Fallende Blätter im Herbst sind für viele Lebewesen in Bächen und Flüssen eine wichtige Nahrungsquelle. Aus diesem Grund hat eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern der Eawag untersucht, wie sich die Reihenfolge des Eintreffens und die Dauer der Exposition von Blättern zweier Baumarten auf die Funktion des Ökosystems auswirken können. Sie nutzten dafür Flohkrebse (Amphipoden), die das ganze Jahr in Bächen und Flüssen der Schweiz vorkommen. Flohkrebse ernähren sich von den Blättern und beeinflussen als Basis der Nahrungspyramide wiederum das Ökosystem. Einer der Schlüsse aus der Studie ist, dass die Verfügbarkeit und die Reihenfolge der unterschiedlichen Blätter Auswirkungen auf die Konsumrate der Amphipoden haben.
Luke Ireland, Hauptautor der Studie, beobachtete in der Untersuchung, dass die Flohkrebse nach längeren Perioden mit den nährstoffarmen Blättern als Nahrung danach signifikant mehr von den qualitativ hochwertigeren Blättern essen. Ein Effekt, der von Ireland erwartet wurde. Was aber eine Überraschung war: «Wir hätten erwartet, dass die Amphipoden nach längerem Verzehr der nährstoffreichen Blätter eher satt gefressen sind», so Ireland. Doch dem war nicht so.
Flohkrebse nutzen die Abwechslung und verwerten unterschiedliche Blattarten. Laut der Untersuchung liegt die Problematik darin, dass sich die unterschiedlichen Blätter unterschiedlich rasch zersetzen. Nährstoffarme Blätter zerfallen langsamer und bieten den Flohkrebsen eine stabile Nahrungsversorgung über die Wintermonate, während sich die hochwertigen Blätter schneller zersetzen und daher rasch verwertet werden.
Im Idealfall stehen den Flohkrebsen also verschiedene Arten von Blättern zur Verfügung, die, je nachdem welche Blätter zu welchem Zeitpunkt in die Gewässer fallen, beeinflussen, wie ausgeglichen und verfügbar das Nahrungsangebot für die Amphipoden in den folgenden Monaten ist, so Ireland. Wann welche Blätter fallen, bestimmt das Klima, das sich in den letzten Jahren verändert und dieses saisonal strukturierte System ins Wanken gebracht hat, halten die Autoren der dazu veröffentlichten Studie fest. Nach heissen Sommern mit hoher Trockenheit fallen gewisse Blätter früher. Oder ein milder Herbst, verzögert die Verfärbung und den Fall gewisser Blätter. Beides hat nun nachweislich einen signifikanten Einfluss auf das Ökosystem.
Veröffentlichte Studie «Shifting leaf fall phenology disrupts ecosystem function»
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