Grüner Wasserstoff und seine Derivate könnten Schlüsseltechnologien für eine klimaneutrale Industrie und den internationalen Energiehandel werden. Für Länder des südlichen Afrikas eröffnen sich damit, zwar neue Exportmöglichkeiten, doch stellen die teils stark divergierenden Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsvorgaben der Importländer eine zentrale Herausforderung dar: Sie beeinflussen massgeblich, ob und unter welchen Bedingungen PtX‑Produkte Zugang zu internationalen Märkten erhalten können. Aus diesem Grund untersuchte eine Forschungsgruppe, welchen Einfluss diese unterschiedlichen Zertifizierungsvorgaben auf die potenziellen Exportmärkte haben. Der Ende April veröffentlichte Fachbeitrag «Navigating PtX Certification Challenges: Qualitative Assessment of Sustainability Requirements and Cost Dynamics for Exports from the SADC‑Region» bietet einen Überblick über politische, rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen für PtX‑Exporte aus der SADC‑Region (Southern African Development Community) .
Analysiert wurden vier potenzielle Importregionen (EU, Grossbritannien, Südkorea und Japan) mit Blick auf ihre jeweiligen Zertifizierungsschemata, rechtlichen Anforderungen und Marktanreizmechanismen. Der Vergleich zeige, so die Medienmitteilung, welche regulatorischen Anforderungen für Produzenten in der SADC‑Region besonders relevant sind und wie stark die Erwartungen zwischen den Importmärkten variieren.
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass sich die Nachhaltigkeitskriterien in den untersuchten Importregionen deutlich unterscheiden und in der EU am striktesten und detailliertesten ausgestaltet sind. «Diese unterschiedlichen Anforderungen wirken sich unmittelbar auf das technische Systemdesign, die Auslegung der PtX‑Produktionsanlagen sowie auf Investitions- und Betriebskosten aus», wird Elena Timofeeva, Forscherin am Fraunhofer IEG und Mitautorin des Whitepapers, zitiert. «Für Projektentwickler bedeutet dies, dass eine frühzeitige Festlegung auf einen Zielmarkt erforderlich ist, um Anlagen zertifizierungskonform und wirtschaftlich auslegen zu können.»
Darüber hinaus fasst das Whitepaper politisches Feedback zu den EU‑PtX‑Kriterien sowie Ergebnisse aus Stakeholder‑Diskussionen zur PtX‑Zertifizierung in der SADC‑Region zusammen. Aufbauend auf den qualitativen Erkenntnissen sind im Projekt HySecunda weiterführende quantitative Analysen geplant, die bis zum Jahresende den Einfluss der Nachhaltigkeitsanforderungen auf Kostenstrukturen und Systemkonfigurationen von PtX‑Anlagen vertiefend untersuchen sollen.
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