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27. April 2018

Porträt

ARA Chur

Als einzige ARA des Kantons Graubündens ist die ARA Chur verpflichtet, bis 2035 eine zusätzliche Reinigungsstufe einzubauen. Bis dahin stellt die Phosphorrückgewinnung allerdings die grössere Herausforderung dar, denn diese wird gemäss Abfallverordnung bereits bis 2026 verlangt.

Am nördlichen Rand der Bündner Kantonshauptstadt befindet sich seit 1975, nahe des Rheins, die Abwasserreinigungsanlage der Stadt Chur mit 55 000 angeschlossenen Einwohnern. 1990 kam eine Anlage zur Aufbereitung von Mineralölabscheidegut hinzu, 1999 die Klärschlamm-Trocknungsanlage. Der entwässerte Faulschlamm der meisten Bündner Gemeinden wird im Wirbelschichttrockner getrocknet und im nahegelegenen Zementwerk Untervaz zur thermischen Nutzung verwertet.
Um die vorgeschriebenen Werte der Einleitungsbewilligung des Amts für Natur und Umwelt einzuhalten, musste in den Jahren 2005 bis 2010 die Reinigungsleistung der konventionellen biologischen Reinigungsstufe erhöht werden. Durch den Umbau in eine Hybrid-Wirbelbettbiologie wurde die Kapazität von 75 000 auf 130 000 EW (Einwohnerwerte) gesteigert. Gleichzeitig wurden sämtliche Anlagen im Bereich Elektro-, Mess-, Steuer-, Regelungs- und Leittechnik (EMSRL) erneuert. Heute sind insgesamt dreizehn Ortschaften an das Kanalnetz der Stadt Chur angeschlossen.

ARA Chur heute

Durch den hohen technischen Stand der ARA und das fachlich gut ausgebildete Personal werden heute, unter Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte, sehr gute Eliminationsraten des zu reinigenden Abwassers erreicht: CSB 96%, BSB 98%, Pges. 96% und NH4–N 98%.
Durch Zugabe von Enzymen in den Frischschlamm, welche Fasern zersetzen, konnte die Faulgasproduktion um ca. 5–10% gesteigert werden. Verzopfungen an den Rührwerken der Faultürme und Verstopfungen von Pumpen wurden gleichfalls eliminiert. Zur weiteren Steigerung der Faulgasgewinnung um 5–10% und Erhöhung der Entwässerbarkeit des ausgefaulten Schlammes, wird im Spätsommer dieses Jahres die Inbetriebnahme einer Desintegrationsanlage umgesetzt. Dabei wird mittels Ultraschallreaktoren der gesamte, eingedickte Überschusslamm desintegriert.
Zur Eigenstromproduktion entsteht in Zusammenarbeit mit der IBC Energie Wasser Chur, der Tiefbaudienste der Stadt Chur und der Firma dhp Technology, Zizers, das weltweit erste Solarfaltdach über den Klärbecken mit einer Gesamtfläche von ca. 6500 m2. Die Produktion von 550 000 kWh Solarstrom pro Jahr deckt im Moment ca. 20% des Jahresverbrauchs der Kläranlage ab. Die Zugänglichkeit für Unterhaltsarbeiten wird durch die leichte und offene Bauweise vollumfänglich gewährt. In welchem Masse die zusätzliche Beschattung eine Verminderung der Algenbildung begünstigt, wird sich über die nächsten Jahre zeigen.

Zukünftige Ausrichtung

Um das Energiepotenzial des Abwassers auszuschöpfen, ist innerhalb der nächsten zwei Jahre die Wärmerückgewinnung des gereinigten Abwassers im Auslaufkanal der ARA in Zusammenarbeit mit der IBC Energie Wasser Chur geplant.
Die Abfallverordnung, welche bis zum Jahr 2026 die Rückgewinnung von Phosphor verlangt, stellt in nächster Zukunft die grösste Herausforderung dar. Die ARA der Stadt Chur und das Amt für Natur und Umwelt GR verfolgen gespannt die Entwicklung in den nächsten Jahren.
Als einzige Abwasseranlage des Kantons ist die ARA Chur zudem verpflichtet, bis spätestens im Jahr 2035 das Abwasser mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe von Mikroverunreinigungen zu befreien

KENNZAHLEN

Ausbaugrösse: 130 000 EW
Mittlere Belastung: 64 000 CSB in EW
Abwasseranfall: 5 000 000 m3/a
Klärschlamm entwässert: 1400 t TS/a
Klärgasanfall 1 000 000 Nm3/a
Länge Leitungsnetz 140 km
Stromverbrauch/-produktion (inkl. Trocknungsanlage: )3 950 000 kWh/a)
Anzahl Mitarbeiter: 10

Serie ARA-Porträts

Rund 100 Kläranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufgerüstet. Dank einer zusätzlichen Reinigungsstufe sollen künftig problematische Mikroverunreinigungen eliminiert werden. Aqua & Gas stellt monatlich jeweils eine ARA vor, die entweder erweitert wird oder sonst mit speziellen Herausforderungen konfrontiert ist.

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