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08. August 2022

Zukunftweisendes Pilotprojekt

Anteil von bis zu 20 Prozent Wasserstoff im Gasnetz

In einem Teilnetz in Sachsen-Anhalt will Avacon ein bislang einmaliges Projekt in einem Gasverteilnetz in Deutschland starten. Im Bereich Schopsdorf im Jerichower Land soll dem Erdgas erstmals ein Anteil von bis zu 20 Prozent Wasserstoff beigemischt werden. Das Pilotprojekt markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in ein klimafreundliches Energiesystem.

Wasserstoff bietet bei der Speicherung dezentral erzeugten Stroms grosses Potential. Aufgrund seiner Systemkompatibilität zur bestehenden Infrastruktur und seiner vielseitigen und direkten Einsatzmöglichkeiten ist Wasserstoff als Speichermedium optimal geeignet. Durch die Umwandlung des Stroms in Wasserstoff kann die regenerativ erzeugte Energie im Gasnetz gespeichert werden. Der Wasserstoff kann anschliessend bei Bedarf für Mobilität oder Haushalt und Industrie genutzt werden. Darüber hinaus wird Wasserstoff auch benötigt um die Industrie und den Verkehrssektor (ergänzend zu Elektromobilität) zu dekarbonisieren.

Repräsentative Netzinsfrastruktur

Der Netzabschnitt um Schopsdorf eignet sich vor allem deshalb für das Projekt, weil die dort verbaute Netzinfrastruktur repräsentativ für das gesamte Avacon-Gasverteilnetz ist und die Ergebnisse somit übertragbar sind. Bei dem Netzabschnitt handelt es sich um ein Mitteldruck-Verteilnetz mit rund 35 Kilometern Leitungslänge, von dem rund 350 Netzanschlussnehmer mit Erdgas versorgt werden.

Auf Grund des begrenzten Projektzeitraums wird jedoch kein «grüner» Wasserstoff eingesetzt. Die Planung und Errichtung einer Elektrolyse würden sowohl den Aufwand als auch den finanziellen Rahmen des Projektes sprengen. Weitere unbekannte Parameter sind nicht gewollt. Der Schwerpunkt liegt ausschliesslich auf Gasanwendungstechnik.

Deutlich höherer Prozentsatz

Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) soll zeigen, dass es machbar ist, Wasserstoff zu einem deutlich höheren Prozentsatz als heute im Regelwerk vorgesehen in ein existierendes Gasnetz einzuspeisen. Die Ergebnisse des Gemeinschaftsprojektes dienen als Vorbild für den zukünftigen Einsatz von Wasserstoff in Gasverteilnetzen und sollen ins Regelwerk einfliessen.

Dafür werden alle bei den Kunden verbaute Gasgeräte betriebs- und sicherheitstechnisch überprüft. Zusätzlich werden alle Bauteile im Netzabschnitt inklusive der gesamten Installation bei den Kunden bis zum Abgasstutzen aufgenommen und in Abstimmung mit den Geräteherstellern auf Wasserstoffverträglichkeit geprüft.

Schrittweise Erhöhung

Die Wasserstoff-Beimischung im Gasnetz ist erfolgreich verlaufen. Die Einspeisung von Wasserstoff ist über die zwei Heizperioden 2021/22 und 2022/23 in Stufen von 10, 15 und 20 Prozent Wasserstoffbeimischung gelaufen. Mit der Inbetriebnahme werden in der ersten Stufe zehn Prozent Wasserstoff über etwa vier Wochen dem Erdgas beigemischt, womit sich der Anteil noch in der durch das DVGW-Regelwerk gedeckten Beimischungshöhe bewegt. Bei rund einem Drittel der Gasgeräte wurden Stichprobenmessungen bezüglich der Verbrennungsgüte mit Messungen des tatsächlichen Wasserstoffgehalts vor Ort  erfolgreich durchgeführt, um die Einspeisung wissenschaftlich bei allen Einspeisestufen zu begleiten.

Schrittweise soll in Steigerungsstufen von fünf Prozent die maximale Wasserstoffbeimischung bis 20 Prozent erreicht werden. Die 15-Prozent-Beimischphase wurde für das erste Quartal 2022 erfolgreich erreicht. Nach einer Auswertung soll die Zielkonzentration von 20 Prozent Wasserstoff zum Abschluss der Heizperiode erreicht werden. Eine weitere 20-Prozent-Einspeisephase folgt in der Heizperiode 2022/23 über mehrere Wochen.

Quelle: Avacon-netz.de

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