Bevor sich alles um Pumpen drehte, hiess SVGW-Direktor Michael Meier die rund 150 Teilnehmenden willkommen und nutzte die Gelegenheit, den neuen Bereichsleiter Wasser der SVGW-Geschäftsstelle, Tom Tauscher, vorzustellen, der just an diesem Tag seinen ersten Arbeitstag beim SVGW absolvierte. Danach ging es, moderiert von Raffaele Domeniconi (SVGW), direkt in medias res.
Von der Wasser-Unterkommission W-UK3 wurde die neue SVGW-Richtlinie W7 für Pumpsysteme in der Trinkwasserversorgung erarbeitet. Zum Auftakt gab deren Vorsitzender Adrian Rieder (Wasserversorgung Zürich) einen kurzen Überblick über das neue Regelwerk. Er betonte, dass die Richtlinie Wasserversorgungen bei der Zusammenarbeit mit Auftragnehmenden unterstützen und als Grundlage für einen sicheren Betrieb über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage dienen soll.
Anschliessend stand der Energieverbrauch in der Wasserversorgung im Fokus. Daniel Urfer (rwb) zeigte auf, dass bei Wasserversorgungen, die qualitativ hochwertiges Grund- oder Quellwasser nutzen, das Pumpen den grössten Anteil am Energiebedarf ausmacht. Entsprechend gross ist das Potenzial, die Gesamtenergiebilanz durch einen hydraulisch und elektrisch optimierten Pumpbetrieb zu verbessern. Die neue Richtlinie W7 soll die Versorgungsunternehmen dabei wirksam unterstützen.
Reto Baumann (Häny AG), einer der Autoren der W7, stellte die neue Richtlinie detaillierter vor. Er erklärte: «Fachbücher über Pumpsysteme gibt es wie Sand am Meer. Die W7 fokussiert gezielt auf Themengebiete, welche spezifisch für Schweizer Trinkwasserversorgungen Relevanz haben.» Sie sei praxisnah, pragmatisch und nehme insbesondere das Gesamtsystem in den Blick, denn: «Je breiter der Fokus, desto grösser der mögliche Effizienzgewinn.» Zudem empfahl Baumann, eine Pumpe nie allein aufgrund des Anschaffungspreises zu wählen. Bei Kreiselpumpen, dem wichtigsten Pumpentyp in der Wasserversorgung, machten die Investitionskosten nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus; den grössten Anteil verursachten die Energiekosten mit über 90 Prozent. Durch die richtige Auslegung, den optimalen Betrieb und die fachgerechte Wartung liessen sich im Idealfall Energieeinsparpotenziale von bis zu 20–30 Prozent für Gesamtsysteme erschliessen. Sein abschliessender Ratschlag, der auch in der W7 enthalten ist, lautete: «Nicht einfach 1:1 ab Datenschild austauschen, denn der Ersatz ist eine einmalige Optimierungschance!»
Dieser Aussage schlossen sich viele der nachfolgenden Referenten an, darunter auch Simon Haag (IWB). Er skizzierte zentrale Aspekte von Pumpenprojekten, die in der Praxis gerne vergessen gehen: Als Grundlage für die Pumpenauslegung sollte nicht nur ein Betriebspunkt, sondern stattdessen ein Betriebsbereich definiert werden. Bei der Rohrleitungsplanung gilt es zudem zu berücksichtigen: Ansaugung, Saugleitung, Rückschlagklappe. Und schliesslich sollten bei der Planung Druckstoss und Wechselwirkungen mit dem Trinkwassernetz einbezogen werden.
Auch David Dorthe (rwb) sprach sich klar gegen einen 1:1-Ersatz von Pumpen aus. Bei einem geplanten Pumpenaustausch müsse zunächst das bestehende Netz analysiert werden. Dorthe brachte es auf den Punkt: «Man dimensioniert keine Pumpe, sondern ein System.» Massgebend für die Auslegung seien die Betriebsbedingungen. Dabei ist zu beachten, dass Schwankungen beim Verbrauch und bei den Füllständen die hydraulischen Bedingungen verändern. In bestehenden Anlagen liefern reale Messdaten zur Förderleistung oft verlässlichere Grundlagen als detaillierte Berechnungen, die auf unsicheren Annahmen beruhen.
