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25. Juni 2026

Wasser-Hauptkommission Junisitzung

Spurenstoffe, Wasserressourcen und die SVGW Young Professionals

An ihrer Junisitzung 2026 hat sich die W-HK vertieft mit Spurenstoffen im Trinkwasser und Möglichkeiten für einen sinnvollen Umgang mit der Problematik befasst.
Matthias Freiburghaus 

Am 3. Juni fand unter Leitung von Andreas Hirt die erste Plenarsitzung der W-HK dieses Jahres statt. Wie immer wurde eine breite Palette an Themen behandelt:

Regelwerk
Revision W2 «Wasserressourcen – Grundwasserschutz und Risikomanagement in Einzugsgebieten von Trinkwasserfassungen»

Die Vernehmlassung der revidierten W2 ist eröffnet und dauert bis Ende August: www.svgw.ch/vernehmlassung. Die Richtlinie wurde gemeinsam mit Vertretern kantonaler Gewässerschutzämter umfassend aktualisiert und thematisch von den Grundwasserschutzzonen auf die Einzugsgebiete ausgedehnt. Damit bietet sie eine umfassende Hilfestellung für die Selbstkontrolle im Bereich Wasserressource und Trinkwassergewinnung. Die Vorgaben der neuen W2 werden anschliessend auch in die W12 («Leitlinie für eine gute Verfahrenspraxis in Trinkwasserversorgungen») übernommen.

W3 «Trinkwasserinstallationen» mit Ergänzungen 1 «Rückflussverhinderung» und 2 «Betrieb und Instandhaltung von Sanitäranlagen»

Die Rückmeldungen aus der Vernehmlassung werden zurzeit diskutiert und in die Richtlinien integriert. Nach der Verabschiedung in der W-UK7 und W-HK ist im Dezember mit der Inkraftsetzung durch den SVGW-Vorstand zu rechnen.

W7 «Pumpsysteme in der Trinkwasserversorgung»

Die Rückmeldungen aus der Vernehmlassung sind fertig eingepflegt. Die prozessorientiert aufgebaute und dem Lebenszyklus dieser Anlagen folgende Richtlinie wird der Branche am 1. September 2026 an der Wasserfachtagung «Neue Richtlinie W7» in Biel vorgestellt.

Geodatenmodell Wasser

Zurzeit werden die Rückmeldungen geprüft und in das Modell eingearbeitet. Mit der Publikation des neuen Datenmodells ist auf den Jahreswechsel 2026/2027 zu rechnen.

Datenmodell GWP

Zur Harmonisierung und Digitalisierung der Generellen Wasserversorgungsprojekte (GWP) entwickelt eine Arbeitsgruppe aus Vertretern kantonaler Wasserwirtschaftsämter, Ingenieurbüros und des SVGW ein entsprechendes Datenmodell. Als Planungsinstrument wird es das revidierte Geodatenmodell Wasser ergänzen.

Bildung
Lehrgänge zu eidgenössischen Berufsprüfungen

Im ersten Halbjahr 2026 wurden gleichzeitig vier Vorbereitungskurse auf die eidgenössischen Berufsprüfungen Brunnenmeister und Rohrnetzmonteur mit insgesamt 157 Teilnehmenden durchgeführt. Die zwei eidgenössischen Berufsprüfungen in Genf (Rohrnetzmonteur) und in Olivone (Brunnenmeister) haben insgesamt 34 Kandidaten erfolgreich absolviert.

Personenzertifizierung

In der ersten Jahreshälfte wurden 38 Kaminfeger/innen, 172 Installateurinnen und Installateure Erdgas, 170 Installateurinnen und Installateure Trinkwasser sowie 6 Kontrolleurinnen und Kontrolleure (periodische Sicherheitskontrolle) (re-)zertifiziert.

