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Fachartikel
04. Mai 2026

rSOC: reversible Festoxidzelle

Von Strom zu Gas, von Gas zu Strom

Die Integration erneuerbarer Energien erfordert Technologien, die eine flexible Speicherung und Umwandlung von Energie ermöglichen. Systeme mit reversiblen Festoxidzellen (reversible Solid Oxide Cells, rSOC) können als Hochtemperatur-Elektrolyseure oder als Brennstoffzellen betrieben werden und machen die bidirektionale Umwandlung zwischen Strom und Gas möglich: Strom zu Wasserstoff im Betrieb als Elektrolyseur und Wasserstoff oder Methan zu Strom im Betrieb als Brennstoffzelle. Im EU-Projekt 24/7 ZEN wird ein solches System entwickelt und demonstriert. Die stabile Dampferzeugung spielt im Betrieb als Elektrolyseur eine zentrale Rolle.
Luca Schmidlin, Markus Friedl, Pascal Diethelm, Salvatore Oricchio, Andreas Aeschimann, 

Die Transformation des Energiesystems hin zu erneuerbaren Quellen stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität und Speicherfähigkeit zukünftiger Energieinfrastrukturen. Denn es gilt, damit die unterschiedlichen Zeiten der Energiegewinnung und des Energieverbrauchs zu überbrücken – dies auch über grosse Zeiträume, wie mehrere Monate. Interessante Möglichkeiten zur saisonalen Integration fluktuierender Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie ergeben sich mit Technologien, die eine effiziente Kopplung von Strom- und Gasinfrastruktur ermöglichen. 

Reversible Festoxidzellen (reversible Solid Oxide Cells, rSOC) gelten in diesem Kontext als vielversprechende Lösung, da sie sowohl im Elektrolysemodus zur Wasserstoffproduktion als auch im Brennstoffzellenmodus zur Stromerzeugung aus Wasserstoff oder aus Methan eingesetzt werden können. Damit ermöglichen sie eine bidirektionale Umwandlung zwischen elektrischer und chemischer Energie und tragen zur Flexibilisierung zukünftiger Energiesysteme bei.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das europäische Forschungsprojekt Reversible SOEC/SOEFC System for a Zero Emissions Network Energy System, kurz 24/7 ZEN (Zero Emission Network), das Ziel, ein integriertes rSOC-System zu entwickeln, zu bauen und unter realen Bedingungen zu demonstrieren (Fig. 1). Im Zentrum steht eine containerisierte Anlage, die sowohl mit dem Strom- als auch mit dem Gasnetz kompatibel und zusätzlich für Off-Grid-Anwendungen ausgelegt ist.

Die im Projekt entwickelte Anlage ist da­rauf ausgelegt, im Elektrolysebetrieb (Solid Oxyde Electrolyser, SOE) mit einer elektrischen Leistung von bis zu 100 kWel Wasserstoff zu produzieren und im Brennstoffzellenbetrieb (Solid Oxide Fuel Cell, SOFC) eine elektrische Leistung von 33 kWel bereitzustellen. Neben der Wasserstoffproduktion wird auch die Möglichkeit zur Methanerzeugung untersucht, um die Integration in bestehende Gasinfrastrukturen zu erleichtern.

Das Projekt umfasst insgesamt 13 Partner aus Forschung und Industrie (Fig. 2), die gemeinsam an der Entwicklung von Komponenten, Systemintegration, Demonstration sowie techno-ökonomischer Bewertung arbeiten. Im Projektkonsortium sind auch drei Schweizer Partner vertreten:

  • Solydera SA
  • Hochschule Luzern (HSLU)
  • OST – Ostschweizer Fachhochschule

Reversible SOE/SOFC-Technoloigie

Reversible Festoxidzellen (rSOC) unterscheiden sich von den anderen Technologien zur Elektrolyse und Rückverstromung: Während bei konventionellen Elektrolyseuren, die flüssiges Wasser aufspalten, für die Rückverstromung jeweils ein separates Brennstoffzellensystem erforderlich ist, kann die Festoxid-Technologie beide Funktionen in einem einzigen System vereinen. Der Stapel an Festoxidzellen ist der Kern der Anlage und ein wichtiger Treiber der Investitionskosten (CAPEX). Er kann in einem Betriebsmodus als Elektrolyseur mit Elektrizität Wasserstoff erzeugen oder in einem anderen Betriebsmodus als Brennstoffzelle Wasserstoff oder Methan verstromen. Nur das System um den Stapel an Festoxidzellen, die Balance of Plant, muss für beide Umwandlungspfade ausgelegt werden.

