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09. Juli 2018

UMFRAGE

Mehr als zwei Drittel wollen Pestizide verbieten

Wie die Pendlerzeitung «20 Minuten» der TA-Mediengruppe berichtet, würde «eine klare Mehrheit» der von ihr befragten Schweizer Bevölkerung die zwei momentan anstehenden Initiativen, die ein Verbot von Pestiziden in der Landwirtschaft fordern, annehmen. Ein indirekter Gegenvorschlag dürfte vor diesem Hintergrund wieder interessanter werden.

Gleich zwei Initiativen, über die derzeit in der Schweiz debattiert wird, zielen in eine ähnliche Richtung: Die «Trinkwasser-Initiative» verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe von Direktzahlungen profitieren, die keine Pflanzenschutzmittel ausbringen. Und die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will Pflanzenschutzmittel gleich ganz verbieten. Wie eine aktuelle Umfrage der TA-Mediengruppe zeigt, würden nun 68 Prozent der von ihr befragten Schweizer Bevölkerung die «Trinkwasser-Initiative» annehmen, nur 28 Prozent würden sie ablehnen. Ein Verbot synthetischer Pestizide würde laut der Umfrage gar von 72 Prozent der Stimmbürger unterstützt. Auffällig: Mit über 80 Prozent Ja werden die Initiativen bei den Anhängern von SP, GLP und Grünen am klarsten unterstützt. Aber auch bei den bürgerlichen Wählern ist eine deutliche Mehrheit für die Initiative. So sprechen sich bei der «Trinkwasser-Initiative» 60 Prozent der SVP-Wähler für einen radikalen Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik aus.

Nicht überrascht ist Franziska Herren, die Initiantin der «Trinkwasser-Initiative», wie sie gegenüber «Minuten» ausführt: «Egal ob rechts oder links – viele wollen ein Zeichen setzen!» Die Artenvielfalt sei drastisch zurückgegangen, Regenwürmer hätten vielerorts Seltenheitswert. «Das Trinkwasser ist belastet, synthetische Pestizide wie Chloridazon bauen sich kaum ab. Die Nebenwirkungen für Mensch und Tier sind unklar. Das ist ein viel zu grosses Risiko.» So seien in den letzten Jahren zahlreiche Wirkstoffe zurückgezogen worden, weil man gemerkt habe, dass sie gefährlicher sind, als angenommen.
Die Initiative fordere bewusst einen radikalen Kurswechsel. «Wir müssen hohe Forderungen stellen, damit am Ende etwas umgesetzt wird.»

Laut Franziska Herren ist der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundesrates, der den Pestizid-Einsatz verringern will, untauglich, da gleichzeitig die Grenzwerte für gefährliche Pflanzenschutzmittel in den Gewässern erhöht werden sollen. Die Initiative zeige aber bereits Wirkung: «Die Bauern und die Behörden sind aufgescheucht, stehen unter Druck. Einige Bauern drohen bereits, dass sie bei einem Ja zur Trinkwasser-Initiative lieber auf Direktzahlungen verzichten und noch mehr Pestizide spritzen würden.» Das halte sie aber für eine «bedenkliche Drohung», da heute kein einziges Umweltziel der Landwirtschaft erfüllt werde.

Laut Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes, würden wohl einige Betriebe im Gemüse- oder Obstbau zur Sicherung ihrer Ernten weiterhin Pestizide einsetzen, selbst wenn sie auf Direktzahlungen verzichten müssten. Die hohe Zustimmung zu den beiden Initiativen beunruhigt ihn nicht: «Der Wissensstand in der Bevölkerung ist noch tief. Das wird sich im Verlauf der Debatte ändern.» Die Trinkwasser-Initiative klinge zwar gut, aber es gehe nicht nur um das Wasser, da auch sehr weitgehende Vorschriften zu Futter- und Antibiotikaeinsatz enthalten seien.

Landwirt und FDP-Nationalrat Walter Müller sagt, Bauern gingen verantwortungsbewusst mit Spritzmitteln um. «Sparsam ist man schon deshalb, weil Pestizide teuer sind.» Die extremen Initiativen würden die Nahrungsmittelproduktion um Jahrzehnte zurückwerfen. «Die Leute, die jetzt Ja stimmen wollen, suchen beim Grossverteiler nur die schönste Ware aus.» Die Initiativen seien ein Symptom der Wohlstandsgesellschaft, in der es an nichts mangle. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute wieder selbst aufs Feld gehen und Gemüse anbauen wollen, weil eine moderne, produzierende Landwirtschaft nicht mehr möglich ist.»

Der SVGW nimmt die hohe Zustimmung mit grossm Interesse zur Kenntnis. Das belege, dass ein indirekter Gegenvorschlag nach wie vor veritable Chancen habe.

14’851 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 21. und 22. Juni online an der Tamedia-Wahlumfrage teilgenommen. Die Befragung wurde in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten.

 

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