Entwicklung des SVGW-Bildungsangebots

Die Bildungsstrategie sieht eine gezielte Weiterbildungsserie im Bereich Trinkwasser vor, um Brunnenmeisterinnen und Brunnenmeistern mit eidgenössischem Fachausweis sowie weiteren Fachpersonen Spezialisierungsmöglichkeiten zu eröffnen und ihre Kompetenzen praxisnah zu vertiefen. Mit engagierten Fachleuten aus der Branche konnte der SVGW innerhalb kurzer Zeit vier Kurse entwickeln:

  • 10./11.12.2025 & 29./30.9.2026 - Risikobasiertes Messen in der Wasserversorgung
  • 11./12.5.2026 - Speichern und Verteilen von Trinkwasser
  • 14.9.2026 & 9.11.2026 - Risikomanagement im Fassungseinzugsgebiet
  • 4.12.2026 - Kommunikative Herausforderungen in der Wasserversorgung
Berufliche Grundbildung «Rohrnetzmonteur/in EFZ»

Der SVGW wird neu Mitglied der Trägerschaft des Berufs Rohrnetzmonteur/in EFZ und übernimmt in dieser Rolle als Leistungserbringer die Verantwortung für die Durchführung der überbetrieblichen Kurse. Damit bringt der Verband seine fachliche Expertise gezielt in die berufliche Grundbildung ein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung des Berufs.

Netzwerk «SVGW Young Professionals»

Das Netzwerk «SVGW Young Professionals» entwickelt sich kontinuierlich weiter: Am 26. Mai fand ein drittes Treffen statt. Die offizielle Gründung des Netzwerks erfolgte im Rahmen des Zukunftsforums im Juni in St.Gallen. Junge Fachkräfte aus Hochschulen, Dienstleistungsunternehmen sowie Versorgungsbetrieben der Bereiche Wasser, Gas und Wärme treffen sich, um ihre Ideen und Perspektiven aktiv einzubringen und so individuelle Karrieren aktiv zu unterstützen, neue Perspektiven zu eröffnen und gleichzeitig die Identifikation sowie die Verbundenheit mit der Versorgungsbranche nachhaltig zu stärken. Das Netzwerk ist zweisprachig (FR und DE).

Alternative mikrobiologische Messmethoden

Zwei neue Arbeitsgruppen befassen sich mit alternativen Keimzahlbestimmungsmethoden: Die Erfa-Gruppe «Durchflusszytometrie», die u.a. Ringversuche zu dieser Methode durchführen will, und die AG «ATP-Metrie», welche diese schnelle und günstige Bestimmungsmethode der mikrobiellen Aktivität in der Branche bekannt machen will.

Spurenstoffe
Chlorothalonil

Das Bundesverwaltungsgericht hat im März entschieden, dass vier der im Trinkwasser häufig gefundenen Chlorothalonil-Metaboliten als nicht relevant einzustufen sind. Das BLV will jedoch vorerst an deren Höchstwert von 0.1 µg/l festhalten, unter Berufung auf seine gewählte Einstufungsmethode, zu der sich das Gericht nicht explizit geäussert hat.

1,2,4-Triazol im Genfersee

Ende Mai organisierte die W-UK2 in Lausanne mit Westschweizer Kantonsvertretern einen Fachaustausch zum Thema «Triazol im Genfersee» (siehe separaten Bericht in der Sommerausgabe von Aqua & Gas).

Melamin im Trinkwasser

Als möglicher Trinkwasserkontaminant ist neu auch Melamin in den Fokus gerückt. Diese aromatische Stickstoffverbindung ist ein wichtiger Ausgangsstoff in der Kunststoffindustrie und wird auch aus den entsprechenden Kunststoffen (Melaminharzen) freigesetzt. Zudem ist Melamin ein Pestizid-Metabolit. Aktuell wird in der Schweiz diskutiert, Melamin als relevanten Metaboliten einzustufen, womit ein vorsorglicher Höchstwert von 0,1 ug/l gelten würde. In Deutschland wurde für Melamin auf toxikologischen Grundlagen ein Trinkwasserleitwert von 0,7 mg/l abgeleitet. Ähnlich wie Triazol lässt sich Melamin durch die gängigen (mehrstufigen) Aufbereitungsverfahren kaum aus dem Wasser entfernen.

Kurs «Informationspflicht»

Wegen der aktuell schwierigen Kommunikationslage zu Spurenstoffen plant der SVGW einen Kurs zum Thema Informationspflicht.

