Am 7. Mai hat sich die FOWA-Fachkommission zu ihrer jährlichen Sitzung getroffen. Neben einigen wenigen administrativen Angelegenheiten ging es in der Sitzung vor allem um die Beurteilung der eingereichten FOWA-Projekte. In diesem Jahr wurden vier Projekte eingereicht. Die Projektanten präsentieren die Projekte jeweils vor der Kommission und beantworten im Anschluss Fragen. Danach erfolgt die Beurteilung der Projekte durch die Kommission hinter verschlossenen Türen.
Im Folgenden werden die Projekte kurz vorgestellt und der Vergabeentscheid der Fachkommission ist wiedergegeben:
Das von der Hochschule Luzern eingereichte Projekt will die Gebäudetrinkwasserinstallation auf PFAS-haltige Materialien untersuchen und analysieren, ob allenfalls durch die verbauten Materialien PFAS ins Trinkwasser gelangen. In einem ersten Schritt sollen alle möglichen PFAS-haltigen Materialien, die in typischen Installationen verbaut sind, identifiziert werden. In dem zweiten Schritt wird dann entsprechend dem Befund ein risikobasiertes Probenahmekonzept entwickelt und es werden entsprechende Trinkwasserproben gezogen und analysiert. Der Antragsteller hat eine Förderung von CHF 10'000 für die Analyse der Wasserproben beantragt, der Rest wird durch Eigenleistung gedeckt. Das Projekt soll sechs Monate dauern.
Die Fachkommission beurteilte das Projekt gesamthaft als förderungswürdig, insbesondere weil damit aktuelle Fragestellungen rund um die PFAS-Thematik beantwortet werden sollen und weil das Projekt ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist. Das Projekt wird mit den beantragten CHF 10'000 gefördert.
Das von InfraWatt eingereichte Projekt will den Pumpbetrieb in der Wasserversorgung optimieren und möglichst nur noch dann pumpen, wenn die Energie am günstigsten ist. Damit sollen einerseits der Wasserversorgung Kosteneinsparungen entstehen und andererseits das elektrische Netz stabilisiert werden. Dazu soll ein bereits bestehendes Energiecockpit herangezogen, optimiert und mittels einer Schnittstelle in das Prozessleitsystem eingebunden werden. Eine Softwarelösung soll entwickelt und bei einzelnen Wasserversorgungen implementiert und getestet werden. Danach wird ein Leitfaden zur Implementierung ausgearbeitet, der den interessierten Versorgungen zur Verfügung gestellt wird. Das ganze Projekt wird von entsprechenden Kommunikationsmassnahmen begleitet. Die Projektdauer beträgt 36 Monate, und es wurde eine Förderung von CHF 35'000 angefragt. Der Rest soll durch Beiträge von beteiligten Dritten geleistet werden.
Die Fachkommission beurteilte das Projekt grundsätzlich als sinnvoll, da es zu einer effizienteren Pumpenregelung in der Wasserversorgung führt. Jedoch wurde der Nutzen für die gesamte Wasserversorgungsbranche als eher gering eingestuft, da bei vielen Versorgungen der Pumpbetrieb von anderen Faktoren übersteuert wird, wie z.B. Versorgungssicherheit, Hygiene oder Verfahrensführung. Somit entschied sich die Kommission für eine Teilförderung von CHF 15'000 für dieses Projekt.
Das von der Haute Ecole Spécialisée de Suisse occidentale eingereichte Projekt hat zum Ziel, eine Online-Sonde zu entwickeln, die in der Lage ist, Änderungen von PFAS-Konzentrationen im Wasser zu detektieren. Dies soll mittelfristig dazu herangezogen werden können, um z.B. Wasserressourcen online zu überwachen und einen Anstieg in den PFAS-Konzentrationen in Echtzeit zu detektieren und allenfalls Massnahmen einzuleiten. Der Sensor soll aus einer modifizierten Elektrode bestehen, deren Signal dann mithilfe der Impedanzspektroskopie ausgewertet wird. Allerdings ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt, ob die erwartete Empfindlichkeit mit den vorgesehenen Methoden auch wirklich erreicht werden kann. Das Projekt dauert voraussichtlich 18 Monate, mit dem Ziel, einen entsprechenden Prototyp einer Onlinesonde zu entwickeln. Bei dem Prototyp kann ebenfalls auf die Ergebnisse eines vorangehenden Projektes zurückgegriffen werden, insbesondere was die Integration und die Datenübertragung betrifft. Es wurde eine Förderung von CHF 79'350 angefragt.
Die Fachkommission findet den Ansatz des Projektes grundsätzlich sinnvoll, weil es ermöglichen würde, «Auswaschungen» von PFAS in Echtzeit zu erkennen. Es wurden aber auch Bedenken geäussert, da noch nicht klar ist, ob sich die angestrebte Empfindlichkeit mit den vorgesehenen Messprinzipien überhaupt erreichen lässt. Aus diesen Gründen entschied sich die Kommission für eine Teilförderung von CHF 40'000 für dieses Projekt.
Das von der Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland eingereichte Projekt will in einem Versorgungsgebiet durch den Einsatz von Smartmetern in Kombination mit GIS-Daten und einer zeitlich hochaufgelösten Datenauswertung eine Netzsimulation mit einem digitalen Zwilling erstellen. Danach soll mithilfe von KI das Netz im Versorgungsgebiet überwacht werden, um allfällige Anomalien wie Leckagen automatisch zu erkennen. In Zusammenarbeit mit einem Systemlieferanten, der die digitale Infrastruktur bereitstellt, und mit einer Universität für die Erstellung des KI-Modells, soll das System im entsprechenden Versorgungsgebiet implementiert werden. Das Projekt weist eine Laufzeit von 30 Monaten auf und es wurde eine Förderung von CHF 80'000 angefragt.
Die Fachkommission sieht den Nutzen einer solchen Netzüberwachung durch den Einsatz von Smartmetern und KI. Man ist ebenfalls davon überzeugt, dass solche Systeme in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen werden. Allerdings handelt es sich bei dem vorgestellten Projekt um eine proprietäre Entwicklung des Systemlieferanten, die dann nicht automatisch allen Versorgungen zur Verfügung stehen würde. Somit sieht die Kommission die Entwicklung solcher Systeme in erster Linie bei den Systemlieferanten / Smartmeterherstellern. Des Weiteren äusserte die Kommission Bedenken bezüglich möglicher Konflikte mit den geltenden Datenschutzvorgaben in der Schweiz. Aus diesen Gründen entschied sich die Kommission gegen eine Förderung dieses Projektes.
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