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Fachartikel
24. Juni 2020

Gemeinde Buus (BL)

Verbotenes Chlorothalonil im Wasser

Bei Messungen durch den Kanton Basel-Landschaft im März und April wurde im Wasser der Oberbaselbieter Gemeinde Buus der Grenzwert für den seit 1. Januar verbotenen Pestizidwirkstoff Chlorothalonil übertroffen. In mehreren anderen Oberbaselbieter Gemeinden sind die Werte leicht erhöht, liegen aber unterhalb des Grenzwerts.

«Die Bevölkerung muss sich wirklich keine Sorgen machen. Am Ende zählt, was aus dem Netz kommt - und das ist sauber und sorglos trinkbar», erklärte Christian Kaufmann, der Vizepräsident der Gemeinde Buus, gegenüber der «Volksstimme», der Zeitung für das Oberbaselbiet. Der Gemeinderat, zuständig für die Wasserversorgung, möchte damit bei der Bevölkerung so etwas wie ein Entwarnungssignal geben.

Der Höchstwert für die Abbauprodukte von Chlorothalonil beträgt heute 0,1 Mikrogramm pro Liter. In Buss wurde im Rohwasser an einer Messtelle beim Pumpwerk im Tal ein Wert von 0,23 Mikrogramm festgestellt. Die Gemeinde Buss, so war zu lesen, werde deshalb in den kommenden Monaten in Zusammenarbeit mit dem Kanton abklären, woher die Belastung kommt und regelmässig Messungen durchführen. Interessant, so erklärte Gemeinderat Christian Kaufmann gegenüber der «Volkstimme» weiter, sei vor allem die Wechselwirkung zwischen dem Grund- und dem Quellwasser und welche Auswirkungen die Niederschläge hätten.

Landwirtschaftlich genutzter Zuströmbereich

Dass gerade das Grundwasser von Buus den Höchstwert überschreite, könnte aber wohl damit zusammenhängen, dass der mehrere 100 Hektaren umfassende Zuströmbereich des Grundwassers grösstenteils landwirtschaftlich genutzt werde, erklärte Kaufmann. Den sprichwörtlichen Schwarzen Peter will er der Landwirtschaft, die in Buus vor allem Reb- und Ackerbau, aber auch Obstplantagen betreibt, aber nicht zuschieben. Schliesslich seien Pestizide mit dem Wirkstoff Chlorothalonil noch bis zum 1. Januar 2020 erlaubt gewesen. Jetzt, so meinte der Gemeinderast abschliessend, seien aber «nachhaltige und durchdachte Lösungen» gefragt. Falls langfristig zu wenig Quellwasser zur Verdünnung zu Verfügung stehe, wären gemäss Christian Kaufmann die Verdünnung mit Rheinwasser oder weitere Aufbereitungsstufen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation beim Trinkwasser der Gemeinde Buus.

Gesamtsituation im Kanton Basel-Landschaft

Im März und April 2020 wurden im Kanton Basel-Landschaft 81 Trinkwasserproben im Auftrag der Wasserversorgungen auf Rückstände des Pestizids Chlorothalonil untersucht. In keiner der Trinkwasserproben wurde der gesetzliche Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. In neun Trinkwasserproben wurde der gesetzliche Höchstwert knapp eingehalten. Ein Grundwasserpumpwerk lag über dem Höchstwert, das Trinkwasser der betroffenen Wasserversorgung wird mit unbelastetem Quellwasser gemischt. 

Im Vergleich zum Schweizer Mittelland, wo bis zu 50 Prozent der Trinkwasserversorgungen Höchstwertüberschreitungen beklagen, schneidet das Trinkwasser im Kanton Basel-Landschaft in Bezug auf Rückstände von Chlorothalonil-Metaboliten sehr gut ab. In allen kontrollierten Trinkwasserproben wurde der Höchstwert weitgehend eingehalten. Zehn Wasserversorgungen müssen aufgrund der Resultate das Trinkwasser auf Chlorothalonil-Rückstände überwachen und allenfalls weitere Anstrengungen unternehmen, um die gute Qualität auch weiterhin gewährleisten zu können. Der Höchstwert soll auch in Trockenperioden mit weniger Quellwasservorkommen eingehalten werden können.

Hintergrund und Ausblick

Der Wirkstoff Chlorothalonil wurde seit den 70er Jahren in diversen Fungiziden, also Mitteln gegen Pilzkrankheiten beim Getreide-, Gemüse-, Wein-, oder Zierpflanzenanbau eingesetzt. Seit dem 1. Januar 2020 ist der Einsatz verboten, da der Wirkstoff wahrscheinlich krebserregend ist. Mit dem Verbot ist der wichtigste Schritt getan, um Rückstände im Grund-, Quell- und Trinkwasser zu verhindern. Vorsorglich gilt neu für alle Abbauprodukte von Chlorothalonil ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter, der von den Wasserversorgungen eingehalten werden muss.

Das Trinkwasser im Kanton Basel-Landschaft ist demnach noch immer unbedenklich geniessbar und von sehr hoher Qualität. Jene Wasserversorgungen, die den Höchstwert nur knapp einhalten, klären nun Möglichkeiten ab, ob durch geeignete Sofortmassnahmen wie Mischen oder Abstellen einer belasteten Fassung die Konzentration im Trinkwasser weiter reduziert werden kann. Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) des Kantons Basel-Landschaft wird in den kommenden Monaten weitere Analysen im Grund- und Quellwasser durchführen, um ein Gesamtbild vom Kanton zu erhalten und mögliche Hotspots zu eruieren. Hierzu werden auch Quellen und Grundwassermessstellen untersucht, die nicht für die Trinkwasserproduktion genutzt werden.

 

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