«Meistens ist es der Verlust, der uns den Wert der Dinge lehrt», sagte einst Arthur Schopenhauer. SVGW-Direktor Michael Meier zitierte den Philosophen am Swiss EurEau Water Summit im Technopark Zürich. Die über 400 Teilnehmenden aus dem In- und Ausland konnten dem weisen Diktum nur zustimmen. Als Wasserversorger, Behördenvertreter, Wissenschaftler oder Abwasserentsorger wissen sie nur zu gut, dass erst der rekordheisse Sommer 2026 und die noch immer anhaltende Trockenheit dafür sorgten, dass das Thema Wasser, Trinkwasser im Besonderen, politisch wahrgenommen wird und mediale Aufmerksamkeit erhält. Dabei ist der politische Wille unabdingbar, um die Wasserversorgung langfristig zu stärken, um Probleme wie PFAS und Nitrat im Grundwasser, zu schnell abfliessendes Regenwasser, fehlende Bezeichnung der Zuströmbereiche oder mangelnde Vernetzung der Wasserversorgungen während Trockenperioden anzugehen.
Jedes einzelne Land hat seine ganz eigene Wasserversorgung und damit einhergehend seine eigenen Stärken und Schwachstellen. So lässt sich das wasserarme Malta nicht mit dem wasserreichen Schottland vergleichen. Während Ersteres um jeden Tropfen kämpft, Lecks umgehend ortet und behebt, dabei auf die Mithilfe seiner Bevölkerung und auf Smart Meters setzt, sind die Schotten verwöhnt von Güte und Menge ihres Trinkwassers, das zentral über das staatlich geführte Unternehmen Scottish Water verwaltet wird. Ganz anders das sogenannte Wasserschloss Schweiz, das mit seinem dezentralen Versorgungssystem rund 2400 Wasserversorgungen zählt, von denen auch kaum eine wie die andere ist. In Basel zum Beispiel wird das Grundwasser mit Rheinwasser angereichert und später mit Aktivkohle aufbereitet. In der Stadt Bern hingegen benötigt das Trinkwasser aufgrund seiner Reinheit keine Aufbereitung, während im Berner Seeland wegen chemischen Verunreinigungen so manche Trinkwasserfassung aufgegeben werden muss. Und in den Niederlanden ist nochmals alles anders und in Italien und Deutschland sowieso.
Vieles trennt, aber eines eint: das Wasser. Es kennt keine Grenzen und doch wird es von Land zu Land anders organisiert und genutzt. Das liegt an der Topografie, an den Regulierungen, an festgelegten Höchstwerten, an der Infrastruktur und am politischen Interesse. Letzteres ist hoch bei Extremwettereignissen wie der diesjährigen Trockenheit, die noch immer anhält und für tiefe Grundwasser-, See- und Flusspegel sorgt. Dies muss sich ändern, darin waren sich die Referenten des Summits einig. Wasser ist nicht einfach ein Sektor für sich allein, sondern ist sektorenübergreifend und tangiert alles und jeden. Wasser ist unsere Lebensgrundlage und ihm gebührt der entsprechende Stellenwert in der Politik und in der Gesellschaft.
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Die individuellen Probleme, ob PFAS, Nitrat, Trockenheit oder Infrastruktur, der Länder sind bekannt, nun ist es Zeit zu handeln, wie Pär Dalhielm, Präsident der europäischen Vereinigung der nationalen Verbände in der Wasserversorgung​ und Abwasserentsorgung EurEau forderte. Da es kein europäisches Lösungsrezept gibt, das auf alle Länder passt, ist der Austausch untereinander umso wichtiger – auf internationaler Ebene, wie am EurEau-Kongress, sowie auf nationaler Ebene mit allen Stakeholdern der Wasserwirtschaft: Bund, Kanton, Gemeinde, Versorger, Abwasserverbände, Landwirtschaft, Industrie, Forschung, Umweltverbände etc.
