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22. November 2021

Projekt Schwammstadt

«Wichtig ist mir, dass wir Silodenken zusammen überwinden und den Blick fürs Ganze schärfen»

Die Umweltingenieurin Silvia Oppliger leitet ab Februar 2022 das VSA-Projekt «Schwammstadt - zum klimaangepassten Wassermanagement im Siedlungsgebiet». Im Interview stellt sie sich vor.
Paul Sicher 

Der VSA will mit seiner strategischen Initiative «Schwammstadt» konkrete Hilfestellungen und Standards erarbeiten, um die Gemeinden und Städte in der klimaangepassten Ausgestaltung der Zukunft zu unterstützen. Für das auf drei Jahre ausgelegte Projekt hat der VSA nicht nur zahlreiche Partner gewonnen, sondern auch eine Stelle als Projektleiter/in «Schwammstadt» ausgeschrieben. Aus zahlreichen Bewerbungen wählte der VSA Silvia Oppliger zur Projektleiterin «Schwammstadt». Sie nimmt ihre Arbeit beim VSA per 1. Februar 2022 auf.

Silvia Oppliger, wie kamen Sie auf die Siedlungswasserwirtschaft?

Wasser fand ich schon immer sehr faszinierend. Im Studium konnte ich mich dann vertieft mit Wasser auseinandersetzen und schrieb schliesslich meine Masterarbeit im Wasserbereich. Auf die Siedlungswasserwirtschaft wurde ich jedoch erst bei der Jobsuche aufmerksam: Die Stelleninserate sprachen mich auf Grund der sehr spannenden Aufgaben sofort an. Seither arbeite ich in der Siedlungswasserwirtschaft und das Thema Wasser hat mich so richtig gepackt!

Sie sind seit 2012 in Ingenieurbüros tätig. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Ich lernte in meinen Tätigkeiten die unglaublich breite Themenvielfalt der Siedlungsentwässerung kennen. Fachlich waren für mich insbesondere die Erfahrungen in der Projektleitung spannend, aber auch die Erarbeitung Genereller Entwässerungspläne (GEP) auf kommunaler oder regionaler Ebene sowie das Aufgleisen strategischer Projekte. In der Beratungstätigkeit bei verschiedenen Gemeinden konnte ich zudem Erfahrungen im Bereich der Baubewilligungspraxis sammeln.

«Es liegt mir viel daran, die relevanten Fachleute der verschiedenen Bereiche frühzeitig ins Boot zu holen.»

Bei meinem letzten Arbeitgeber schätzte ich ausserordentlich den gelebten Wissensaustausch im Büro und über die Standorte und Fachbereiche hinaus. Dieser Austausch ermöglicht letztlich ein vernetztes Denken und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Das war sehr prägend für mich.

Wann sind Sie das erste Mal mit dem VSA in Kontakt gekommen?

Ich lernte den VSA erstmals am Fortbildungskurs 2013 in Emmetten kennen. Ich durfte damals kurzfristig für meinen Chef einspringen und war sodann zur Belustigung meiner Kolleginnen und Kollegen mit «Daniel Baumgartner» angeschrieben.

Ab 2014 hatte ich dann die Gelegenheit, als Autorin an der Erarbeitung der VSA-Richtlinie «Abwasserbewirtschaftung bei Regenwetter» mitzuarbeiten. Später engagierte ich mich als Referentin in der VSA-Ausbildung «Fachperson Grundstücksentwässerung» und «Fachperson Daten der Siedlungsentwässerung».

Welchen Eindruck haben Sie vom VSA gewonnen?

Mit Stefan Hasler nehme ich den VSA als gut aufgestellten und dynamischen Verband wahr. Als Fachperson und «einfaches» CC-Mitglied kann man den VSA und die Branche mitgestalten und aktiv mitbestimmen, auch als junge Ingenieurin bzw. junger Ingenieur. Das finde ich sehr wichtig und gefällt mir gut.

«Gute Praxisbeispiele spielen eine wichtige Rolle»

Nun steigen Sie ab Februar 2022 als Projektleiterin «Schwammstadt» beim VSA ein. Was sind Ihre Beweg- und Motivationsgründe dazu?

Im Zusammenhang mit der Erarbeitung der Richtlinie «Abwasserbewirtschaftung bei Regenwetter» rückten wir die so genannte «Priorität 0» in den Vordergrund: Wie können wir mit dem anfallenden Niederschlagswasser geschickt umgehen, um dessen Abfluss und Belastung möglichst zu vermeiden resp. zu verringern? In diesem Zusammenhang stelle ich in meiner Tätigkeit immer wieder fest, dass es bei der aktuellen Baubewilligungspraxis in den Gemeinden oft viel zu spät ist, um innovative Lösungen im Regenwassermanagement umzusetzen. Es liegt mir viel daran, die relevanten Fachleute der verschiedenen Bereiche frühzeitig ins Boot zu holen. Nur damit werden in der Praxis nachhaltige Lösungen möglich, welche sich sowohl bei Starkregen als auch während Hitzeperioden bewähren und gleichzeitig die Biodiversität fördern. Genau hier setzt das Schwammstadt-Projekt des VSA an.

