In vielen Städten wird der öffentliche Raum – ober- wie unterirdisch – immer stärker genutzt. Wie sieht das in Biel aus? Welche grossen Projekte sind seitens Stadt bzw. seitens ESB im öffentlichen Raum geplant?
Miriam Roser: Diverse Projekte sind am Laufen: Nach dem Bau des Ostasts – einer Umfahrung mit Tunnel – läuft jetzt noch das Programm der verkehrlich flankierenden Massnahmen, um den Strassenraum attraktiver zu gestalten und die Lebensqualität in den Quartieren zu erhöhen. Bis 2033 sollen über 20 Strassenteilstücke neu gestaltet werden. Dazu kommen verschiedene Agglomerationsprojekte, bei denen es um die Förderung des Langsamverkehrs, den Bau von Velorouten etc. geht. Schliesslich wurde die «Stadtklima-Initiative Biel» vom Stadtrat angenommen. Demgemäss sollen in den nächsten zehn Jahren zehn Prozent des Strassenraums entsiegelt werden. Gleichzeitig soll die beschattete Fläche gesteigert werden, das heisst, es sollen Bäume gepflanzt sowie ökologisch wertvolle Grünräume und Erholungsflächen geschaffen werden. Das Bau- und Umgestaltungsprogramm ist also insgesamt recht umfangreich und gedrängt. Der öffentliche Raum wird zunehmend multifunktional. Und hier möchte die Bevölkerung auch mehr mitreden und sich einbringen.
Christian Brawand: Seitens ESB ist ebenfalls viel geplant: zum einen der Werterhalt auf Basis unseres Asset-Managements in den Bereichen Gas, Wasser und Strom und zum anderen die Zielnetzplanung und Gebietsentwicklung. Zudem sind wir seit einigen Jahren daran, eine Fernwärmeinfrastruktur in Biel aufzubauen, wobei Seewasser, Grundwasser und Holz als Wärmequellen genutzt werden sollen. Neben den Wärmezentralen werden aktuell die Ringnetze erstellt, von denen aus dann die Feinerschliessung gemacht wird. Mit dem Fernwärmebau einher gehen Überlegungen auf der Gasseite hinsichtlich Stilllegung und Rückbau.
Die vielen Bauprojekte fĂĽhren wohl oder ĂĽbel zu Nutzungskonflikten. Wie sind Sie bis jetzt die Planung von grossen Projekte und die sich dabei abzeichnenden Konflikte angegangen?
C. B.: Bis anhin gab es eine Jahreskoordination. Diese war jedoch eher ausführungsorientiert. Vieles basierte auf zirkulierenden Listen der im nächsten Jahr anstehenden Vorhaben und monatlich stattfindenden technischen Koordinationssitzungen. Insgesamt war also der Horizont eher kurzfristig, was zu viel operativer Hektik führte. Der mittel- und langfristige Fokus fehlte bisher.
M. R.: Die Interessenskonflikte im öffentlichen Raum führen dazu, dass eine frühzeitige, enge Koordination aller Beteiligten zwingend ist, damit optimale Lösungen möglich sind. Neu kommen vermehrt externe Bedingungen hinzu wie Subventionsfristen, Verträge mit Fernwärmekunden oder eine Zunahme von Einsprachen. Diese Aspekte müssen von Beginn an mitgedacht werden.
Vor einigen Jahren wurde in Biel die Arbeitsgruppe «Koordination im öffentlichen Raum» ins Leben gerufen. Was sollte diese KöR-AG entwickeln?
C. B.: Diese Arbeitsgruppe sollte einen Prozess definieren, mit dem sich die verschiedenen Vorhaben frühzeitig räumlich, zeitlich und technisch koordinieren lassen, sodass diese schon vor dem Planungsprozess aufeinander abgestimmt werden können. Ziel ist also: weg von einer kurzfristigen Koordination und hin zu einer aufeinander abgestimmten mittel- und langfristigen strategischen Planung. Mit anderen Worten: weg vom Reagieren, hin zur proaktiven Zusammenarbeit. Durch eine frühzeitige Koordination aller Beteiligten wollen wir Koordinations- und Raumkonflikte schon früh erkennen und Lösungen dafür suchen. So lassen sich Fehlinvestitionen vermeiden und Projekte realisieren, die «verhäbe». Zudem lassen sich auf diese Weise Synergien nutzen und die Planungssicherheit erhöhen. Somit kann ein Gesamtoptimum erreicht werden.
