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24. Februar 2020

Trinkwasserqualität in der Region Murten

Handlungsbedarf erkannt, Sofortmassnahmen umgesetzt

Messungen des Kantons Freiburg zeigen: Die Trinkwasserqualität im Versorgungsgebiet der Industriellen Betriebe Murten (IB-Murten) ist grundsätzlich gut bis sehr gut. Im Gebiet «Champ Raclé» bei Löwenberg und in Salvenach wurden jedoch zu hohe Belastungswerte gemessen. IB-Murten hat sofort reagiert und die betroffenen Trinkwasserbrunnen vom Netz genommen. Dank geänderter Kombination der Wasserbezugsquellen ist die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser gesichert.

Der Kanton Freiburg hat im Herbst flächendeckend bei sämtlichen Quellen im Versorgungsgebiet von Murten, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, die Belastung mit Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil untersucht. Die Resultate zeigen, dass das Trinkwasser im Versorgungsgebiet der Industriellen Betriebe Murten (IB-Murten) zu überwiegender Mehrheit von guter bis sehr guter Qualität ist. Bei zwei Trinkwasserpumpwerken wurde der Höchstwert für Chlorothalonil-Abbauprodukte bei den Messungen des Kantons jedoch überschritten: Im Gebiet «Champ Raclé» in Löwenberg beim Kreisel in Richtung Ins/Galmiz und in Salvenach. Sorgenkind bildete die Salvenacher Grundwasserquelle Grissachmatt im Gebiet der Kantonsgrenze zu Münchenwiler. Sie überschritt den Höchstwert um ein Vielfaches. Bei der zweiten Salvenacher Trinkwasserquelle – dem Grundwasser-brunnen Eichelried – wurde der Höchstwert hingegen deutlich unterschritten.

IB-Murten hat sofort Gegenmassnahmen eingeleitet

IB-Murten hat nach Vorliegen der kantonalen Messresultate sofort reagiert. Charles N. Moser, CEO der IB-Murten, erklärt dazu: «Wir haben die Salvenacher Grundwasserquelle Grissachmatt umgehend vom Netz genommen. Das wegfallende Trinkwasser kompensierten wir mit dem zweiten, nicht belasteten Grundwasserbrunnen in Eichelried.»

Der Mehrbezug führte jedoch zu einem zu starken Absinken des Grundwasserspiegels in Eichelried. Aus diesem Grund wurde die Quelle Grissachmatt wieder ans Netz genommen. Sie gibt zur Zeit nur das Minimum an Wasser ab, um ein zu starkes Absinken in Eichelried zu verhindern. Auch im Gebiet «Champ Raclé» hat IB-Murten umgehend reagiert und die Grundwasserbrunnen, die massgeblich zur Überschreitung des Höchstwerts beigetragen haben, sofort abgestellt.

Seewasser als langfristig zuverlässigste Lösung

Mit den getroffenen Sofortmassnahmen hat IB-Murten für eine rasche Sicherung der Trinkwasserqualität in der Region gesorgt. Regelmässige Messungen und Analysen werden zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wie andere Trinkwasserversorger rechnet auch IB-Murten mittelfristig mit zusätzlichen Investitionen in die Sicherung der Wasserqualität. «Da die Pflanzenschutzmittel im Boden sehr langlebig sind, wird uns das Thema noch lange beschäftigen», meint Moser. «In Murten haben wir einen See. Damit können wir auf ein grosses Reservoir mit nicht belastetem Wasser zurückgreifen.»

Bisher werden rund zwei Drittel des Trinkwassers in der Region Murten aus Seewasser gewonnen. Künftig wird diese Menge wohl weiter steigen, weil die Pestizidbelastung des Seewassers aufgrund der starken Verdünnung geringer ist als im Grundwasser. So plant IB-Murten, das bisher eigenständige Salvenacher Trinkwassernetz ans restliche Netz anzubinden, um bei Bedarf flexibel zusätzliches aufbereitetes Seewasser ins gesamte Versorgungsgebiet einspeisen zu können. Die Bauarbeiten dafür sind nach einer halbjährigen Planungszeit bereits im Gange.

 

 

 

Vorsorglich sehr strenger Höchstwert

Bund und Kantone erheben schweizweit an rund 600 Messstellen regelmässig die Qualität des Grundwassers. Aktuelle Stichproben zeigen, dass dieses insbesondere in Regionen mit intensiver Landwirtschaft mit Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln belastet ist. Im Fokus steht insbesondere das Fungizid Chlorothalonil. Es wird in der Landwirtschaft seit den 1970er-Jahren legal eingesetzt und galt bisher als für den Menschen unbedenklich.

Neuere Studien kommen nun zum Schluss, dass bei einigen Abbauprodukten von Chlorothalonil ab einer bestimmten Konzentration eine krebserregende Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. In der Schweiz ist dessen Verkauf ab 2020 deshalb verboten. Zudem gilt für die Belastung des Trinkwassers mit Chlorothalonil-Abbauprodukten ab sofort ein strenger, verbindlicher Höchstwert von 0.1 Mikrogramm pro Liter (1 Millionstel Gramm pro Liter). Wird dieser Höchstwert überschritten, sind die Trinkwasserversorger verpflichtet, umgehend Gegenmassnahmen zu treffen. Der Höchstwert ist vorsorglich sehr tief angesetzt. Eine Überschreitung geht nicht automatisch mit einer Gesundheitsgefährdung einher.

IB-Murten in Kürze

IB-Murten versorgt die rund 9‘000 Einwohnerinnen und Einwohner von Murten, Meyriez und Muntelier mit Elektrizität, Trinkwasser und Fernwärme. Sie bietet ebenfalls ein breites Angebot im Bereich Gebäudetechnik an. IB-Murten ist ein selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts der Stadt Murten und beschäftigt 40 Mitarbeitende, darunter vier Lernende.

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