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28. April 2021

Filmpremiere «60 Jahre rettet das Wasser»

Vom «Wasser retten» zum «Wasser schützen»

Das Verkehrshaus Luzern und die Hans Erni Stiftung waren Gastgeber für die Filmpremiere «60 Jahre rettet das Wasser». Regisseur Roman Hodel hat Stimmen zum Wasser und Gewässerschutz eingefangen, Fruzsina Korondi hat das Thema «Gewässerschutz» subtil künstlerisch neu aufgelegt.
Paul Sicher 

Vom plakativen Totenschädel von Hans Erni zum subtilen Longdrinkglas mit Rettungsring, vom Hilfeschrei «rettet das Wasser» zum subtilen «schützen wir das Wasser», so bringt die Schweizer Jungkünstlerin Fruzsina Korondi die 60 Jahre Gewässerschutz in der Schweiz auf den Punkt. Cool. Zeitgemäss und anregend. Dabei wird das bereits Erreichte ausgedrückt, denn schäumende Gewässer und Müllkippen an Flüssen und Seen sind hierzulande schlicht Geschichte. Der Rettungsring aber, zeigt auch bildlich sehr schön auf, dass wir uns im Gewässerschutz nicht auf den Loorbeeren ausruhen können. Die Gewässerbelastungen sind subtiler und weniger sichtbar geworden. Trinkwasser wird dabei als Teil (Wasserglas im Wasser) eines grösseren Systems dargestellt. Korondi will mit ihrem neu aufgelegten Plakat nicht erschrecken, aber zum Nachdenken anregen. Das ist ihr gelungen.

über 100 virtuelle Gäste

Jürg Meyer, ehemaliger Präsident Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA, begrüsste über 100 online Zugeschaltete zur Filmpremiere im Verkehrshaus Luzern.

Gastgeber Martin Büttikofer blickte zurück, auf die Kundgebung vor 60 Jahren mit Politikprominenz aus Bern. Damals war klar, da waren sich die versammelten Männer einig, es musste was getan werden. Der Künstler Hans Erni hat dann sein berühmtes Totenschädelbild geschaffen, das die Bevölkerung emotional berührte – aber auch Anlass bot für Kritik. Es war zweifelsohne eine Provokation in dieser Zeit, dass ein so direktes Plakat von einem linken Künstler aufgehängt wurde.

Der Gewässerzustand war vor 60 Jahren himmeltraurig im Wasserschloss Schweiz. Reto Wyss, Regierungspräsident des Kantons Luzern, spannte dann den Bogen, was seither alles in Angriff genommen wurde. Die Wissenschaft lieferte die Fakten, die Politik schaffte mit dem Gewässerschutzgesetz die Rahmenbedingungen und es dauerte dann noch 13 Jahre, bis die Abwässer von Luzern beispielsweise nicht einfach in den See geleitet wurden, sondern in einer Kläranlage gereinigt wurden. Prof. Janet Hering, Direktorin Eawag, erläuterte denn auch, dass sich insbesondere in den 50er und 60er Jahren das Umweltbewusstsein der Bevölkerung entwickelte, die Umweltschäden wie schäumende Flüsse oder ausgesprochene Badeverbote in Seen waren für alle sichtbar. Damals waren nur etwa 15% der Haushalte an eine Abwasserreinigung angeschlossen, heute sind es über 90%.

Gewässerschutz als Mehrgenerationaufgabe

Bezüglich dem heutigen Gewässerzustand sieht die Eawag-Direktorin zwei wesentliche Eintragspfade der Verunreinigungen: einerseits die Haushalte, andererseits die Landwirtschaft. Die Verunreinigungen der Haushalte wird mit einem umfangreichen Ausbau der grössten 100 Abwasserreinigungsanlagen bereits umgesetzt und in den nächsten Jahren wohl weitgehend gelöst werden. Schwierig ist die Lösung bei den Pestiziden und Nährstoffen aus der Landwirtschaft. Diese gelangen ohne Reinigung oft direkt ins Grundwasser, also die natürlichen Trinkwasserressourcen. Auch hier gäbe es Lösungsansätze, wie ein präziser Einsatz von Pestiziden, ein reduzierter Einsatz von Pestizide satt Helikoptersprühflüge. Doch ist die Reduktion der Stoffeinträge aus der diffusen Quelle Landwirtschaft schwieriger umzusetzen.

Jürg Meyer zieht im Dankeswort das Fazit, dass der Gewässerschutz eine Aufgabe mehrerer Generationen bleibt. Die Herausforderungen ändern sich, die Aufgabe bleibt.

Der VSA fungierte als Veranstaltungspartner.

Kurzfilm

Filmpremiere
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