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07. Mai 2019

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Trinkwasserschutz: Die Zeichen der Zeit erkennen

Heute sind zwei Studien über die Auswirkung der Trinkwasserinitiative (TWI) erschienen: zum einen ein Gutachten mit dem Titel «Hintergrund und Tragweite der Trinkwasserinitiative» im Auftrag des Verbandes Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA und des Schweizerischen Fischerei-Verbandes SFV, zum anderen eine Studie der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL zu den Auswirkungen der Trinkwasserinitiative im Auftrag des Schweizer Bauernverbandes SBV.
André Olschewski 

Während das erste Gutachten aus juristischer Sicht darlegt, wie die Trinkwasserinitiative praxistauglich und mit Nutzen für Gewässer und Umwelt umgesetzt werden kann, geht die HAFL-Studie bei ihrer Beurteilung von einer rigiden und wortgetreuen Umsetzung der Initiative aus und untersucht mögliche Auswirkungen auf Ebene Landwirtschaftsbetriebe.

Zur Sicherstellung der nachhaltigen Trinkwasserversorgung ist der verstärkte Schutz der Trinkwasserressourcen zentral und braucht rasch greifbare Lösungen: Für die Wasserversorger wird es immer schwieriger, genügend sauberes und natürliches Trinkwasser zu günstigen Kosten bereitzustellen. Die derzeitigen politischen Vorschläge sind unzureichend: der Aktionsplan zur Risikoreduktion durch Pflanzenschutzmittel ist wenig ambitiös und zu unverbindlich und der Ausblick auf die künftige Agrarpolitik AP22+ verheisst aufgrund des politischen Widerstandes nichts Gutes. Als SVGW haben wir deshalb bekanntlich konkrete und pragmatische Massnahmen für einen indirekten Gegenvorschlag zur TWI und als Alternative zur Strategie des Bundesrates vorgeschlagen.

 

Der Druck steigt und wir brauchen jetzt überzeugende Lösungen. Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen weniger Pestizide in der Umwelt, in Gewässern und insbesondere im Trinkwasser. Der Detailhandel möchte konkrete und schnelle Fortschritte bei der Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Er fordert explizit einen indirekten Gegenvorschlag und ein politisches Angebot, das als Alternative zu den beiden Initiativen geschnürt werden soll. Die kantonalen Umwelt- und Gewässerschutzfachstellen fordern eine verbindliche Reduktion von Stickstoff- und Pestizideinträgen in die Gewässer. Selbst bürgerliche Kreise verlangen explizit eine Reduktion des Pestizideinsatzes oder gar ein Pestizidverbot in der Lebensmittelproduktion (Aargauer Zeitung vom 5. Mai 2019). Die Signale sind deutlich.

Die eidgenössischen Räte haben in den nächsten Wochen und Monaten die Verantwortung, unter kritischer Würdigung  bereits vorliegender und noch kommender Studienresultate die weiteren Schritte zu beschliessen. Als Fachverband und Hüter der Trinkwasserqualität bieten wir auch weiterhin unser Wissen bei der Erarbeitung konkreter Lösungen an, die insbesondere den Schutz der Trinkwasserversorgung vor übermässigen Fremdstoffeinträgen sichern. Schaffen es die parlamentarischen Kommissionen nicht, eine überzeugende Lösung für den wirksamen Trinkwasserschutz zu verabschieden, bleibt die Trinkwasserinitiative die einzige politische Option zur Stärkung des Trinkwasserschutzes.

André Olschewski, Leiter Bereich Wasser

Aktuelle Beiträge zum Thema

Medienmitteilung VSA
Radio SRF: Die Bauernverband fürchtet sich vor der Trinkwasserinitiative: Sie bedeute das Ende der bisherigen Landwirtschaft:

 

NZZ: Agrarfilz, Fake-News und ein brisantes Gutachten
Tagesanzeiger/ Bund: Bauern ignorieren Warnung der Experten 

erwähnte Studien zur Trinkwasserinitiative

Rechtsgutachten von VSA/SFV
HAFL-Studie des SBV

Passend zum Thema (1): In Privatgärten wird zuviel gespritzt

SRF News vom 7.5.2019

Passend zum Thema (1): Pestizide in Schweizer Gärten

SRF Kassensturz vom 7.5.2019

In Schweizer Privatgärten kommen tonnenweise gefährliche Pestizide zum Einsatz. Weitere Themen: Gartencenter im Test und Pflanzen «Suisse Garantie» ohne Schweizer Wurzeln. Ueli Schmezer moderiert die «Kassensturz»-Spezialsendung aus dem Familiengarten Steinhausen im Kanton Zug.

 

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