Plattform für Wasser, Gas und Wärme
News
26. April 2019

ARA-Porträt

ARA Sihltal

Das erste Gewässerschutzgesetz von 1957 führte schweizweit zum Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Seitdem wurde deren Ausbaugrad stetig verbessert. Für rund 100 ARA steht nun der nächste Ausbauschritt an: die Aufrüstung für die Elimination von Mikroverunreinigungen. Ob auch für die ARA Sihltal mit ihren sehr begrenzten Platzverhältnissen die vierte Reinigungsstufe erforderlich sein wird, wird bis 2028 entschieden. Aktuell laufen Projekte zur Entlastung der Biologiestufe und zu einer verbesserten Bewirtschaftung der Regenbecken. Letztere soll die Entlastungsfrachten in die Sihl merklich reduzieren.

Ende der F√ľnfzigerjahre wurde der Zweckverband f√ľr die zentrale ARA Sihltal zwischen den Gemeinden Adliswil, Langnau am Albis und Thalwil gegr√ľndet und in den Jahren 1960/61 die Kl√§ranlage mit einem Aufwand von 2,6 Mio. Franken f√ľr 16'000 Einwohner gebaut. Mit dem einsetzenden Bauboom dr√§ngte sich rasch eine Erweiterung auf. Der Ausbau der bestehenden ARA wurde einer dezentralen L√∂sung in Langnau vorgezogen. Das im Fokus der damaligen Gross√ľberbauung ¬ęJolieville¬Ľ angestrebte Ausbauziel von 44'000 Einwohner musste als Folge des neuen Bau- und Planungsgesetzes massiv zur√ľckgestuft werden. Mitte der Siebzigerjahre erfolgte in vier Etappen der notwendige Ausbau. Die neue Gew√§sserschutzgesetzgebung forderte Mitte der 90er-Jahre eine Elimination der N√§hrstoffe mit entsprechender Anpassung der Verfahrenstechnik samt neuer Schlammentw√§sserungsanlage. Zwischen 2004 und 2007 erfolgten die letzten Umbauten zur Leistungssteigerung auf ein Ausbauziel von 33'000 Einwohnern.

ARA Sihltal heute

Aufgrund der sehr begrenzten Platzverh√§ltnisse im Knie des Sihlverlaufs resultierte ein spezielles Anlagelayout ohne Vorkl√§rung. Das Abwasser fliesst im freien Gef√§lle beidseits der Sihl zur ARA. Nach der Grobreinigung wird das Abwasser direkt in eine konventionelle, 3-strassige Belebtschlamm-Stufe mit chemischer F√§llung und weitergehenden Stickstoffelimination von rund 60% angehoben. Die Abw√§rme aus dem gereinigten Abwasser wird f√ľr einen Nahw√§rmeverbund genutzt.
Als Folge der fehlenden Vorkl√§rung wird ein Grossteil der organischen Substanz in der biologischen Stufe oxidiert und fehlt in der Faulung zur Methangasproduktion. Entsprechend bescheiden f√§llt der Strom-Eigendeckungsgrad (ca. 20%) √ľber die BKHW aus. Der ausgefaulte Kl√§rschlamm wird entw√§ssert und mittels Mulden zur Monoverbrennungsanlage auf dem Areal des Kl√§rwerk Werdh√∂lzli gefahren. Damit bleiben die Voraussetzungen f√ľr ein zukunftsgerichtetes Phosphorrecycling aus der Asche gewahrt.

Zuk√ľnftige Ausrichtung

Die engen Platzverh√§ltnisse und das prognostizierte Bev√∂lkerungswachstum fordern alternative M√∂glichkeiten zur Leistungssteigerung. Aufgrund eines erfolgreich laufenden Pilotversuches mit einem Trommelsieb-Liquid als Vorkl√§r¬≠beckenersatz kann eine Entlastung der Biologiestufe bewirkt und die Energiebilanz signifikant verbessert werden. Gleichzeitig hat ein Versuch in Zusammenarbeit mit der kantonalen Aufsichtsbeh√∂rde AWEL aufgezeigt, dass eine geschickte Bewirtschaftung der Regenbecken und eine Mehrbelastung der ARA w√§hrend der w√§rmeren Jahreszeit eine sp√ľrbare Reduktion der Entlastungsfrachten in die Sihl bewirkt. Als Basis zur Erfolgskontrolle wurden umfangreiche Gew√§sseruntersuchungen ausgel√∂st. Der Gesetzgeber wird bis 2028 entscheiden, ob eine Stufe zur Elimination von Spurenstoffen erforderlich sein wird. Der Zweckverband steht einer solchen Massnahmen positiv gegen√ľber und w√ľrde auch eine fr√ľhere Realisierung begr√ľssen.

Kennzahlen

Angeschlossene Einwohner: 29'500
Ausbaugrösse: 33'000 EW
Mittl. Belastung (CSB): 33'000 EW
Abwasseranfall: 3'300'000 m3/a
Klärschlammanfall: 600 t TR/a
Klärgasanfall: 190'000 Nm3/a
Stromverbrauch: 1'421'000 kWh/a
Stromproduktion: 267'000 kWh/a
Länge Leitungsnetz: 5 km

Serie ARA-Porträts

Rund 100 Kl√§ranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufger√ľstet. Dank einer zus√§tzlichen Reinigungsstufe sollen k√ľnftig problematische Mikroverunreinigungen eliminiert werden. Aqua‚ÄČ&‚ÄČGas stellt monatlich jeweils eine ARA vor, die entweder erweitert wird oder sonst mit speziellen Herausforderungen konfrontiert ist.

Kommentar erfassen

Kommentare (0)

e-Paper

«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.

Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.

Die «gazette» gibt es auch als E-Paper. Sämtliche bisher erschienen Ausgaben sind frei zugänglich.