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Fachartikel
22. Februar 2022

W1019

Neue SVGW-Empfehlung

Der langfristige Schutz der Trinkwasserressourcen vor Verschmutzung und anderen Beeinträchtigungen ist von zentraler Bedeutung, damit die Trinkwasserversorgung auch für die nächsten Generationen nachhaltig und günstig bleibt. Die neue W1019 unterstützt Wasserversorger, Nutzungskonflikte konstruktiv anzugehen.
Markus Biner 

1998 wurden die versch√§rften Schutzvorgaben f√ľr Trinkwasserfassungen mit der √ľberarbeiteten Gew√§sserschutzverordnung (GSchV) eingef√ľhrt. In der Folge wurden viele Anlagen und Nutzungen um Trinkwasserfassungen herum neu als Gef√§hrdung eingestuft. Noch immer gibt es zahlreiche Trinkwasserfassungen ohne rechtskr√§ftige Schutzzonen, und oft bleibt nur die Schliessungen von gef√§hrdeten Fassungen.

In den meisten F√§llen sind Nutzungskonflikte mit Siedlungen, Verkehrswegen und unzul√§ssigen landwirtschaftlichen Nutzungen vor allem in der Grundwasserschutzzone S2 die Ursache (BAFU, 2018). Diese Nutzungskonflikte erschweren die Ausscheidung oder die Umsetzung der Schutzzonenbestimmungen und f√ľhren zu Verunsicherung bei den verantwortlichen Stellen in den Gemeinden. Dabei tragen eine rechtskonforme Ausscheidung von Grundwasserschutzzonen und ein konsequenter Vollzug der entsprechenden Schutzzonenreglemente massgeblich zum langfristigen Schutz von Trinkwasserfassungen bei.

Unterst√ľtzung bei Nutzungskonflikten

Mit seiner neuen Empfehlung W1019 ¬ęUmgang mit Nutzungskonflikten in Grundwasserschutzzonen von Trinkwasserfassungen¬Ľ will der SVGW den Wasserversorgern helfen, Nutzungskonflikte konstruktiv anzugehen. Die durch die SVGW-Gesch√§ftsstelle ausgearbeitete Empfehlung wurde unter den Mitgliedern, den kantonalen Fachstellen und dem Bundesamt f√ľr Umwelt (BAFU) vernehmlasst. Basierend auf den R√ľckmeldungen hat nun die Adhoc-Arbeitsgruppe ¬ęRessourcen¬Ľ unter der Leitung von Bernhard Gyger den Empfehlungsentwurf √ľberarbeitet und fertiggestellt.

Vier Grundsätzliche Lösungsansätze

Die Empfehlung zeigt die Bedeutung von Grundwasserschutzzonen und die Umsetzungsm√∂glichkeiten der gesetzlichen Schutzzonenvorgaben bez√ľglich vorhandener Nutzungskonflikten auf. Dabei werden die folgenden vier grunds√§tzlichen L√∂sungsans√§tze thematisiert:

  • L√∂sungsansatz 1: Entfernung der Gef√§hrdung (inkl. gew√§sserschutztechnische Sanierungen)
  • L√∂sungsansatz 2: Anpassung der Trinkwassernutzung des Fassungsbetriebs
  • L√∂sungsansatz 3: Aufgabe der Fassung zur Trinkwassernutzung
  • L√∂sungsansatz 4: Absicherung bei verbleibender Gef√§hrdung (Minimierung der Gef√§hrdungen durch geeignete technische bzw. betriebliche Massnahmen an den Anlagen oder der Fassungen und ein angepasstes Monitoring)


Zus√§tzlich wurde f√ľr die h√§ufig in Grundwasserschutzzonen auftretenden Nutzungskonfliktbereiche die grunds√§tzlichen Vorgaben und Schutzmassnahmen zur Erreichung des ¬ęIdealzustands¬Ľ bez√ľglich Gew√§sserschutz dargestellt.

Beispiele aus der Praxis zeigen Möglichkeiten auf

Die Praxisbeispiele im Anhang der Empfehlung schliesslich geben Hinweise auf die Bandbreite an M√∂glichkeiten zum verbesserten vorsorglichen Schutz des Trinkwassers. Insgesamt zeigt die Empfehlung bei bestehenden Nutzungskonflikten Vorgehensm√∂glichkeiten auf und unterst√ľtzt somit die verantwortliche Exekutive der Wasserversorgung bei der L√∂sungsfindung. Dadurch soll die Hemmung vor dieser sehr komplexen und oft aufreibenden Aufgabe genommen werden. Entsprechend richtet sich die W1019 haupts√§chlich an Wasserversorger, die vor der Revision oder auch Erstausscheidung ihrer Grundwasserschutzzonen mit Nutzungskonflikten stehen.

Sie ist als Ergänzung zur Wegleitung Grundwasserschutz (Buwal, 2004) und zur SVGW-Richtline W2 zu betrachten, welche die Bedeutung, das Ausscheidungsverfahren und den Vollzug der Schutzmassnahmen bei Trinkwasserfassungen allgemein beschreibt. Der Umgang mit Verschmutzungen aus Zuströmbereichen wird in dieser Empfehlung nicht abgedeckt. Diese Problematik fliesst jedoch im Rahmen von Risikobetrachtungen an einigen Stellen in die Diskussion ein. Auch Probleme beim Vollzug von rechtskräftigen Grundwasserschutzzonen und Reglementen werden in dieser Praxishilfe nicht behandelt. In solchen Fällen bietet die SVGW-Empfehlung

W1017 Hilfe f√ľr die konkrete Wahl eines Rechtsmittels zur Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen im Trinkwasser-Ressourcenschutz.

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