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21. September 2017

Nationalrat Marco Romano zum Trinkwasser

«Ein Gebot der Vorsicht und Klugheit»

Der Tessiner CVP-Nationalrat Marco Romano unterstützt den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches mit seinem Anliegen für einen besseren Ressourcenschutz. Selber kennt er die Situation als Präsident einer Wasserversorgung im Tessin.
Christoph Meier 

Was bedeutet Ihnen Wasser im Allgemeinen und Trinkwasser im Speziellen?

Marco Romano: Wasser bedeutet für mich Leben und Lebensqualität. Einerseits ist es ein erfrischendes und gesundes Getränk. Andererseits geniessen wir hierzulande das Privileg, in jeder Ecke des Landes genügend sauberes Wasser für das tägliche Leben zur Verfügung zu haben. Dazu kommt das Wasser draussen in der Natur. Unsere Berge sind ein natürliches und enormes Wasserreservoir. Speziell mag ich Wasser auch in Form von Schnee, wo ich meinem Hobby, dem Skifahren, frönen kann.

Haben Sie noch einen anderen Bezug zum Trinkwasser als den persönlichen?

Ja, ich bin als Stadtrat von Mendrisio Vorsteher der Industriellen Werke und damit der Wasserversorgung. Zudem bin ich Präsident des «Acquedotto Regionale del Mendrisiotto». Dieses Konsortium haben alle Gemeinden der Region, die 50 000 Einwohner umfassen, gegründet. Ziel ist heute die Verbindung der kommunalen Versorgungsnetze, um die Sicherheit zu erhöhen und die unsicheren Fassungsgebiete zu schliessen. Dabei soll für Notsituation auch Wasser aus dem naheliegenden Lago Ceresio bezogen werden können. Damit wollen wir eine sichere Versorgung unserer Region mit Trink- Brauch und Löschwasserversorgen auch in Zukunft garantieren.

Mit welchen Problemen wurden Sie da konfrontiert?

Wie jeder Schweizer weiss, der einmal durch das Tessin nach Italien gefahren ist, ist die Ebene des Mendrisiotto, das südlichstes Dreieck der Schweiz, stark überbaut. Hier die Grundwasserfassungen reglementkonform zu behalten, ist fast unmöglich. Zum Glück besitzen wir in Mendrisio noch Fassungsgebiete in den umliegenden Bergen. Die dort reichlich vorhandenen Wälder bilden einen natürlichen Schutz. Doch liegen die Fassungen im Karstgebiet, was die bekannten Herausforderungen mit sich zieht. Aus Gründen der Versorgungssicherheit sind wir darum auf die Grundwasserfassungen angewiesen. Um diese weiter zu nutzen, braucht es klare Vorstellungen, Verhandlungsgeschick und von allen Seiten Kompromissbereitschaft.

Warum setzen Sie sich national jetzt für einen besseren Trinkwasserschutz ein, sind sozusagen ein Wasserkopf im positiven Sinn?

Auch wenn ich ein Glas Wein bei passender Gelegenheit nicht verachte, setzte ich mich aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen für das lokale Trinkwasser ein. Trinkwasser erachte ich als Bestandteil des Tafelsilbers der Kommunen. Die Gewinnung und Verteilung von sauberem Trinkwasser ist ein Privileg, zu dem wir Sorge tragen müssen. Die nachhaltige Versorgung ist Voraussetzung für die Wirtschaftsentwicklung. Auch zeigt mir die Situation in Mendrisio, dass ein sorgsamer Umgang mit Trinkwasser und die Vorsorge wichtig sind. Zudem ist Trinkwasser als Getränk einfach zu produzieren, sehr günstig und kalorienfrei. Ich hoffe, dass wir längerfristig ein Parlament voller Wasserköpfe haben werden.

Sie werden diesen Herbst eine Interpellation zur «Sicherung der nachhaltigen Versorgung mit Trinkwasser» einreichen. Was möchten Sie geklärt haben?

Der Bundesrat soll darüber informieren, was er in Zusammenarbeit mit den Kantonen und den Gemeinden unternimmt, damit die Wasserversorgung räumlich nicht zurückgedrängt wird. Zudem soll er konkret aufzeigen, wie er das Grundwasser vor Rückständen von Medikamenten und Pestiziden schützen will. Auch wenn vorläufig das Trinkwasser noch bedenkenlos getrunken werden kann, ist es Gebot der Vorsicht und Klugheit, dass wir der drohenden schleichenden Vergiftung Einhalt gebieten.

Wäre es nicht effizienter, grosse Wasserversorgungen mit ausgeklügelter Aufbereitung an den grossen Seen aufzustellen und von dort aus die Bevölkerung zu versorgen, als überall kleine Versorgungen zu erhalten?

Gerade beim Trinkwasser können wir zeigen, dass wir fähig sind, nachhaltige Lösungen umzusetzen und nicht immer mit zusätzlicher Technik nachbessern müssen. Natürlich kann es sein, dass an gewissen Orten eine Aufbereitung eine sinnvolle Lösung ist. Auch sollten sich die Versorgungen regional vernetzen. Unser Ziel ist aber die naturnahe lokale Produktion des Trinkwassers. Denn damit schützen wir nicht nur die Trinkwasserressourcen, sondern leisten generell einen Beitrag für eine intakte Umwelt und fahren günstiger. Häufig wird gesagt, der einzige Rohstoff unseres Landes sei die Bildung. Das stimmt nicht ganz. Wir haben auch noch das Wasser. Ich setze mich dafür ein, dass wir den ersten Rohstoff, unser Wissen, brauchen, um den zweiten, das Wasser, in einer solchen Qualität zu erhalten, dass Mensch und Umwelt auch zukünftig davon profitieren können.

Marco Romano schloss im Jahr 2006 an der Universität Bern sein Studium in Politik- sowie Sozialwissenschaften erfolgreich ab. Von 2004 bis 2016 sass Romano in der Legislative von Mendrisio. Von 2006 bis 2007 war er persönlicher Assistent vom Tessiner Regierungsrat Luigi Pedrazzini. 2007 bis 2012 übte er das Amt als Generalsekretär der CVP Tessin aus und gab nebenbei die Wochenzeitung «Popolo e Libertà» heraus. 2011 wurde Romano in den Nationalrat gewählt und ist Mitglied der Staatspolitischen Kommission.

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