Spurenstoffentfernung in der Trinkwasseraufbereitung

Andreas Hirt zeigte in einem kurzen Vortrag die Grenzen der technischen Machbarkeit der Spurenstoffentfernung aus dem Trinkwasser auf:

  • Aktivkohlefiltration benötigt Platz, führt wegen der grossen benötigten Menge an Kohle zu Abhängigkeiten von Lieferketten und hat einen erheblichen CO2-Footprint.
  • Polare Spurenstoffe lassen sich fast nur mit Umkehrosmose effektiv entfernen.
  • Umkehrosmose benötigt 20% bis 100% mehr Wasser, ist energieintensiv und erfordert oft eine Vor- und Nachbehandlung. Die grosse Menge Konzentrat muss entsorgt werden können.


Die Aufbereitung von spurenstoffhaltigem Trinkwasser ist folglich nicht überall möglich, und die weiterführende Aufbereitung kann das Problem von belasteten Wasser-Ressourcen ohne gleichzeitige, weiträumige und leistungsfähige Vernetzung, nicht lösen. Solche Lösungen würden zu einem mehrfachen der heutigen Kosten der Wasserversorgung führen. Fazit: Der Ressourcenschutz ist um ein Vielfaches günstiger, effektiver und nachhaltiger.

Interessenvertretung

Zum Umgang mit PFAS in Gewässern, Böden, Trinkwasser und Lebensmitteln haben VSA, Brunnenmeisterverband die nationalen Fischereiverbänden und der SVGW eine gemeinsame Resolution ausgearbeitet. Aus Sicht der unterzeichnenden Verbände ist es entscheidend, frühzeitig und koordiniert zu handeln, um eine weitere Anreicherung von PFAS in der Umwelt zu verhindern und langfristige Schäden für Gewässer, Trinkwasser, Boden und Lebensmittel zu vermeiden.

Der SVGW-Vorstand hat in seiner März-Sitzung das Positionspapier zu PFAS und ein Positionspapier zu Zuströmbereichen verabschiedet. Nach der Übersetzung werden die Dokumente im SVGW-Shop verfügbar sein.

Politmonitoring zu PFAS

Motion 22.3929 «Festlegung von PFAS-spezifischen Werten in Verordnungen»: Die Anliegen der Motion sollen mit einer Revision der Abfallverordnung (VVEA, SR 814.600), der Altlasten-Verordnung (AltlV, 814.680), der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo, SR 814.12) sowie Anpassungen in Vollzugshilfen umgesetzt werden. Die Eröffnung der Vernehmlassung zu den entsprechenden Vorlagen ist für Frühjahr 2026 (VVEA, AltlV), bzw. Frühjahr 2027 (VBBo) vorgesehen.

Motion 25.3421 «PFAS-Grenzwerte unter Berücksichtigung der Auswirkungen, insbesondere für die Landwirtschaft oder die Wasserversorger sachgerecht festlegen und Massnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft einleiten»: Der Bundesrat soll prüfen, ob anstelle einer Übernahme der Trinkwasserrichtlinie der EU eigenständige Regelungen vorgesehen werden könnten. Die Motion wurde von der UREK-S dahingehend ergänzt, dass die Herstellung und Verwendung von Produkten mit PFAS unter Berücksichtigung neuer Alternativen eingeschränkt werden soll. Die UREK-S hat der Motion im März zugestimmt.

Zur Umsetzung der Motion 25.3421 ist nun Folgendes vorgeschlagen: Befristete Revision von Verordnungen des Lebensmittelrechts betreffend PFAS in Lebensmitteln und Aktualisierung der Höchstwerte im Trinkwasser. Zu diesem Paket wurde Ende Mai die Vernehmlassung eröffnet; sie läuft bis zum 18. September. Der SVGW wird eine Stellungnahme einreichen, insbesondere zu den vorgeschlagenen Anpassungen der TBDV.

Personelles

W-UK3: An der letzten Sitzung wurde Antonello Gatti (AIL) aus der W-UK3 verabschiedet.

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