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19. Oktober 2026

Medienkonferenz

SVGW und VSA informieren zur Trockenheit

Unter dem Titel «Wasserschloss Schweiz in Gefahr» haben SVGW und VSA an einer gemeinsamen Medienkonferenz über die Herausforderungen der Wasserwirtschaft diskutiert. Die diesjährige Trockenheit hat die Gewässer einmal mehr unter Druck gesetzt. Die Trinkwasserversorgung der Schweiz kam an ihre Grenzen und hat gezeigt, dass auch im Wasserschloss Schweiz Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist. Zahlreiche Medienschaffende haben an der Medienkonferenz teilgenommen.
Christos Bräunle 

Über die letzten Jahre mussten viele Fassungen wegen nicht-konformer Schutzzonen oder wegen chemischer Verunreinigungen aufgegeben werden. Der Verlust dieser Fassungen gefährdet gerade bei Trockenheit die Trinkwasserversorgung, da Wasser dadurch immer häufiger nicht mehr dort verfügbar ist, wo es benötigt wird. Gleichzeitig kann Trinkwasser nur mit hohem Aufwand und erheblichen Kosten über grosse Entfernungen transportiert werden.

Chemische Verunreinigungen

Durch die steigenden Konzentrationen chemischer Verunreinigungen im Grundwasser kommt die lokale Versorgung zunehmend unter Druck. Chemische Verunreinigungen können – soweit überhaupt mit verhältnismässigem Aufwand möglich – nur mit teuren, komplexen, personal- und energieintensiven Anlagen aus dem Rohwasser entfernt werden. Kleinere Versorgungen haben nicht die notwendigen Ressourcen, um eine solche Aufbereitung umzusetzen. In der Folge werden bereits heute immer mehr Fassungen zugunsten einer Fremdversorgung durch eine grössere Versorgung in der Umgebung aufgegeben, weil der vorsorglich tief angesetzte Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser nicht eingehalten werden kann.

 

Schutzzonenkonflikte

Ein weiterer Grund für die Aufgabe von Fassungen sind Schutzzonenkonflikte. Vielerorts entsprechen die Schutzzonen nicht den gesetzlichen Vorgaben, weil sich Siedlungen, Verkehrswege oder andere nicht-konforme Bauten und Nutzungen in ihnen befinden. Zudem haben 10 Prozent der Fassungen in der Schweiz gar keine bzw. lediglich eine provisorische Schutzzone. In der Folge werden die Konzessionen für die weitere Nutzung dieser Fassung für die Trinkwassergewinnung vielerorts nicht erneuert, obwohl daraus qualitativ einwandfreies Trinkwasser gewonnen werden kann. Trotzdem müssen diese Fassungen dann aus formellen Gründen aufgegeben werden.

Grosses Interesse

Die Medienkonferenz fand am Montag, 19. Oktober 2027, im Hotel St. Gotthard an der Bahnhofstrasse in Zürich statt und stiess auf reges Interesse! Zahlreiche Medienschaffende haben vor Ort teilgenommen oder waren an den Informationen interessiert. Die Trockenheit hat die Schweiz vielerorts noch immer im Griff, was den Anliegen von SVGW und VSA die notwendige Aktualität und entsprechend Gehör verschafft hat. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und sind gespannt auf die Berichterstattung! Bereits kurz nach der Medienkonferenz haben die SDA sowie das Fernsehen RSI über die Herausforderungen der Wasserwirtschaft berichtet. 

Forderungen SVGW
Grundwasser schützen

Der Schutz von Grundwasser, das für die Trinkwassergewinnung genutzt oder dafür vorgesehen ist, muss gestärkt werden, um chemische Verunreinigungen zu verhindern. Das planerische Instrument dazu sind die sogenannten Zuströmbereiche. Deren Bezeichnung muss rascher vorangetrieben werden. Aktuell ist vorgesehen, dass die Kantone die Zuströmbereiche erst bis 2050 bezeichnen müssen.

Regulierungsfolgeabschätzung bei der Festlegung von Höchstwerten

Viele Höchstwerte sind vorsorglich tief angesetzt. So hält der Bundesrat in seiner Antwort auf das Postulat Clivaz (20.4087) vom 25.11.2020 im Zusammenhang mit den Höchstwertüberschreitungen von Chlorothalonil-Metaboliten fest: «Diese Höchstwerte sind jedoch sehr streng und enthalten grosse Sicherheitsmargen. Es besteht daher nach aktuellem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung». Auch zu einer Frage von Lukas Reimann zum Höchstwert von Melamin im Trinkwasser (26.7743) vom 16.09.2026 hält der Bundesrat fest, dass dieser Höchstwert «dem vorsorglichen Gesundheitsschutz» diene. Der SVGW fordert, dass bei der Festlegung von Höchstwerten eine Regulierungsfolgeabschätzung vorgenommen wird, damit keine Fassungen aufgegeben werden müssen, weil sie einen Vorsorgewert nicht einhalten können, dessen geringfügige Überschreitung kein wissenschaftlich belegtes gesundheitliches Risiko darstellt.

Schutzzonenkonflikte risikobasiert lösen

Schutzzonenkonflikte können nicht in jedem Fall einfach beseitigt werden (bspw. Rückbau einer Bahnlinie). Der SVGW fordert für Fassungen von besonderer Bedeutung einen risikobasierten Ansatz: Anstatt die Fassung aufzugeben, können die Risiken, die von nicht-konformen Bauten und Nutzungen ausgehen, in vielen Fällen durch ein Risikomanagement auf ein vertretbares Mass reduziert werden.

Finanzierung der Vernetzung durch die öffentliche Hand

Die Vernetzung unter den Wasserversorgungen und die Bildung von Verbünden findet bereits heute statt. Sie muss weiter vorangetrieben werden, darf aber nicht auf Kosten der lokalen Trinkwasserversorgung gehen. Der Ausbau ist notwendig, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser in ausreichender Menge zu sichern. Die notwendigen Investitionen können nicht über den Wasserpreis allein von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen werden. Der Bau von Verbindungsleitungen ist teuer und es braucht hier eine finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Weitere Informationen

Medienmitteilung des SVGW (Text und weitere Informationen/Bilder)

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