Der reversible Betrieb ist möglich, weil Festoxidzellen bei hohen Temperaturen von typischerweise 700 bis 850 °C betrieben werden und dadurch reversible elektrochemische Reaktionen erlauben. Im Elektrolysemodus (SOE) wird Wasser unter Einsatz thermischer Energie in Wasserdampf umgewandelt und elek­trische Energie für die Elektrolyse des Dampfs in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten (Power-to-X) [1]. Im umgekehrten Betrieb als Brennstoffzelle (SOFC) wird Wasserstoff oder ein wasserstoffhaltiges Gas wie Methan in den gleichen Festoxidzellen elektrochemisch umgesetzt und elektrische Energie erzeugt (X-to-Power). Ein entscheidender Vorteil der Festoxid-Technologie ist zusätzlich die hohe Systemeffizienz von Elektrizität zu Elektrizität von insgesamt 60%, wenn zur Dampferzeugung Abwärme genutzt werden kann, und 45% ohne Nutzung von Abwärme (Round Trip Efficiency, Power-to-X-to-Power).

Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsszenarien

Neben der Demonstration und technischen Validierung liegt ein weiterer Fokus des Projektes 24/7 ZEN auf der Analyse der Wirtschaftlichkeit und der Identifikation geeigneter Marktanwendungen fĂĽr rSOC-basierte Energiesysteme. Zur Bewertung des Potenzials der rSOC-Technologie wurden im Projekt die drei ursprĂĽnglichen Anwendungsszenarien [2] auf zwei reduziert [3]:

  • Szenario 1: Integriert in Strom- und Gasnetz
  • Szenario 2: Inselbetrieb (Off-Grid)


Die Auswahl dieser Szenarien ermöglicht eine systematische Analyse unterschiedlicher Einsatzfelder. Gleichzeitig lassen sich verschiedene Geschäftsmodelle von Stromspeicherung über Wasserstoffproduktion bis hin zur autarken Energieversorgung sowie technische und regulatorische Anforderungen vergleichen. Dadurch wird ersichtlich, unter welchen Bedingungen rSOC-Systeme ihren grössten Nutzen entfalten können.

Szenario 1: Integriert in Strom- und Gasnetz

Im Szenario 1 (Fig. 3) bezieht das rSOC-System bei einem Überangebot von erneuerbarer Elektrizität und tiefen – oft auch negativen – Elektrizitätspreisen über das Stromnetz erneuerbare Elek­trizität, um Wasserstoff zu erzeugen, der ins existierende Gasnetz (NG Grid) eingespeist wird oder lokal gespeichert wird (H2 Storage). Bei der Einspeisung ins existierende Gasnetz wird der Wasserstoff mit dem im Gasnetz enthaltenen Gas (heute zum grossen Teil Methan) gemischt. Ist erneuerbare Elektrizität knapp, sodass die Strompreise am Markt steigen, wird Gas aus dem Gasnetz wieder in Elektrizität umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist. Das Gas aus dem Gasnetz kann ein beliebiges Gemisch aus Wasserstoff und Methan sein. Es kann auch Wasserstoff aus dem lokalen Speicher verwendet werden. Das Gasnetz kann die Funktion eines grossskaligen Energiespeichers übernehmen und erlaubt es dem rSOC-System, flexibel auf Strompreise und Anforderungen des Stromnetzes zu reagieren. Dazu gehört auch, dass das rSOC-System dem Stromnetz primäre und sekundäre Regelleistung und Regelenergie je nach Zustand des rSOC-Systems in positive und negative Richtung anbieten kann, um das Stromnetz zu stabilisieren. Besonders relevant ist dieser Ansatz in Energiesystemen mit hohem Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien.

Szenario 2: Inselbetrieb

Im Szenario 2 (Fig. 4) wird das Energiesystem vollständig netzunabhängig betrieben. Erneuerbare Stromquellen versorgen ein lokales Energiesystem, wobei überschüssiger Strom, der in Solar- und Windanlagen (RES Plants) produziert wird, aber nicht gleichzeitig von den Verbrauchern (Load) verwendet werden kann, zunächst in einer Batterie gespeichert und bei voller Batterie zur Wasserstoffproduktion genutzt wird. Benötigen die Verbraucher mehr Elektrizität, als produziert wird, kann diese zunächst aus der Batterie zur Verfügung gestellt werden. Bei sich leerender Batterie wird der gespeicherte Wasserstoff wieder zur Stromerzeugung eingesetzt. Dadurch kann eine stabile, vollständig erneuerbare Energieversorgung ohne externe Netzanbindung realisiert werden.