M. R.: Ziel des KöR-Prozesses ist zudem, dass alle Beteiligten ihre Informationen transparent zur Verfügung stellen. Es geht darum, stadtweit darzustellen, wer wo und wann bauen möchte. Damit soll ein visueller Überblick über die Bauvorhaben geschaffen werden, um den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zu erleichtern und zu strukturieren. Das zweite wichtige Ziel ist also: weg von den unübersichtlichen Listen, hin zu einer Visualisierung im GIS. Darüber hinaus soll der KöR-Prozess die durch die Baustellen verursachte Belastung minimieren. Und natürlich geht es auch darum, die Aussenwirkung bei der Bevölkerung zu verbessern, indem wir zeigen, dass Stadt und ESB Hand in Hand arbeiten.
«Wichtig ist ein langfristiges Denken. Wenn jeder Stakeholder nur seine Bedürfnisse fürs nächste Jahr eingibt, dann haben wir mit dem Prozess wenig gewonnen.»
Wer wurde fĂĽr die Arbeitsgruppe ins Boot geholt?
C. B.: Ausgelöst durch die umfangreichen Fernwärmeprojekte, liegt der Lead bei ESB. Im Jahr 2019 habe ich den Auftrag bekommen, die Arbeitsgruppe zu leiten. Seitens ESB ist zudem der Rohrleitungsbau in der Gruppe vertreten und seit gut zwei Jahren ebenfalls unser Projektportfoliomanager. Schliesslich gehört auch der Leiter Dokumentation und GIS zum ESB-Team in der Arbeitsgruppe. Für die Erstellung von Handbuch und Toolbox haben wir zwei Ingenieurbüros als externe Unterstützer beigezogen.
M. R.: Seitens der Stadt Biel sind der Abteilungsleiter Infrastruktur, der Bereichsleiter Verkehr und die Bereichsleiterin Stadtentwässerung dabei. Weiter gehören der Geometer der Stadt Biel und sein Mitarbeiter dazu. Vor eineinhalb Jahren bin ich in meiner neuen Funktion als Mitglied der Dienststellenleitung Tiefbau/Verkehr, wo ich verantwortlich bin für Investitionsplanung und Koordination im öffentlichen Raum, dazugestossen.
Was hat die Arbeitsgruppe bis anhin erarbeitet?
C. B.: Seit 2019 ist die Arbeitsgruppe daran, den KöR-Prozess zu definieren. Die Ergebnisse dieser Arbeiten fliessen einerseits ein in das Handbuch, in dem der Prozess umschrieben wird, und andererseits in die Toolbox, einen Leitfaden für Planerinnen und Planer. Als Drittes galt es, das GIS-System aufzubauen. Dafür wurde extra ein Server beschafft, der nun von der Stadt geführt wird. Sehr viel Zeit brauchte die anfängliche Findungsphase, in der wir Antworten auf die Frage «Was wollen wir genau und wie soll das aussehen?» suchten. Im Nachhinein zeigte sich aber, dass diese Phase sehr wichtig war und wir gut daran taten, so viel Zeit dafür aufzuwenden.
M. R.: Was ebenfalls viel Zeit in Anspruch nahm, war die Definition der Attribute für die Datenlieferungen und ganz allgemein die Definition des GIS-Systems, welches das Rückgrat oder Herzstück des gesamten Koordinationsprozesses bildet. Aufgrund seiner zentralen Rolle war es wichtig, viel Zeit darauf zu verwenden und die notwendigen Diskussionen vor dem Programmieren zu führen.
Wie sieht der Koordinationsprozess im Einzelnen aus? Aus welchen Schritten besteht er?
C. B.: Der Prozess startet immer mit dem Bedürfnis eines Stakeholders. Für ESB gesprochen, bedeutet dies, dass zunächst eine interne Koordination im ESB-GIS stattfindet. Wenn alles aufbereitet ist, wird der betroffene Perimeter über die dafür kreierte Eingabemaske ins KöR-GIS eingegeben. Mit einem festgelegten Farbcode lässt sich anzeigen, in welchem Projektstadium sich die eingetragenen Vorhaben befinden – Konzept, Planung, Realisierung oder Abschluss. Während die Eingabe von Vorhaben in der Konzeptphase eher informativ sind, lösen Vorhaben in der Planungsphase den Koordinationsprozess aus.
