Im Sommer 2025 hat die ETH Zürich im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) die seit 2018 jährlich stattfindende Befragung der Bevölkerung («Umweltpanel») durchgeführt. Im Mittelpunkt der letztjährigen Befragung stand das Thema PFAS. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der Befragung lassen laut BAFU und ETH Zürich mehrere Haupterkenntnisse zu: Mehr als jede zweite Person hat schon einmal von PFAS gehört und dieser Anteil schätzt sein eigenes Wissen zu PFAS als mittel bis gering ein. Die Mehrheit der knapp 6000 Befragten sieht in PFAS ein Risiko für Umwelt und Mensch und wünscht sich stärkere Regulierung durch die Behörden. Mit der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse hat das BAFU bekannt gegeben, bis Ende 2027 einen Massnahmenplan auszuarbeiten.
Die Teilnehmenden der Umfrage verorteten PFAS korrekt in Produkten wie Imprägniersprays, Outdoorbekleidung oder beschichteten Pfannen. Weniger bekannt war, dass die Stoffe auch in Backpapier oder Zahnseide vorkommen können. Die Anreicherung von PFAS in Böden und Grundwasser schätzten die Befragten mehrheitlich richtig ein. Das Vorkommen der potenziell gesundheitsschädlichen Chemikalien in Fleisch, Gemüse, Milchprodukten und Obst wurde im Vergleich zu Böden und Grundwasser derweil kaum wahrgenommen.
Trotz der Wissenslücken betrachtete ein überwiegender Teil der Befragten PFAS als ein Risiko für Mensch und Umwelt. Die wahrgenommenen Risiken überwogen den subjektiven Nutzen der Chemikalien deutlich.
Dieses grundsätzlich hohe Risikobewusstsein für die Auswirkungen von PFAS auf Mensch und Umwelt führt laut den Umfrageergebnissen jedoch kaum zu einem angepassten Konsumverhalten. Über 60 Prozent gaben an, dass die Möglichkeit von PFAS in Produkten ihre Kaufentscheidung nicht beeinflusse. Als Hauptgrund gaben die Befragten an, nicht zu wissen, in welchen Produkten die Chemikalien enthalten sind. Konsumverhalten und Wissen korrelierten laut ETH-Projektleiter Thomas Bernauer hierbei stark.
Als Folge von Regulierungen wären die Konsumentinnen und Konsumenten allerdings zu Einschränkungen bereit. 83 Prozent der Befragten etwa zeigten eine hohe Bereitschaft, eine kleinere Produktauswahl zu akzeptieren. Auch höhere Preise für PFAS-freie Alternativprodukte stiessen bei rund zwei Dritteln der Befragten auf Akzeptanz. Eine reduzierte Produktqualität wiederum fand in der Umfrage keine Mehrheit.
Die Verantwortung für den Schutz vor PFAS sahen die Befragten primär beim Staat und nicht bei den einzelnen Konsumenten. Politisch links orientierte, ältere Menschen und solche mit hohem Umweltbewusstsein, sprachen sich tendenziell stärker für Verbote aus: «Elf von zwölf potenziellen Massnahmen finden eine Mehrheit von mindestens 60 Prozent», sagte Bernauer am Mediengespräch zur Veröffentlichung der Umfrageergebnisse. Besonders gross war die Zustimmung für eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die PFAS enthalten. Die Befragten befürworteten sowohl strengere Grenzwerte für Lebensmittel und Trinkwasser, als auch ein staatliches Monitoring-System. Dreiviertel aller Befragten würden einem generellen Verbot von PFAS in Alltagsprodukten zustimmen.
Umweltpanel-Projektleiter Bernauer rechnet bezüglich PFAS in Zukunft mit einem noch stärkeren öffentlichen Druck auf den Staat. Je mehr die Unsicherheit reduziert und je intensiver gemessen werde, desto mehr würden Massnahmen gefordert. Er schränkte aber ein: «Es gibt ein grosses Ausmass an wissenschaftlicher Unsicherheit.» Diese Unsicherheit reduziere die Unterstützung von Einschränkungen und Verboten.
Das BAFU plant, bis Ende 2027 einen Aktionsplan zu PFAS erarbeitet zu haben. Als Eckpunkte des Massnahmenplans sieht das BAFU die Institutionalisierung des amtsübergreifenden Austauschs, die schweizweite Koordination von Massnahmen und eine verstärkte Informierung der Öffentlichkeit. Ausserdem sollen Alternativen für gesellschaftlich unverzichtbare PFAS-Anwendungen gesucht, Verfahren für die Entfernung von PFAS - etwa aus dem Abwasser - entwickelt und neue PFAS-Höchstwerte für Lebensmittel festgelegt werden.
sda
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