Was zeichnet Sie aus für die neue Funktion?

Ich gehe gerne auf Leute zu, kann aktiv zuhören und deren Bedürfnisse abholen. Es motiviert mich sehr, verschiedene Fachleute unterschiedlicher Sparten zu vernetzen und sie für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen. Meine Mehrsprachigkeit hilft mir dabei und ermöglichte mir bereits in allen Landesteilen wertvolle Kontakte zu knüpfen. Zudem bringe ich Erfahrung im Bereich Erwachsenenbildung mit.

«Es wird wichtig sein, auf alle Partner zuzugehen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen.»

Haben Sie bereits konkrete Vorstellung, was Sie als erstes anpacken werden?

Kurz nach meinem Start im VSA steht die erste Begleitgruppensitzung an. Hier wird es sehr wichtig sein, auf alle Partner zuzugehen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Zahlreiche Projektideen sind bereits vorhanden. Diese werden wir rasch sichten und erste Prioritäten setzen, sowie das gesamte Projekt detaillierter planen und aufsetzen. Dazu gehört auch, dass wir uns VSA-intern gut koordinieren, u.a. mit der Überarbeitung des GEP-Musterpflichtenhefts. Wichtig ist mir, dass wir auch innerhalb unserer Wasserbranche interdisziplinär denken, kompromissfähig bleiben und allfälliges Silodenken zusammen überwinden, um den Blick fürs Ganze zu schärfen.

Haben Sie sich bestimmte Ziele gesetzt? Was möchten Sie erreichen?

Die Projektskizze gibt bereits einiges vor. Mir ist wichtig, das Projekt zusammen mit allen Beteiligten weiterzuentwickeln und konkret umzusetzen. Als Vision schwebt mir vor, dass wir uns bei der kommunalen Bauplanung in 5 Jahren jeweils gleich zu Beginn die Frage stellen, wie mit dem Niederschlagswasser umzugehen ist. Gute Praxisbeispiele spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese müssen bekannt gemacht werden, auch über die Sprachgrenzen hinweg. Ich möchte den Akteuren aus der gesamten Schweiz als Anlaufstelle für Fragen aus der Praxis zur Verfügung stehen und so mithelfen, eine dynamische Wasser-Plattform zu schaffen. Durch eine gute, interdisziplinäre Zusammenarbeit wird es uns gelingen, der «guten Praxis» des klimaangepassten Wassermanagements in der Schweiz zum Durchbruch zu verhelfen!

Herzlichen Dank und viel Freude und Erfolg in der neuen Funktion.

Steckbrief Silvia Oppliger

Silvia Oppliger ist 1986 geboren, studierte an der EPFL Umweltingenieurswesen- und -wissenschaft und schloss ihr Studium mit dem Masterdiplom ab. Berufsbegleitend hat sie sich die Fachpersonen-Ausbildung «Grundstücksentwässerung» und «Daten der Siedlungsentwässerung» angeeignet. Sie ist seit 2013 bei Hunziker Betatech AG in Bern als Projektleiterin Siedlungsentwässerung tätig. Silvia Oppliger wohnt mit ihrer Familie in Bern. In ihrer Freizeit bastelt und musiziert sie gerne.

VSA-Projekt «Schwammstadt»

Weitere Informationen zum Projekt «Schwammstadt» sind auf der Website verfügbar:
vsa.ch/schwammstadt

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Kommentare (1)

Walter Huber am 30.11 2021 um 10:20

Schwammstadt

Schwammstadt hört sich interessant an, meine Frage: wo sollen die "Schwämme" in den Städten angelegt werden bei immer grösserer Verdichtung? Auf den Dächern oder Fassaden, wo die Photovoltaik auch ihre Ansprüche erhebt. Freundliche Grüsse Walter Huber
Stefan Hasler am 30.11 2021 um 15:14

Wo sollen die "Schwämme" angelegt werden?

Lieber Herr Huber Im Unterschied zu Tokyo werden wir in der Schweiz für das Niederschlagswasser keine "unterirdischen Kathedralen" bauen (s. https://de.wikipedia.org/wiki/G-Cans) Als "Schwamm" soll insb. die natürliche Speicherkapazität des Bodens genutzt werden (Stichwort Entsiegelung bisher undurchlässiger Flächen; vermehrte Versickerung des Niederschlagswassers). Zudem sollen Flachdächer wenn immer möglich begrünt werden, so dass dort ebenfalls ein grosser Teil des Niederschlagswassers zwischengespeichert und durch die Vegetation verdunstet wird. Dass sich Photovoltaik, begrünte Dächer und die Förderung der Biodiversität nicht ausschliessen sondern Synergien aufweisen, können Sie im VSA-Online-Seminar vom 19. Okt. 2021 nachsehen (s. https://www.youtube.com/watch?v=xBy8YZXu0zQ&t=18s) Beste Grüsse, Stefan Hasler Direktor VSA

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