M. R.: Angedacht ist, dass einmal im Monat alle Stakeholder eine Information erhalten, welche konzeptuellen Planungen und Vorhaben im letzten Monat im KöR-GIS eingetragen wurden. Dann haben sie einen Monat Zeit, um Stellung zu nehmen respektive darauf zu reagieren. Dort, wo es Überschneidungen gibt, kommt die Koordination zum Zuge. Dazu gehört auch eine zeitliche Planung, also die Festlegung eines gemeinsamen Ausführungsjahrs und die Etappierung des Vorhabens. Wenn dann die Koordination steht, ist sie für alle Beteiligten verbindlich. Falls jedoch Anpassungen nötig sind, werden diese wiederum im Koordinationsgremium diskutiert und entschieden.
Welches sind die Kriterien für ein Bauvorhaben, das den KöR-Prozess durchlaufen muss?
C. B.: Grundsätzlich gilt, dass das Vorhaben im öffentlichen Raum liegen muss. Ausserdem muss es sich um ein Tiefbauvorhaben (oder eine Oberflächengestaltung) einer gewissen Grösse handeln. Der Ersatz eines Hydranten beispielsweise zählt nicht zu den Vorhaben, die den KöR-Prozess durchlaufen sollen. Allerdings haben wir bewusst darauf verzichtet, exakte Abgrenzungen zu machen. So haben wir zum Beispiel keine minimale Laufmeterlänge festgelegt, ab der ein Vorhaben ins KöR-System eingegeben werden muss. Es sollte lieber ein Vorhaben zu viel als eines zu wenig eingegeben werden. Der Zeithorizont liegt bei rund 1 bis 3, 5, 10 und 15 bis 20 Jahren.
Dient der KöR-Ansatz lediglich der Koordination des Bauens oder ist damit auch eine Raumplanung im Untergrund verknüpft?
M. R.: Die Planung im Untergrund ist nicht Teil des eigentlichen KöR-Prozesses. Das KöR ist das Instrument, um sicherzustellen, dass alle Bauherren im öffentlichen Raum die Planung frühzeitig und koordiniert angehen und somit die Bedingungen vorhanden sind, um optimale Lösungen zu erarbeiten. Die individuellen Lösungen werden in den Projekten erarbeitet.
C. B.: Bei Fernwärmeprojekten starten wir immer mit einer Machbarkeitsstudie, um abzuklären, wo unüberwindbare Hindernisse sind respektive wo sich Fernwärme grundsätzlich realisieren lässt. Dabei werden auch die im KöR-GIS hinterlegten Daten helfen. Im ESB-GIS wurde zudem eine Funktion geschaffen, mit der sich schnell abschätzen lässt, ob in einer Strasse genügend Platz für die Fernwärme vorhanden ist. Die Detailplanung findet dann im Projekt selber statt.
«Bis anhin gab es eine Jahreskoordination. Diese war jedoch eher ausführungsorientiert.»
Welche Akteure sind in die Koordination eingebunden und wer ist für die Gesamtkoordination zuständig?
C. B.: Die Gesamtkoordination liegt bei Miriam Roser. Bei den Akteuren unterscheiden wir zwischen Stakeholdern und Adressaten. Stakeholder sind die Bauherren im öffentlichen Raum, die sich am KöR-Prozess beteiligten. Zur grösseren Gruppe der Adressaten zählen alle Organisationen, die zwar nicht direkt am KöR-Prozess beteiligt sind, aber von der Gesamtkoordinatorin zu gegebener Zeit über das Bauvorhaben informiert und einbezogen werden – beispielsweise die Blaulichtorganisationen.
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M. R.: Wir starten zunächst einmal mit folgenden Stakeholdern: alle Werke von ESB und von der Stadt die Dienststellen Tiefbau/Verkehr, Verkehr und Stadtentwässerung. Nach einer Testphase wird der Kreis der Stakeholder auf die wesentlichen Bauherren im öffentlichen Raum erweitert. Alle teilnehmenden Stakeholder müssen eine KöR-Vereinbarung unterschreiben, womit sie sich verpflichten, am Prozess mitzumachen und die definierten Spielregeln einzuhalten. Die Adressaten erhalten «Leserechte» und nehmen nicht aktiv am Prozess teil.
Welche Hausaufgaben müssen die Stakeholder erledigen, damit sie sich gewinnbringend am KöR-Prozess beteiligen können?