Auch wenn ein 1:1-Ersatz gewisse Vorteile mit sich bringt – es ist bekannt, dass das System mit der bestehenden Pumpe funktioniert, und der Ersatz kann einfach und schnell abgewickelt werden – ist er selten die beste Lösung. Mit einem Praxisbeispiel zeigte Thomas von Bergen (Wasserversorgung Zürich) auf, wie ein Pumpenersatz für Optimierungen genutzt werden kann. Grundlage für eine technisch und wirtschaftlich optimale Pumpenauslegung ist eine fundierte Analyse der Ist-Daten. Darauf aufbauend, lässt sich eine präzise Ausschreibung mit klar definierten Kriterien und Toleranzklassen erstellen, die entscheidend zum Erfolg der Beschaffung beiträgt.
Der Wasserverbund Region Bern betreibt seine Hauptpumpwerke nach einem «Energiefahrplan». Das bedeutet, dass die Reservoire bevorzugt zu den Zeiten mit den tiefsten Strompreisen gefüllt werden. Hintergrund ist, dass die Stromkosten für das Pumpen mit knapp 10 Prozent einen relevanten Anteil am Gesamtaufwand ausmachen, wie WVRB-Geschäftsführer Martin Frey ausführte. Der Strom wird dabei am Spotmarkt beschafft. Eine jederzeit sichere Wasserversorgung ist auch weiterhin das oberste Gebot, weswegen die Reservoirganglinie den Energiefahrplan übersteuert. Abschliessend wies Frey darauf hin, dass Pumpen aufgrund ihrer langen An- und Abfahrrampen nicht zur Stabilisierung des Stromnetzes geeignet sind. Des Weiteren sei eine kostenoptimierte Förderung nicht identisch mit einer energieoptimierten Förderung, wobei sich natürlich mit einer Energieoptimierung auch Kosten senken liessen.
Victor Glassey von der Schubag AG stellte die Empfehlungen der Richtlinie W7 zur Überwachung und zum Werterhalt von Pumpenanlagen vor. Die zentrale Botschaft: Wer seine Anlage kennt, dokumentiert und versteht, behält die Kontrolle über ihren Betrieb. Laut Glassey beginnt die Reduktion des Wartungsaufwands bereits bei Pumpenauswahl und Konstruktion, wodurch unnötiger Verschleiss vermieden wird. Ebenso entscheidend ist die Wahl geeigneter Materialien, die eine lange Lebensdauer gewährleisten.
Bei der Materialwahl ist allerdings ein weiterer Aspekt zu beachten, wie Margarete Bucheli (SVGW) im anschliessenden Referat darlegte: Die eingesetzten Materialien müssen für den Kontakt mit Trinkwasser geeignet sein. Diese Eignung ist gemäss TBDV mit anerkannten Prüf- und Bewertungsverfahren nachzuweisen. Die entsprechenden Anforderungen und Prüfungen sind in den SVGW-Reglementen der ZW102-Reihe festgehalten.
Den Abschluss der Fachtagung bildeten fünf Kurzreferate aus der Praxis. Nicola Landoz (RWB Groupe SA) berichtete über gute und weniger gute Erfahrungen aus der Westschweiz, Lukas Allenbach (Hunziker Betatech AG) stellte ein Stufenpumpwerkprojekt der Wasserversorgung Aadorf vor und Hannes Ehrensberger (Ingenieurbüro Gujer AG) das Projekt Pumpwerk Schindlergut der Wasserversorgung Zürich. Dabei spannte er den Bogen von den Anforderungen über die Ausschreibung und die durchgeführten Prüfungen bis hin zu Optimierungen im Betrieb. Michael Gluck (Wilo Schweiz AG) widmete sich der Pumpenauswahl und präsentierte als Praxisbeispiel eine Pumpe für die Wasserversorgung Genf. Den Schlusspunkt setzte die Projektingenieurin Chiara Baum (Holinger AG) mit dem geplanten Neubau eines Grundwasserpumpwerks in Regensdorf. Auslöser des Projekts sind drohende Schutzzonenkonflikte beim bestehenden Pumpwerk infolge eines kantonalen Strassenbauvorhabens sowie die Notwendigkeit, Wasser aufgrund von Chlorothalonil-Rückständen im Grundwasser zuzumischen.
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