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Fachartikel
17. Juli 2018

Umrüstung

Gasantrieb für Passagierschiff auf dem Luganersee

Verflüssigtes Erdgas wird schon heute in einigen Ländern Europas als Treibstoff für Nutzfahrzeuge und Schiffe eingesetzt. Ein von der Schweizer Gaswirtschaft unterstütztes Projekt sieht deshalb nun vor, ein Kursschiff auf dem Luganersee teilweise umzurüsten – erst einmal als Test während dieses Sommers.
Peter C. Müller 

Es hat schon beachtliche Masse, das Passagierschiff auf dem Lago di Lugano, das demnächst mit dem sogenannten Dual-Fuel-Antrieb unterwegs sein soll: eine Gesamtlänge von über 47 Metern, eine Breite von knapp zehn Metern und eine Passagierkapazität von etwa 300 Personen. Mit seiner Motorleistung von 400 bis 500 Kilowatt erreicht es zudem eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 30 Stundenkilometern.

Nun soll das Passagierschiff auf dem Luganersee diesen Sommer erst einmal versuchsweise und zusammen mit dem entsprechenden Abgasmonitoring auf Flüssigerdgas umgerüstet werden. Auf dem europäischen Markt, so war kürzlich zu erfahren, sei verflüssigtes Erdgas, sogenanntes «Liquified Natural Gas» oder kurz LNG, schon längst als «umweltschonender Treibstoff» anerkannt: Es trage wesentlich dazu bei, dass im Verkehr anfallende Schadstoffe und Emissionen an Treibhausgasen reduziert würden. So komme das verflüssigte Erdgas bereits bei schweren Nutzfahrzeugen zum Einsatz, und auch für Schiffe sei ein sogenannter «Dual-Fuel-Antrieb» durchaus eine Option. Die Europäische Union (EU) treibe deshalb auch den grenzüberschreitenden Ausbau einer Infrastruktur für LNG-Tankstellen voran, denn diese solle mithelfen, die künftigen Klimaschutzziele in Europa rascher zu erreichen. Und auch für die Schweizer Binnenschiffahrt wird LNG als Treibstoff zunehmend interessant, zumal auf dem Rhein die entsprechenden Regularien und Vorschriften für die Betankung von Schiffen, die mit Flüssigerdgas betrieben werden, verabschiedet worden sind. Im Weiteren ist LNG auch auf die Liste möglicher Treibstoffe der Schiffsbauverordnung und deren Ausführungsbestimmungen aufgenommen worden.

Reduktion an Emissionen?

Wie der Gasantrieb nun auch für die nationale Binnenschifffahrt genutzt werden könnte, untersucht derzeit ein von der Schweizer Gaswirtschaft unterstütztes Projekt. Dabei solle aufgezeigt werden, wie Motorschiffe auf den Gasbetrieb umgerüstet werden könnten. «Insbesondere», so erklärte Claudio Gianotti von der Worldenergy SA am Forschungstag der Schweizer Gaswirtschaft in Solothurn, «stehen Fragen im Vordergrund, welche die technische und wirtschaftliche Machbarkeit betreffen. Oder es gilt abzuklären, welche Reduktionen an Emissionen tatsächlich möglich sind.»

Zu diesem Zweck werde ein mit Diesel betriebenes Kursschiff so umgerüstet, dass der Motor testweise auch mit Erdgas laufe. Für eine Umrüstung auf dem Luganersee in Frage kommen laut Claudio Gianotti wahrscheinlich die MV Italia und die MV Lugano. Kriterien, die mit der Navigationsgesellschaft für die Auswahl der Schiffe besprochen wurden, seien unter anderem die Motorart, der Treibstoffverbrauch oder die Konstruktion und Ähnlichkeit dieser zwei Schiffe gewesen.

Alles in der Norm

Die Gasanlage der Testschiffe, so war weiter zu erfahren, bestehe dabei aus normierten Druckgasflaschen in geprüften Gestellen mit Ventilen und Überwachungsgeräten, wahrscheinlich auf dem Dach der Schiffe. Das Ventil des Flaschenbündels sei dann bei einem Gasdruck von 200 bar über Hochdruckschläuche mit einem "Druckreduzierer" verbunden, der vor dem Motor den Gasdruck von 200 auf 2 bar senke. Und die gemäss Normenvorgaben verwendeten Gasarten seien entweder reines Methan oder ein Methan- und Stickstoffgemisch.

Für die Entwicklung des Projektes ist das Unternehmen World Energy SA zusammen mit der Firma Shiptech AG verantwortlich. Das Vorhaben wird zudem zusammen mit der Società Navigazione del Lago di Lugano realisiert.

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