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06. Juli 2020

Agroscope

Studie zu Umweltfolgen der Trinkwasserinitiative

Agroscope analysierte in einer umfassenden Studie mögliche Umweltfolgen einer Umsetzung der Trinkwasserinitiative. Die Ökobilanz zeigt: Die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen liesse sich reduzieren. Zudem könnte sich die Biodiversität im Inland leicht verbessern. Im Gesamtergebnis nähme die Umweltbelastung aber zu, verursacht durch steigende Nahrungsmittelimporte.

Die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» will den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) deutlich verschärfen. Voraussichtlich im Jahr 2021 wird das Stimmvolk über diese Trinkwasserinitiative (TWI) abstimmen. Eine Annahme würde zu grösseren Veränderungen in der Schweizer Landwirtschaft führen. In einer umfassenden Studie hat Agroscope mögliche Umweltfolgen der Umsetzung der TWI untersucht, basierend auf 18 Szenarien.

Methode der Ökobilanz

Die Ergebnisse der Arbeiten sind in der Studie «Potenzielle Umweltfolgen einer Umsetzung der Trinkwasserinitiative» zusammengefasst. Die Forschenden untersuchten mit der Ökobilanzierung mögliche Umweltwirkungen. Die Ökobilanz ist eine anerkannte Methode der Umweltbewertung. Sie gibt Anhaltspunkte, in welchem Ausmass und mit welchen Gesamtfolgen auf die Umwelt sich bestimmte Massnahmen auswirken und zeigt mögliche Zielkonflikte auf.

Fokus auf zwei Massnahmen

Die Forschenden konzentrierten sich bei den Berechnungen auf folgende Massnahmen der Trinkwasserinitiative: Erstens den Verzicht auf Pestizide. Und zweitens: Landwirtschaftsbetriebe halten nur so viele Tiere, wie sie mit Futter ernähren können, das auf dem eigenen Betrieb produziert werden könnte. Als Bezugsgrösse der Wirkungsabschätzungen diente ein Schweizer «Warenkorb mit landwirtschaftlichen Rohprodukten»; dieser setzt sich aus der Inlandproduktion und den Importen zusammen. Untersucht wurden dieselben Szenarien wie bei der Vorgängerstudie «Folgenabschätzung Trinkwasserinitiative: Ökonomische und agrarstrukturelle Wirkungen», die vor rund einem Jahr durch Agroscope veröffentlicht wurde.

Umweltbelastung Schweizer Warenkorb steigt

Die Ökobilanzierung ergibt, dass die untersuchten Massnahmen der Trinkwasserinitiative die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen reduzieren und die Biodiversität im Inland leicht verbessern können. Im Gesamtergebnis würde die Umweltbelastung aber zunehmen, verursacht durch steigende Nahrungsmittelimporte. Dabei tragen die Fleischimporte stärker bei als die Importe pflanzlicher Nahrungsmittel. Die Verbesserung der Wasserqualität in der Schweiz müsste also mit teilweise deutlichen Umweltbelastungen in den Herkunftsländern der Importe erkauft werden.

Viele Faktoren unberücksichtigt gelassen

Die Studie von Agroscope wird von den Initianten der Trinkwasserinitiative kritisiert: Die Studie lasse ausser Acht, dass die Bevölkerung 2017 mit hoher Zustimmung (78 Prozent Ja- Stimmen) in der Verfassung verankert habe, dass der Bund grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zu schaffen hat, die «zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen» (Artikel 104a Bst. d BV). Dies bedeutet, dass importierte Lebensmittel nachhaltig produziert sein sollen. Es ist die Aufgabe des Bundes, Urwaldrodungen für die Fleischproduktion und Importwaren, die mit hierzulande verbotenen Pestiziden hergestellt werden, ein Ende zu setzen. Es gehe nicht an, so die Initianten der TWI, diesen Aspekt in der Studie zu den Umweltauswirkungen unberücksichtigt zu lassen und der Initiative Umweltzerstörungen im Ausland anzulasten, die der Bund seit 2017 verhindern müsste. Ebenfalls keine Berücksichtigung finde Artikel 104a, Bst. e, wonach der Bund die Voraussetzungen für einen «ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln» zu schaffen hat. 

Weiter blieben wichtige Bestimmungen des Initiativtextes wie die Übergangfrist von 8 Jahren und die Ausrichtung der Finanzmittel für Bildung, Forschung und Investitionshilfen auf eine ökologische Produktion, die schon in der Vorgängerstudie von Agroscope zu den agrarökonomischen und agrarstrukturellen Auswirkungen der TWI vernachlässigt wurden, erneut unberücksichtigt. Die Modellierung der Studie beruhe also auf unrichtigen bzw. unvollständigen Annahmen, so die Initianten. Infolgedessen liefere das Agroscope-Rechenmodell für die Auswirkungen der TWI auf die Umwelt «irreführende Ergebnisse». Würden die Nachhaltigkeit, die Reduktion von Food Waste, die Übergangsfrist von 8 Jahren sowie die Ausrichtung von Agrarforschung, Bildung und Investitionshilfen auf eine ökologische Produktion einbezogen, wäre das Ergebnis wohl ein völlig anderes.

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Kommentare (3)

Rolf Weingartner am 22.07 2020 um 10:40

Engstirnigkeit versus Ganzheitlichkeit

Die Antwort der Trinkwasserinitiative auf diese Studie ist treffend. Sie fordert richtigerweise eine ganzheitliche Betrachtung, auch im Bereich der Gesetzgebung. Sektorielles und enges nationales Denken können wir uns angesichts der vielfältigen und gewaltigen Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, einfach nicht mehr leisten.

Marcel Aregger am 15.07 2020 um 14:30

Wasserschloss Schweiz

Ein kleiner Virus und die Weltwirtschaft bricht zusammen. Wie geschrieben steht, jede weitere Verschmutzung unseres Wasser's durch Pestizide / schwer abbaubaren Produkte, zieht nach sich, dass es Jahre/Jahrzehnte geht bis diese Auswirkungen wieder korrigiert sind. Als Wasserschloss Schweiz haben wir nicht mehr lange den Genuss an jedem Brunnen einfach Trinkwasser anbieten zu können. Es gibt langfristig nur einen WEG: Die menschliche Gesundheit hängt mit der Tiergesundheit und unserem Lebensraum zusammen! - JA zur Initiative!

Kristijan Moser am 15.07 2020 um 11:45

Sanintärplaner

Guten Tag Der Artikel bezieht eine sehr klare Position gegen die Initiative. Begründet wird dies mit einem ökologischem Bild als ganzes, indem mögliche Mehrimporte von Lebensmitteln als direkte Folge der Initiative definiert werden. Nun... gerne hätte ich dieselbe Fähigkeit in die Zukunft zu schauen wie sie. Dann, auch nur vielleicht, würde ich sehen, dass sich das sich immer mehr und mehr Lokale Produktionen durchsetzen und so die ökologisch negativen Importe reduziert werden. Unabhängig davon gibt es ein gewichtiges Argument für die Initiative: → Verzicht auf Bodenverunreinigung durch Pestizide Jedes ökologisch Denkende Lebewesen wird sich für die Initiative aussprechen. Alles andere ist Greenwashing. Freundliche Grüsse

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