Das Bundesamt für Umwelt hat das Ingenieurbüro BSB + Partner beauftragt, die Erfahrungen aus über 25 Jahren Nitratprojekten zu analysieren, die gemäss Artikel 62a des Gewässerschutzgesetzes durchgeführt wurden. Der Schlussbericht der Studie ist Anfang Juni veröffentlicht worden und fasst die Ergebnisse eines Fragebogens zusammen, der an fast 100 an diesen Projekten beteiligte Akteure verschickt wurde. Der Fragebogeen wurde durch vertiefende Gespräche mit kantonalen Fachleuten ergänzt. Diese Studie soll dazu beitragen, das Programm zum Schutz der Gewässer vor Nitratauswaschung in den Zuströmbereichen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln.
Laut der Studie entstehen Nitratprojekte bevorzugt, wenn zwischen den kantonalen Fachstellen Landwirtschaft, Umwelt und Lebensmittelsicherheit ein gemeinsames Problemverständnis vorhanden ist. Es muss von allen Seiten anerkannt werden, dass der Anforderungswert von 25 mg/l Nitrat gemäss Gewässerschutzverordnung (GSchV) sowohl eine wichtige Warnfunktion für den Schutz der Ressource Trinkwasser erfüllt als auch dem Schutz der Gewässerökologie dient und eine Überdüngung von Grundwasser und Oberflächengewässern verhindert.
Die Sicherstellung der Trinkwasserqualität und Gewässerökologie ist gemäss dem Bericht eine Verbundaufgabe. Für die Erarbeitung von Nitratprojekten bedeute dies, dass nur ein gemeinsames Vorgehen aller Ebenen (Gemeinde, Kanton, Bund) und Beteiligten (Bewirtschaftende, Wasserversorgung, Fachstellen für Lebensmittelsicherheit, Umwelt und Landwirtschaft) zum Erfolg führe. Mit einer engeren Zusammenarbeit und Abstimmung unter den Kantonen könnten Synergien, wo möglich, noch besser genutzt werden.
Das Vorhandensein von zwei Grenzwerten zum Nitratgehalt im Grundwasser gemäss Lebensmittelrecht (TBDV) und Umweltrecht (GSchV), erschwert das Verständnis seitens der Landwirtschaft für den teilweise anspruchsvollen Zielwert von 25 mg/l Nitrat im Grundwasser. Die Zunahme vielfältiger Umweltthemen, welche stark politisch gewichtet werden (z.B. Chlorothalonil, PFAS), bringt kantonale Umweltfachstellen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Nitratproblematik müsse stärker priorisiert werden, damit genügend personelle Ressourcen für die Bezeichnung von Zuströmbereichen und die Initiierung von Nitratprojekten vorhanden sind, so die Studie.
Die Autorinnen und Autoren der Studie sind überzeugt, dass eine laufende, proaktive Projektbegleitung zentral ist, um den Dialog zwischen den Beteiligten zu fördern, auf ihre jeweilige Ausgangslage einzugehen und Massnahmen bei Bedarf anzupassen. Diese Aufgabe ist zeitintensiv, so die Studie. Die Umsetzung eines Nitratprojekts benötigt daher Ausdauer aller involvierten Personen, gute Kommunikation und einen Umgang auf Augenhöhe mit allen Beteiligten. Es sei ebenso zentral, dass dafür ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung stehen.
Je intensiver die Landwirtschaft in einem Projektgebiet und je höher der Änderungsbedarf der landwirtschaftlichen Produktion ist, um die Ziele eines Nitratprojekts zu erreichen, desto anspruchsvoller sei das Erreichen einer freiwilligen Teilnahme der Bewirtschaftenden.
Nicht zuletzt wird in der Studie festgestellt, dass für eine Senkung von Projektabbrüchen ein gutes Verständnis der hydrogeologischen Situation wichtig ist. Mit einer regionalen Wasserversorgungsplanung und Schutzzonenüberprüfung sollten vor Projektstart zudem die verschiedenen Wasserbezugsoptionen und Alternativen für eine belastete Fassung auf regionaler Ebene geprüft werden.
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