Reversible SOE/SOFC fĂĽr die Schweiz

Ein sehr interessanter Aspekt der Arbeit in einem europäischen Forschungsprojekt ist die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern aus unterschiedlichen Ländern mit Energiesystemen, die Gemeinsamkeiten oder entscheidende Unterschiede zum Schweizer Energiesystem aufweisen. Daraus ergeben sich sehr spannende Diskussionen. Das Projekt 24/7 ZEN deckt dabei auch Anwendungen vom rSOC-System ab, die für die Schweiz irrelevant sind. Für die Partner in Griechenland ist der Inselbetrieb eines rSOC-Systems wortwörtlich gemeint, wenn es sich um eine Insel im Meer ohne Anschlüsse an das Elektrizitäts- und Gasnetz handelt. Zudem wird das Umschalten des rSOC-Systems zwischen Betrieb als Elektrolyseur und als Brennstoffzelle im Tagesrhythmus untersucht. Da die Schweiz über keine autarken Inseln im Meer verfügt, dafür über hohe Berge mit Pumpspeicherkraftwerken mit deutlich höherer Effizienz (Round Trip Efficiency) als rSOE-Systeme, sind diese beiden Anwendungen des rSOC-Systems für die Schweiz nicht interessant.

Der Einsatz eines rSOC-Systems in der Schweiz liegt weder im Inselbetrieb noch im Ausgleich von täglichen Schwankungen der erneuerbaren Stromerzeugung. rSOC-Systeme können in der Schweiz, ähnlich wie in Szenario 1 (Fig. 3), zwischen das Strom- und das Gasnetz geschaltet werden zum Ausgleich der saisonalen Verfügbarkeit von erneuerbarer Elektrizität in einem Massstab ab 1 MW elektrischer Leistung, also mindestens zehnmal grösser als der Demonstrator im Projekt 24/7 ZEN.

Die Schweizer «Energieperspektiven 2050+» [4] setzen stark auf die Elektrifizierung von Anwendungen, die heute noch aus fossilen Energiequellen gespeist werden (Wärmepumpen, Verkehr). Trotzdem sehen sie weiterhin eine Rolle für erneuerbare Gase wie Biomethan, grünen Wasserstoff und synthetisches Methan (aus Power-to-Gas-Prozessen) vor, sowie für andere chemische Energieträger (Biomasse, Derivate von Wasserstoff), insbesondere im Szenario «ZERO B». Das Forschungsprojekt Decarbonisation of Cities and Regions with Renewable Gases (DeCIRRA) hat diese Rolle untersucht und schlägt vor, welche Anwendungen unter welchen Gegebenheiten für erneuer­bare Gase sinnvoll sind [5]. Im Projekt Netztransformationsplan erneuerbare Gase (CH42) [6] stellen 25 Betreiber von Gasnetzen, SVGW sowie VSG fest, dass der verbleibende Teil der Gasversorgung vollständig erneuerbar sein wird und für deren Verteilung weiterhin eine Infrastruktur für den Transport und die Verteilung zur Verfügung stehen soll. Die bestehenden Netze werden aktuell auf ihre Kompatibilität mit Wasserstoff überprüft, es werden Überlegungen für eine Schweizer Wasserstoffinfrastruktur durchgeführt, die an das europäische Wasserstoffnetz (European Hydrogen Backbone) angeschlossen werden kann. Eine Analyse zur saisonalen Flexibilität [7] zeigt, dass Power-to-X, die Speicherung von X und X-to-Power eine der wenigen Optionen für saisonale Flexibilität im Energiesystem sind. Zudem gibt es Überlegungen, auch innerhalb der Schweizer Grenzen Speicher für Methan und Wasserstoff zu bauen [8] als Ergänzungen zu den existierenden Gasspeichern im französischen Jura, an denen sich die Schweiz mit einem Staatsvertrag beteiligt.

