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12. September 2023

Energiepolitik

IEA fordert Schweiz zur raschen Umsetzung auf

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) sieht die Energiepolitik der Schweiz auf guten aber zu langsamen Wegen. Sie empfiehlt der Schweiz deshalb, den Umbau ihres Energiesystems rascher voranzutreiben. Neben vielen Empfehlungen im Strombereich, betreffen auch einige Aussagen den Bereich Gas.

Die IEA begr√ľsst die als Reaktion auf die weltweite Energiekrise in der Schweiz rasch umgesetzten Massnahmen (insbesondere Wasserkraftreserve, Reservekraftwerke), die eine kurzfristige Wirkung haben. Sie bef√ľrwortet ebenso das im Parlament h√§ngige Bundesgesetz √ľber eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien (¬ęMantelerlass¬Ľ; Revision Stromversorgungs- und Energiegesetz). Dieses enth√§lt Massnahmen zur Erreichung von verbindlichen und langfristigen Energie- und Klimazielen und zur St√§rkung der Winterstromversorgung.

Auch die vom Parlament verabschiedeten Solar- und Wind-Offensiven, die den raschen Zubau von alpinen Solarkraftwerken und im Bewilligungsverfahren weit fortgeschrittenen Windenergieanlagen zum Ziel haben, erhalten von der IEA gute Noten. Zudem hat der Bundesrat am 21. Juni 2023 eine Vorlage zur Beschleunigung der Bewilligungsverfahren ans Parlament √ľberwiesen.¬†

Abkommen mit der EU

Die IEA empfiehlt der Schweiz, ihre Vorschriften f√ľr den Elektrizit√§tsmarkt an die der EU anzugleichen und ein Stromabkommen abzuschliessen. Dieses w√ľrde f√ľr die Schweizer Verbraucherinnen und Verbraucher geringere Kosten f√ľr Systemdienstleistungen im √úbertragungsnetz bringen und sowohl die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz als auch in den EU-Mitgliedstaaten st√§rken.

Die IEA stellt mit Verweis auf die Energiekrise fest, dass die Schweiz zur Sicherstellung ihrer Gasversorgung eine Regulierungsbeh√∂rde und eine koordinierende Netzgesellschaft brauche. Deren Aufgaben sollen im geplanten Gasversorgungsgesetz festgelegt werden. Weiter empfiehlt die IEA dem Bund, nationale Strategien f√ľr Wasserstoff, E-Fuels und andere erneuerbare Gasen zu erstellen und zu untersuchen, welche Rolle diese in den schwer zu dekarbonisierenden Sektoren spielen k√∂nnen. So vorbereitet k√∂nne die Schweiz zu einem sp√§teren Zeitpunkt ein Abkommen √ľber Gas und Wasserstoff mit der EU in Betracht ziehen.

Mehr Tempo bei der Umsetzung der energie- und klimapolitischen Massnahmen k√∂nnte die Schweiz laut IEA erreichen, wenn sie drei wichtige Engp√§sse mit geeigneten Massnahmen angeht. Diese Engp√§sse sieht die IEA erstens im Fachkr√§ftemangel, beispielsweise f√ľr die Installation von W√§rmepumpen oder Ladestationen f√ľr Elektrofahrzeuge. Zweitens in den langsamen Bewilligungsverfahren f√ľr Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien und f√ľr Stromnetze. Und drittens in Unterbr√ľchen der internationalen Lieferketten f√ľr Bauteile und Anlagen im Energiebereich.

 

Energieeffizienz und Gebäude

Die IEA regt an, in der Schweiz den Grundsatz ¬ęenergy efficiency first¬Ľ in allen relevanten Politiken konsequent zu ber√ľcksichtigen. Weiter sollen Bund und Kantone ihre Vorbildfunktion im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien, beispielsweise durch die energetische Sanierung der Verwaltungsgeb√§ude, konsequent wahrnehmen.¬†

Im Geb√§udebereich begr√ľsst die IEA die 2023 ver√∂ffentlichte W√§rmestrategie des Bundes, die erneuerbare Energieressourcen wie Bioenergie, Geothermie, Umgebungsw√§rme sowie Abw√§rme aus industriellen Prozessen umfasst. Die IEA empfiehlt unter anderem, erneuerbare L√∂sungen f√ľr die Deckung von Spitzenlasten bei der Fernw√§rme zu nutzen und die Erkundung des Untergrunds zu verst√§rken, um diesen vermehrt f√ľr das Heizen und die W√§rmespeicherung zu nutzen.

Know-how-Verlust in der Kernenergie

Im Bereich der Kernenergie warnt die IEA vor dem Verlust von Know-how, weil das Gebiet durch den schrittweisen Ausstieg der Schweiz f√ľr junge Fachkr√§fte wenig attraktiv sei. Dies k√∂nnte sich nachteilig auf den langfristigen Betrieb der bestehenden Kernkraftwerke und weitere Aktivit√§ten der Schweiz im nuklearen Bereich auswirken. Es brauche qualifizierte Arbeitskr√§fte f√ľr alle T√§tigkeiten im Zusammenhang mit der Kernenergie, beispielsweise f√ľr die Stilllegung, Abfallentsorgung und -lagerung. In Bezug auf das geologische Tiefenlager empfiehlt die IEA, die gute Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden fortzusetzen und weiter zu vertiefen.

Die IEA lobt das Programm "Swiss Energy research for the energy transition" (SWEET), das inter- und transdisziplin√§re Forschungs- und Innovationsaktivit√§ten f√ľr die Energiestrategie 2050 und die langfristige Klimapolitik der Schweiz unterst√ľtzt. Die IEA empfiehlt, die Finanzierung von SWEET, die 2025 ausl√§uft, rasch sicherzustellen. Weiter regt die IEA an, die Koordination zwischen Hochschulen, Think Tanks und Forschungsinstituten √ľber Forschungsprogramme, -projekte, und Forschungsdaten zu verbessern.

 

Rund alle f√ľnf Jahre unterzieht die IEA die Energiepolitik ihrer Mitgliedsl√§nder einer Tiefenpr√ľfung (in-depth review). F√ľr die neuste Tiefenpr√ľfung besuchte ein international zusammengesetztes Review-Team die Schweiz vom 22. bis zum 28. November 2022. Es traf sich mit zahlreichen Fachpersonen aus Beh√∂rden von Bund und Kantonen, Energieunternehmen, Verb√§nden und anderen Organisationen. Untersucht wurden Ziele, Instrumente und Erfolge der Energiepolitik im Allgemeinen sowie in den Bereichen Energie und Klima, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Energieforschung, Elektrizit√§t, Erdgas, Kernenergie und Erd√∂l. Die einzelnen Themen werden im rund 130-seitigen Bericht (Energy Policies of IEA Countries - Switzerland, 2023 Review) detailliert diskutiert, bewertet und mit Empfehlungen versehen.¬†

 

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