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02. Februar 2022

Grundwasserschutz

Chlorothalonil: Neue Zahlen

Die Zahlen der NAQUA für 2020 zeigen: Metaboliten des Fungizids Chlorothalonil belasten das Grundwasser grossflächig mit mehr als 0.1 Mikrogramm pro Liter. Betroffen ist hauptsächlich das landwirtschaftlich intensiv genutzte Mittelland.

Im Rahmen einer Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, die das BAFU in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen betreibt, wurden im Jahr 2017 erstmals Metaboliten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Grundwasser nachgewiesen. 2018 konnten die Untersuchungen auf weitere Messstellen ausgedehnt werden. Seit 2019 liegt ein landesweiter Datensatz der NAQUA-Messstellen zu dem Chlorothalonil-Metabolit R417888 vor, für 2020 nun auch zu Chlorothalonil R471811.

Landesweit jede dritte Messstelle betroffen

Insgesamt vier Chlorothalonil-Metaboliten treten in Konzentrationen von mehr als 0.1 Mikrogramm pro Liter im Grundwasser auf. Insbesondere die beiden Metaboliten R471811 und R417888 verunreinigen das Grundwasser in vielen landwirtschaftlich genutzten Gebieten des Mittellandes grossflächig. Werte von über 0.1 Mikrogramm pro Liter weisen die Kantonen AG, BE, FR, GE, GR, JU, LU, NE, SG, SH, SO, TG, VD, VS, ZG und ZH auf. An einigen wenigen Messstellen werden auch die Metaboliten R419492 und SYN507900 in erhöhten Konzentrationen nachgewiesen.

Besonders stark ist das Grundwasser durch den Metabolit Chlorothalonil R471811 belastet. Er überschreitet im Mittelland an mehr als 60% der Messstellen den Wert von 0.1 Mikrogramm pro Liter. Landesweit ist jede dritte Messstelle betroffen.

Der Metabolit Chlorothalonil R417888 tritt im Mittelland an mehr als 20% der Messstellen mit Werten über 0.1 Mikrogramm pro Liter auf.

Da sich Grundwasser relativ langsam erneuert und die Metaboliten von Chlorothalonil ausgesprochen langlebig sind, ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen die Grundwasser-Qualität noch während Jahren in grösserem Ausmass beeinträchtigen werden.

Grundwasser-Qualität vor Ort

Alle Daten, die im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA erhoben werden, liegen den kantonalen Fachstellen vor. Die betroffenen Wasserversorger sind ebenfalls über die Ergebnisse informiert.

NAQUA – die Nationale Grundwasserbeobachtung

Die Nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA erfasst landesweit den Zustand und die Entwicklung des Grundwassers und erlaubt damit auch, die Wirksamkeit getroffener Massnahmen zu beurteilen. NAQUA erhebt, in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen, an über 600 Messstellen die Qualität und Quantität des Grundwassers und zeigt deren langfristige Veränderungen auf.

Weiterhin werden mit Hilfe spezifischer Pilotstudien einzelne Schadstoffe oder Schadstoffgruppen gezielt untersucht und der Bedarf für deren Einbezug ins Langzeitmonitoring ermittelt.

Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser 2020 (PDF, 159 kB, 28.01.2022)

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Kommentare (1)

Daniel Hartmann am 15.02 2022 um 11:08

Pestizide im Grundwasser - wie weiter?

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung und Anwendung von Pestiziden sind zu verschärfen. Das landwirtschaftliche Direktzahlungssystem muss stärker darauf ausgerichtet werden, den Pestizideinsatz zu senken. Mindestens in der unmittelbaren Umgebung von Trinkwasserfassungen soll die Pestizidanwendung endlich ganz verboten sein. Die im Einsatz verbleibenden Pestizide sind einer Abgabe zu unterstellen.

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