Mit diesen Randbedingungen sind rSOC-Systeme für die Schweiz sehr interessant, weil sie innerhalb der gleichen Installation sowohl die Umwandlung Power-to-X (vorwiegend im Sommerhalbjahr), als auch X-to-Power (vorwiegend im Winterhalbjahr) ermöglichen. Die Investitionskosten (CAPEX) verteilen sich so auf deutlich mehr Betriebsstunden, was sich günstig auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

rSOC-Systeme erreichen höhere Effizienzen als konventionelle Elektrolyseure, insbesondere wenn zur Dampferzeugung Abwärme verwendet wird. Deshalb befinden sich interessante Standorte in der Schweiz dort, wo nicht nur im Stromnetz ein Überangebot an elektrischer Energie zur Verfügung steht, sondern auch Abwärme, die im Sommer wenig Abnehmer findet, zum Beispiel Kehrichtverbrennungsanlagen.

Die Einspeisung von Wasserstoff in das Gasnetz im Sommer ist nur möglich, wenn das Netz hohe Anteile an Wasserstoff oder sogar 100% Wasserstoff aufnehmen kann. Die Bemühungen des Projektes CH42 laufen in diese Richtung. Ohne Gasspeicher auf eigenem Boden kann die Schweiz Gasspeicher im europäischen Ausland nutzen, die Speicherung als Dienstleistung anbieten.

 

IET und AlphaSYNT im Projekt

Der Betrieb eines rSOC-Systems stellt hohe Anforderungen an die Prozessführung. Besonders wichtig ist eine stabile Versorgung der Festoxidzellen mit Wasserdampf während des stationären und des dynamischen Betriebs. Druckschwankungen können zu lokalen mechanischen Spannungen in den Festoxidzellen und folglich zum Bruch führen und dürfen 20 mbar nicht überschreiten. Der Verdampfer wurde für einen Massenstrom zwischen 3 und 32 (kgDampf)/h ausgelegt. Der erforderliche Dampfdruck liegt je nach Betriebszustand zwischen 2 bar Überdruck bei niedrigen Durchsätzen und 4 bar Überdruck bei maximalem Durchsatz. Die erforderliche Überhitzung beträgt 5 bis 10 Kelvin. Die Anforderungen konnten erreicht werden, indem das thermische Design des Verdampfers sowie die Strömungsführung im Überhitzer gezielt optimiert wurden. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Stabilisierung der Verdampfungszone und der Dämpfung von Druckschwankungen.

Die vom IET Institut fĂĽr Energietechnik und AlphaSYNT GmbH entwickelte und verwendete Dampferzeuger-Technologie baut auf Erkenntnissen aus zwei frĂĽheren Forschungsprojekten zur Integration von Hochtemperatur-Elektrolyseuren und Power-to-Gas-Systemen auf:

Projekt Pentagon

Im Projekt Pentagon wurden Konzepte zur Integration von Hochtemperatur-Elektrolyseuren in ein erneuerbares Energiesystem untersucht. Dabei standen insbesondere Systemintegration, dynamischer Betrieb und die Entwicklung geeigneter Balance-of-Plant-Komponenten im Fokus.

Projekt HEPP

Im Projekt HEPP (High Efficiency Power-to-Methane Pilot) wurde mit UnterstĂĽtzung des Forschungsfonds der Gasindustrie (FOGA) die Kopplung von Hochtemperatur-Elektrolyseur und Methanisierung untersucht. Ziel war die Entwicklung effizienter Power-to-Methane-Systemen zur Umwandlung von erneuerbarem Strom in synthetisches Methan mit einen Gesamtwirkungsgrad von 70% [1, 9].

Die beiden Projekte lieferten wichtige Erkenntnisse fĂĽr die Auslegung von Prozesskomponenten und bildeten die Grundlage fĂĽr die Weiterentwicklung im Projekt 24/7 ZEN.

Entwickler Dampferzeuger

Im Rahmen des Projekts 24/7 ZEN wurde ein pulsationsarmer Dampferzeuger entwickelt, der den spezifischen Anforderungen von Hochtemperatur-Elektrolyse­systemen gerecht wird. Die besondere Herausforderung lag dabei in der Kombination mehrerer, teilweise gegenläufiger Anforderungen an das System.

