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27. August 2019

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Was ist los im Wasserschloss Schweiz?

Unsere Wasserversorger im Mittelland sind derzeit sehr gefordert. Am 26. Juni 2019 stufte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV mehrere Abbauprodukte des seit den 70er Jahren eingesetzten Fungizids Chlorothalonil neu als relevant ein. Damit gilt für diese Abbauprodukte ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm/Liter im Trinkwasser. Gemäss BLV kann eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden, einige Abbauprodukte könnten gar krebserregend sein.
Martin Sager 

Eine Übersicht über das Ausmass der Gefährdung hat noch niemand. Jedenfalls sind die Wasserversorger von heute auf morgen mit veränderten Vorgaben konfrontiert und müssen reagieren. Mindestens ein Dutzend Wasserfassungen mussten bereits geschlossen werden – ein Verbot von Chlorothalonil ist hingegen noch nicht rechtskräftig. Ein Einzelfall? Seit 2005 wurden rund 150 Zulassungen von Pestizidwirkstoffen zurückgezogen. Das Beispiel «Chlorothalonil» zeigt eindrücklich, dass die Zulassung eine falsche Sicherheit gibt. Die Vorsorge bleibt auf der Strecke.

Dies ist umso problematischer, als dass Ersatzstandorte in den meisten Fällen nicht vorhanden sind und eine einfache Aufbereitung des Wassers bisher nicht möglich ist. Technische Massnahmen und Fachexpertise genügen nicht: Es besteht dringender Handlungsbedarf auf politischer Ebene.

Der SVGW als Hüter der Trinkwasserqualität weist seit Jahren sachlich auf die angespannte Situation im Trinkwasserschutz bezüglich der Pestizid- und auch Nitratbelastung hin. Auch die neuste NAQUA-Studie des Bundes über den Zustand des Grundwassers zeigt, dass unsere Sorgen berechtigt sind. Der Schutz unserer Trinkwasserressourcen erfordert wirksame Massnahmen – am besten in Form eines Gegenvorschlages zur Pestizidverbots- und Trinkwasserinitiative – um die Bevölkerung auch künftig kostengünstig mit natürlichem und gesundem Trinkwasser versorgen zu können.

Beste Grüsse

Martin Sager, Direktor

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Kommentare (2)

Thomas Hiltebrand am 02.09 2019 um 16:17

Nur eines der Probleme..Quellenschutz und Tankstellen...

Das Abbauprodukte von Pestiziden in der Zukunft nicht das einzige Problem sein werden, ist leider auch zu vermuten. Tankstellen bei Einkaufszentren werden noch heute so bewilligt, das diese kaum 200 Meter von bestehenden Pumpstationen zu liegen kommen. Der Gesetzgeber hat hierzu wohl keine "unbeugsamen" Schutzkriterien erstellt. Und Gemeinderäte sehen bei Shopping-Centern nur zu gerne $$$ für Ihre Kassen. Da die Schweiz die in den USA verbreiteten "Elephantenabsaugrüssel" wieder abgeschafft hat, der in Californien schon seit ca. 1980 Pflicht ist, weil diese angeblich nicht zu den Fahrzeugen passen würden, Entschudigung in den USA geht's schon seit 40 Jahren, warum können die Hersteller der Fahrzeuge in Europa das nicht? Ich rechne deshalb immer noch mit erheblichen Verlusten an gasförmigen Dämpfen beim Betanken, zumindest sagt mir das meine Nase. Diese Spülverluste werden von Wind leicht ich Richtung Pumpstation getragen und bei Regen ausgewaschen, d.h. MTBE, Hexane, Isooctan Cyclohexan und der ganze Zauber etc. werden dort in Zukunft dann im Grundwasser nachweisbar... Das muss dann mit teuren Aktivkohlefiltern oder UVC/ Ozon so weit möglich unschädlich gemacht werden. Es wäre sinnvoller, die Tankstelle an solchen Orten aber schlicht nicht zu erstellen, d.h. es braucht das gesetzlich verankerte Vetorecht der Trinkwasserversorger bei Baubewilligungen für Tankstellen in unmittelbarer Umgebung von bestehenden Pumpstationen. Denn de facto ist es eine schleichende Enteignung der Pumpstation. Am Schluss wenn dann noch der Tank leckt, ist die Tankstelle Pleite und sanieren muss es der Steuerzahler oder die Trinkwasserversorger...

Gilbert Saga am 27.08 2019 um 12:45

Trinkwasser

Auch die Microplastic im Trinkwasser sind störend/ungesund. Habe im ZDF gestern in den Kurznachrichten 16:00 h einen Beitrag gesehen, indem man das Thema Microplastic im Trinkwasser behandelt hat und wo in einem Beitrag eine Methode mit ?Eisenoxyd? eines jungen Forschers gezeigt wurde, mit der er die Microplasticteile aus dem Trinkwasser herausfischt. Ob das im grossen Stil möglich ist, wurde nicht gesagt, läss aber hoffen. Im Labor hat es jedenfalls funktioniert Freundlichen Grüsse Gilbert Saga

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