies vor allem im Bereich der Landwirtschaft, von Siedlungsbauten oder angrenzender Infrastruktur von Strasse und Bahn.» Der SVGW arbeite deshalb im Rahmen einer neuen Richtlinie, der W1019, an Lösungsansätzen, die er an seine Mitglieder weitergeben möchte. Der Entwurf der Richtlinie gehe noch diesen Herbst in die Vernehmlassung. Wichtige Punkte, die in der W1019 diskutiert werden, sind dabei die Entfernung der Gefährdungen für Trinkwasserfassungen, eventuelle betriebliche Anpassungen der Fassungen an die örtlichen Gegebenheiten, die Suche nach regional angepassten Lösungen oder die Minimierung der Gefährdungen durch ein entsprechendes Risikomanagement und Monitoring.

Abwasserreinigung und Siedlungsentwässerung

Und wie steht es in den Gemeinden mit der Abwasserentsorgung? Wie sieht der Erneuerungsbedarf bei den Infrastrukturen aus? Oder wie soll die Elimination von Mikroverunreinigungen vor sich gehen? Darüber referierte Silvia Oppliger von der Hunziker Betatech AG, die – im Namen des VSA – vor allem auf dessen Aufgaben bei der Siedlungsentwässerung, der Abwasserreinigung oder der Kanalisation einging. Dabei zeigte sie klar die Verantwortlichkeiten der Gemeinden bei öffentlichen oder privaten Abwasseranlagen auf. Speziell ging die Expertin auf die Herausforderungen zur Erstellung und zur Nachführung des Generellen Entwässerungsplans (GEP) ein.

Von konkreten Zielen zu verbindlichen Massnahmen

Reto Manser, der Leiter der Abteilung Siedlungswasserwirtschaft beim Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons Bern gab schliesslich – neben Ergänzungen zur Siedlungsentwässerung – einen Überblick über die kantonale Strategie im Bereich der Wasserversorgung. «Ziele des Kantons sind hier die Konzentration auf gute Fassungen, eine Optimierung der Infrastruktur, die Bewirtschaftung der Anlagen durch kompetente Trägerschaften, eine verbesserte Rechtssicherheit bei der Verlegung von Anlagen sowie – last but not least – auch eine Förderung der Biodiversität, der allgemeinen Artenvielfalt in Flora und Fauna.»

Weiter führte Reto Manser aus: «Von den konkreten Zielen möchten wir in den kommenden Jahren zu verbindlichen Massnahmen kommen.» So wolle der Kanton Bern bis 2022 alle Nutzungskonflikte von regionaler und überregionaler Bedeutung lösen, regionale und überregionale Grundwasserfassungen vermehrt einem Screening bezüglich Spurenstoffen unterziehen, die generelle und die regionale Wasserversorgungsplanung priorisieren und einige Quellenstandsorte revitalisieren. «Gewässerschutz ist eben auch Trinkwasserschutz», meinte der Abteilungsleiter abschliessend: «Deshalb ist es unser erklärtes Ziel, dass im Kanton Bern die Wasserqualität im Grundwasser auch in Zukunft so gut ist, dass die Trinkwassergewinnung keine weitere, spezielle Aufbereitung benötigt!»

 

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