Eine zentrale Randbedingung war die Begrenzung der Druckpulsationen am Dampfaustritt auf maximal 20 mbar. Solch geringe Druckschwankungen lassen sich typischerweise vor allem unter stationären Betriebsbedingungen mit konstantem Durchsatz realisieren. Im vorliegenden Anwendungsfall musste der Dampferzeuger jedoch gleichzeitig eine dynamische Betriebsweise über einen breiten Lastbereich von 3 bis 32 kg/h (ca. 9–100% Last) ermöglichen. Diese beiden Anforderungen stehen in direktem Gegensatz zueinander.

Zusätzlich wurde im Projekt angestrebt, die für die Dampferzeugung benötigte Energie möglichst über Wärmerückgewinnung bereitzustellen, beispielsweise aus nachgeschalteten Prozessen wie der katalytischen Methanisierung. Dies trägt wesentlich zur Steigerung der Gesamt­effizienz des Systems bei, stellt jedoch erhöhte Anforderungen an die thermische Integration sowie an die Regelbarkeit des Dampferzeugers unter variierenden Wärmequellen.

Die Kombination aus pulsationsarmer Dampferzeugung, dynamischem Betrieb und thermischer Kopplung über Wärmerückgewinnung stellt somit eine zentrale Herausforderung für die Entwicklung geeigneter Dampferzeugersysteme dar.

Lösungsansatz

Um die unterschiedlichen und teilweise gegenläufigen Anforderungen zu erfüllen, wurde das System so ausgelegt, dass sich dynamische Effekte und die Anforderungen an eine stabile Dampfversorgung möglichst wenig gegenseitig beeinflussen. Dazu werden gezielt Pufferelemente eingesetzt, die Schwankungen im System abfangen.

Ein zentraler Punkt ist die Begrenzung der Druckpulsationen unter 20 mbar. ­Diese wird durch speziell entwickelte Pulsationsdämpfungsarmaturen erreicht, die Druckschwankungen wirksam dämpfen und so eine stabile Versorgung der rSOE sicherstellen. Mögliche Durchflussschwankungen in der Dampfversorgung der rSOE hingegen werden über die Auslegung der Strömungsführung sowie geeignete Regelstrategien begrenzt.

Für die Wärmezufuhr kommt ein Thermoölkreislauf zum Einsatz. Dieser ermöglicht es, Abwärme aus unterschiedlichen Prozessen zum Dampferzeuger zu transportieren und so verschiedene Wärmequellen einzubinden.

Um diese Wärmequellen unabhängig vom 24/7-ZEN-rSOE-Prototyp untersuchen zu können, wird die Wärmezufuhr aktuell über elektrische Heizungen simuliert. Dadurch können unterschiedliche Abwärmeströme charakterisiert und gezielt nachbildet werden. Anschliessend kann diese Charakterisierung als Eingangsgrösse für die Simulation der Abwärmenutzung verwendet werden. Der Fokus liegt dabei auf der Abwärmenutzung aus einer katalytischen Methanisierung mit einem Temperaturniveau von 250 bis 300 °C, was sich eignet zur Dampferzeugung. Man kann so die Hochtemperatur-Elektrolyse mit einer nachgeschalteten Methanisierung koppeln [9].

Aktueller Projektstatus

Nach der Entwicklung des Konzepts für den Dampferzeuger wurde ein Prototyp aufgebaut und experimentell getestet. Alle Teilsysteme des Dampferzeugers wurden am IET in Rapperswil bei unterschiedlichen Betriebsbedingungen getestet, bevor sie zum Projektpartner Inerco nach Sevilla geschickt wurden, der das gesamte rSOC-System in Containern integrierte (Fig. 5–8).

Alle Teilsysteme befinden sich aktuell in der Integrationsphase unter der Leitung von Inerco. Der Projektpartner ist verantwortlich fĂĽr das Engineering und die Gesamtintegration und baut die einzelnen Komponenten schrittweise in die containerisierte Anlage ein und fĂĽhrt alles zu einem Gesamtsystem zusammen (Fig. 7). Die Anlage umfasst eine Vielzahl spezialisierter Teilsysteme: Dampferzeugung, Hochtemperatur-Elektrolyse, bestehend aus vier Stapeln an Festoxidzellen (LSM, Large Stack Module), Hilfsmodule, Leistungselektronik, das Hot Balance of Plant (Hot BoP), die Erdgasentschwefelung, H2-Trocknung, H2-Verdichtung sowie die KĂĽhlung. Diese Komponenten werden im Prozesscontainer integriert und funktional miteinander verknĂĽpft.