Nur zusammen lässt sich was bewegen. Zum Beispiel die Entsiegelung der Städte oder die Renaturierung der Flüsse. Lange Zeit hatte die Schweiz zu viel Wasser. Die Flüsse wurden begradigt, damit das Wasser möglichst schnell abfloss und keine Überschwemmungen anrichtete. «Unsere grossen Flüsse sind regelrechte Autobahnen», wie VSA-Direktor Stephan Hasler eindrücklich dem Publikum vor Augen führte. Der Wasserüberfluss ist vorüber, unsere Sommertemperaturen ähneln denen Nordafrikas. Der Klimawandel ist längst da und kommt nicht erst in ferner Zukunft. Deswegen ist es «urgent, so urgent» zu handeln, wie es die Rockband Foreigner in ihrem einprägsamen Hit Anfang der 1980er-Jahre besang. Schwammstadt, Schwammland, Revitalisierung lauten die Lösungen – ausgeführt von Menschenhand oder durch den Biber –, um das Regenwasser zurückzuhalten, versickern zu lassen und dadurch den Grundwasserpegel anzuheben. Untermauert hat Hasler die Dringlichkeit mit dem leidenschaftlichen Saxophon-Part im Mittelteil des oben genannten Songs.
Leidenschaft und Willensstärke braucht es, um die drei Pole dieser Erde zu erreichen: den Süd- und den Nordpol sowie die Spitze des Mount Everest. Evelyne Binsack hat dies gemacht, auch wenn manchmal die Aussicht auf Rettung nicht allzu gross war. Dazu braucht es Vorbereitung, Akklimatisation und Ausrüstung – aber nicht nur. Es braucht Willensstärke, und das nicht zu knapp. «Extreme Herausforderungen zu meistern, sei eine Frage der Einstellung», gab sich Binsack überzeugt.
Die Wasserversorgungen kennen ihre Herausforderungen, aber es reicht nicht, wenn nur sie diese kennen. Es braucht die Zusammenarbeit, den Austausch und das Wissen um die anstehenden Herausforderungen bei sämtlichen Beteiligten. Dies bekräftigten alle Teilnehmenden der abschliessenden Podiumsdiskussion – Pär Dalhiem (EurEau), Pablo Micallef (Malta), Sarah Gilman (Scottish Water), Anja Herlyn (VSA) und Raffaele Domeniconi (SVGW).
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Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Auch gibt es nicht die EINE Wasserversorgung. Umso wichtiger, sich von Lösungen und Wegen anderer inspirieren zu lassen und eigene Erkenntnisse zu teilen, wie z.B. am Swiss EarEau Water Summit.
So stellte im ersten Themenblock Ondrej Benes den tschechischen Ansatz vor, um Landwirtschaft und Wasser in Einklang zu bringen. Martin Weyand vom BDEW sprach über das deutsche Stickstoff-Puzzle, das sich nicht ganz einfach zusammensetzen lässt. Pestizide in Schweizer Gewässern seien eine konstante Herausforderung, sagte Juliane Hollender von der Eawag. Sie informierte über die nationalen Messprogramme NAQUA und NAWA, die stetig Aufschluss über Qualität und Quantität des Grundwassers (NAQUA) und der Oberflächengewässer (NAWA) geben.
Im Themenblock 2 wurden Lösungen und Wege vorgestellt, wie die PFAS-Spirale zu durchbrechen ist. Während Patrice Eschmann vom BAFU regulatorische Möglichkeiten in der Schweiz auslotete, stellte Koen Zuurbier diejenigen in den Niederlanden vor – mitsamt der daraus gewonnenen Erkenntnisse. Thomas Meier von der IWB zeigt eindrücklich auf, wie in Basel verschiedene Möglichkeiten einer End-of-Pipe-Entfernung von persistenten Schadstoffen ausgetestet wurden. Er ging dabei sowohl auf technische Herausforderungen wie auch auf finanzielle Aspekte ein.
Der Fokus des letzten Themenblocks lag auf dem Klimawandel und welche Weichen besser heute als morgen gestellt werden müssen, um künftig jederzeit auf Trockenheit und Starkregen reagieren zu können. Daniel Barbone referierte über das klima-intelligente Wassermanagement, das im Piemont angewendet wird, und Stefan Hasler plädierte engagiert dafür, den natürlichen Wasserkreislauf mittels Schwammstadt und -land wieder ins Lot zu bringen.
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