C. B.: Alle Bauherren im öffentlichen Raum sind aufgefordert, mindestens kurz- bis mittelfristig, besser langfristig ihre Bedürfnisse zusammenzustellen. Diese müssten zwingend priorisiert werden. Grundlage dafür sollte die zustandsorientierte Erneuerungsplanung sein. Auch die Zielnetzplanungen sollten einfliessen. Wichtig ist insgesamt ein langfristiges Denken. Wenn jeder Stakeholder nur seine Bedürfnisse fürs nächste Jahr eingibt, dann haben wir mit dem Prozess wenig gewonnen.
M. R.: Es braucht auf jeden Fall eine strategische Planung der einzelnen Organisationen samt einer Ressourcenplanung. Dazu gehört auch eine realistische Abschätzung, was in einem bestimmten Zeitraum machbar ist.
Zu welchem Zeitpunkt sollten Vorhaben in den KöR-Prozess eingeschleust werden?
M. R.: Sobald ein konkretes Vorhaben vorliegt, sollte dieses eingegeben werden. Insgesamt ist es umso besser, je früher das Vorhaben im KöR-GIS hinterlegt wird. Und je grösser das Vorhaben ist, desto früher sollte es eingespielt werden, also bereits in der Konzeptphase. «Genügend früh» heisst meines Erachtens mindesten fünf bis sieben Jahre Vorlaufzeit.
C. B.: ESB-seitig werden wir aus unserer Werterhalt- respektive Erneuerungsplanung unsere Bedürfnisse ableiten und im KöR abbilden. Dabei fliessen unsere Netzstrategie, Zielnetzplanung, Asset-Bewertung und Instandhaltungsplanung ins Projektportfoliomanagement ein und sind Grundlage dafür, was wir ins KöR eingeben. Der Aufbau der Fernwärme ist hingegen marktgetrieben, wird aber auch durch das Projektportfoliomanagement ins KöR eingegeben.
Neben dem Herzstück von KöR, dem GIS-System, wurden eine Toolbox und ein Handbuch geschaffen. Was enthalten diese und für wen sind sie gedacht?
M. R.: Drei zentrale Komponenten des KöR-Prozesses wurden entwickelt: Erstens die bereits mehrfach erwähnte GIS-Plattform, der Dreh- und Angelpunkt für den gesamten Prozess, über die die Bauvorhaben angemeldet und räumlich visualisiert werden. Zweitens das Handbuch, in dem die Spielregeln des KöR-Prozesses festgehalten sind, die wir in den letzten Jahren gemeinsam definiert haben. Diese sind verbindlich. Adressaten des Handbuchs sind die öffentlichen Bauherren, also die Stakeholder im KöR-Prozess. In vier Kernkapiteln werden die einzelnen Phasen des Prozesses – Initialisierung, Vorkoordination, Koordination und Projekt – und deren Ablauf genau beschrieben.
C. B.: Die dritte Komponente ist die Toolbox, die einen Leitfaden für Planerinnen und Planer darstellt. Darin finden sich unter anderem Kontaktlisten, verschiedene Hilfestellungen und Lösungsansätze bei Nutzungskonflikten. Mit den Lösungsansätzen werden Ziele wie ein langfristiges Gesamtoptimum, der grösstmögliche Nutzen für alle, die Optimierung unter Nutzung von Synergien sowie die Optimierung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses angestrebt. Die Toolbox ist eine Empfehlung, aber kein Regelwerk. Es entbindet die Planenden nicht von ihren Aufgaben und ihrer Verantwortung.
«Das zweite wichtige Ziel ist also: weg von den unübersichtlichen Listen, hin zu einer Visualisierung im GIS.»
Sie haben viel Zeit und Aufwand in den Aufbau des KöR-Prozesses in Biel investiert. Was sind aus heutiger Sicht die grössten Highlights und Erfolgsgeschichten und was waren die Herausforderungen?
C. B.: Projekte einer solchen Dimension durchzuführen, und das parallel zum operativen Tagesgeschäft, ist enorm anspruchsvoll. Alle Beteiligten mussten sich bewusst die Zeit dafür nehmen, um zwischen den einzelnen Workshops, die ungefähr viermal im Jahr stattfanden, an den Aufgaben weiterzuarbeiten. Es galt immer wieder, die Motivation und den Zusammenhalt in der Gruppe aufrechtzuerhalten über die recht lange Projektdauer. Mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben, würde ich anderen, die ein ähnliches Unterfangen vorhaben, raten, es als Projekt mit Leuten aufzugleisen, die aus dem Tagesgeschäft herausgenommen werden, ohne jedoch zu vergessen, die operativen und strategischen Bereiche einzubeziehen. Highlight ist, dass wir all das erreicht haben, was heute vorliegt – Handbuch, Toolbox, GIS-Plattform –, und dass wir nun starten können mit der Testphase. Als grossen Erfolg erachte ich zudem, dass mittlerweile alle Beteiligten die gleiche Sichtweise haben und vom Gleichen reden. Dafür war die recht lange Findungsphase entscheidend. Gesamthaft hat die lange Diskussions- und Erarbeitungszeit sicher die Qualität des Produkts gesteigert.