Derzeit befindet sich das Projekt in der finalen Integrationsphase. Die mechanische Installation ist weitgehend abgeschlossen, während aktuell die Verkabelung fertiggestellt wird. Im Anschluss folgen erste Softwaretests der Steuerungssysteme sowie eine Vorinbetriebnahme der Gesamtanlage. Für Juni 2026 ist vorgesehen, die vollständig integrierte Containeranlage als Einheit nach Thessaloniki (Griechenland) zum Projektpartner Certh zu transportieren. Dort erfolgen die finale Inbetriebnahme unter realen Betriebsbedingungen sowie der anschliessende Feldtest der Anlage.

Perspektiven

Die im Projekt 24/7 ZEN gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung rSOC-basierter Energiesysteme. Bereits heute werden mögliche Folgeprojekte diskutiert, insbesondere im Hinblick auf eine Skalierung der Technologie auf Leistungen im MW-Bereich. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts ist die enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums. Die Kooperation zwischen Industrie- und Forschungspartnern hat sich als tragfähig erwiesen und schafft eine solide Basis für zukünftige gemeinsame Entwicklungen. Nach Abschluss der Demonstrationsphase und des Feldtests ist die weitere Nutzung der Anlage derzeit noch offen. Das Projektkonsortium prüft verschiedene Optionen für einen dauerhaften Einsatz der Anlage in einem geeigneten Anwendungskontext.

 

Bibliographie

[1] Friedl, M.J. et al. (2023): L'électrolyse à haute température - Technologie innovante au cœur des systèmes power-to-X. Aqua & Gas 11/2023: 40-44

[2] Skordoulias, N. et al. (2023): Integration of 24/7 ZEN system with the electricity and gas grids. EU-Projekt 24/7 ZEN, Deliverable 1.1 (EU-Cordis, MS-Teams der OST)

[3] Tsimaras, V. et al. (2024): Definition of load and H2 production profiles for on-grid, off-grid and CCU applications. EU-Projekt 24/7 ZEN, Deliverable 1.2 (EU-Cordis, MS-Teams der OST)

[4] Kemmler, A. et al. (2022): Energieperspektiven 2050+. Technischer Bericht», Bundesamt für Energie

[5] Schildhauer, T. et al. (2025): Erneuerbare Gase fĂĽr die Energiewende. Aqua & Gas 5/2025: 36-40

[6] Hagger, R. et al. (2026): Ergebnisbericht 2025.Initiative CH42, Netztransformationsplan erneuerbare Gase

[7] Friedl, M. et al. (2018): Saisonale Flexibilisierung einer nachhaltigen Energieversorgung der Schweiz. Forum Energiespeicher Schweiz, AEE Suisse

[8] Kober, T. et al. (2024): Saisonale Gasspeicher in der Schweiz. Aqua & Gas 5/2024: 34-39

[9] Friedl, M.J. et al. (2022): Forschungsplattform fĂĽr Power-to-X. Aqua & Gas 3/2022: 28-34

 

WeiterfĂĽhrende Informationen
Projekt 24/7 ZEN

Weitere Informationen zum EU-Projekt 24/7 ZEN, zu den Projektpartnern und zum aktuellen Projektstand sind auf der offiziellen Projektwebsite verfügbar: https://24-7zenproject.eu/

rSOC

Eine vertiefte Einführung in die reversible Festoxid-Technologie (rSOC) und deren Rolle in Power-to-X-Systemen findet sich im A&G-Artikel «Innovative Technologie als Herzstück von Power-to-X-Systemen» [1]: https://www.aquaetgas.ch/energie/gas/20231101_ag11_innovative-technologie-als-herzstück-von-power-to-x-systemen/

Dampferzeugung in SOE-Systemen

Weiterführende Informationen zur Kopplung von katalytischer Methanisierung und Hochtemperatur-Elektrolyse, insbesondere zur Nutzung von Abwärme für die Dampferzeugung in SOE-Systemen, findet sich im A&G-Artikel «Forschungsplattform für Power-to-X» [9].

Verdankung

24/7 ZEN wird von der Clean Hydrogen Partnership und ihren Mitgliedern Hydrogen Europe und Hydrogen Europe Research im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101101418 unterstützt und finanziert durch die Europäische Union und das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Die geäusserten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschliesslich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder des Joint Undertaking Clean Hydrogen wider. Weder die Europäische Union noch das Joint Undertaking Clean Hydrogen können dafür haftbar gemacht werden.

 

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