M. R.: Wichtig ist jetzt, dass wir einmal anfangen und diesen anspruchsvollen Koordinationsprozess durchleben. Nur so können die Beteiligten die Vorteile der Koordination und des neuen Prozesses erkennen. Es wird sicher nicht alles von Anfang an funktionieren, doch durch Learning by Doing können wir den Prozess weiter verbessern. Wir dürfen vor den Problemen, die sicherlich auftauchen werden, nicht zurückschrecken. Es werden auch immer wieder Entscheide auf strategischer Ebene nötig sein, die nicht innerhalb des KöR-Prozesses selbst getroffen werden können. Erforderlich ist jetzt ein gewisser Kulturwandel und vor allem die Bereitschaft, sich auf das Neue einzulassen. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass es zu Beginn der Umsetzung für alle Beteiligten mehr zu tun gibt. Dies sollte bei der Ressourcenplanung der einzelnen beteiligten Organisationen berücksichtigt werden.
Wo steht die Entwicklung des Projekts «Koordination im öffentlichen Raum» heute und was ist für die nächsten Jahre angedacht?
C. B.: Anfang 2026 ist Go-live. Wir beginnen mit einer rund halbjährigen Testphase. Parallel dazu wollen wir einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess implementieren. Geplant ist, ab Sommer 2026 weitere Stakeholder einzubinden.
M. R.: Ende 2025 haben wir als letzte Vorbereitung auf den neuen Prozess Informationsveranstaltungen bei ESB einerseits und bei der Stadt andererseits, sprich in den Bereichen, Tiefbau, Verkehr und Stadtentwässerung, durchgeführt.
Zahlt sich der grosse Aufwand fĂĽr den Aufbau des Prozesses jetzt bereits am Anfang der Umsetzungsphase aus?
C. B.: Sehr positiv zu bewerten ist, dass mittlerweile die Diskussionen zu den mittel- bis langfristigen Investitionen vermehrt stattfinden. Hilfreich dabei ist die Visualisierung im KöR-GIS. Gleichzeitig wurde das ESB-GIS zu einem Arbeitsinstrument für die Planung der Vorhaben weiterentwickelt. Davon profitieren wir heute schon. Dank einer sorgfältigen Erarbeitungsphase sind auch die kritischen Stimmen gegenüber der Koordination nach und nach am Verstummen. Insbesondere durch die Informationen konnten wir die Beteiligten von den Vorteilen des KöR-Prozesses überzeugen.
M. R.: Der KöR-Prozess bringt uns dazu, stärker zu priorisieren und darüber nachzudenken, wie wir am besten unsere Vorhaben zum Ziel führen können. Er unterstützt damit die Investitionsplanung und die strategische Planung. Ein grosser Mehrwert ist auf jeden Fall die GIS-Plattform, die bereits im Einsatz ist. Es ist extrem hilfreich, auf anschauliche Weise einen Überblick über die zahlreichen Bauvorhaben in der Stadt zu erhalten. Zudem sind somit alle Informationen an einem Ort verfügbar.
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Die Umweltgeowissenschaftlerin Miriam Roser war als Projektleiterin bei der TBF + Partner AG tätig, bevor sie vor zwei Jahren zur Stadt Biel wechselte. Dort ist sie in der Abteilung Infrastruktur, Stabsstelle Nutzung & Gestaltung öffentlicher Raum, fürs Portfoliomanagement und die Koordination im öffentlichen Raum verantwortlich. |
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Nach Tätigkeiten bei verschiedenen Elektroinstallationsunternehmen und Verteilnetzbetreibern arbeitet Christian Brawand seit 12 Jahren bei Energie Service Biel/Bienne (ESB). Er ist dort im Bereich Planung & Projekte angesiedelt und leitet das Projektportfoliomanagement. |
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