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08. Mai 2026

Biomethan aus der Schweiz

Biomethan könnte grossen Teil des zukünftigen Gasbedarfs decken

Durch die intelligente Nutzung von Biomasse könnte die Schweiz einen substanziellen Anteil des eigenen Gasbedarfs selbst decken. Das geht aus einer Studie unter Leitung des Paul Scherrer Instituts hervor. Gasimporte liessen sich so signifikant verringern, die Schweiz würde weniger abhängig vom Weltmarkt.

Das turbulente Weltgeschehen führt derzeit zu heftigen Ausschlägen auf den Energiemärkten. Die gestiegenen Preise für Öl und Gas trüben die Konjunkturaussichten und erhöhen die Inflationsgefahr. Aus diesem Grund hat eine Gruppe von Forschern des Paul Scherrer Instituts (PSI) in einer Studie untersucht, welches Potenzial in Biomasse wie Holz, Klärschlamm oder Grünabfall verborgen liegt, um fossiles Gas zu ersetzen. Die Studie kommt zum Schluss, dass mithilfe von Holzvergasern, Biogasanlagen und ähnlichen Einrichtungen ein substanzieller Anteil des Schweizer Gasbedarfs gedeckt werden könnte. Zwischen einem Viertel und der Hälfte des von den Forschern zukünftig erwarteten Gasverbrauchs könnte die Schweiz selbst produzieren. Der Rest könnte aus europäischen Ländern importiert werden, die mehr Agrar- und Waldfläche zur Verfügung haben und Pflanzen nur zur energetischen Verwertung anbauen können, so die Forscher.

Deutliche Reduktion der Abhängigkeit vom Ausland

«Eine vollständige Autarkie werden wir beim Gas nicht erreichen, aber wir können die heutige extreme Abhängigkeit deutlich reduzieren», schreibt Tilman Schildhauer in der Medienmitteilung des PSI. Laut der Studie wären dafür zwei Schritte notwendig. Erstens müsste generell das Energiesystem stärker auf effiziente elektrische Technologien, wie etwa Wärmepumpen, umgestellt werden. Das reduziert den Gasbedarf bereits deutlich. Und zweitens sollte möglichst viel Biomethan aus Biomasse erzeugt werden. 

Anlagen und Infrastruktur intelligent kombinieren

Um das vorhandene Potenzial nutzen zu können, ist es laut Medienmitteilung nötig, immer das Gesamtsystem im Auge zu behalten und nicht zu kleinteilig zu denken. Gemäss Schildhauer sei es wenig sinnvoll, für die Warmwassererzeugung in einem Wärmenetz transportierbares Holz anstelle von Wärmepumpen zu nutzen, während woanders ein grosser Industriebetrieb das Holz oder das daraus erzeugte Biomethan für Hochtemperaturprozesse benötigt und stattdessen Energieträger importieren muss. 

Wichtig sei dabei, dass die zur Methanerzeugung genutzte Biomasse nicht in Konkurrenz zur Produktion von Nahrungs- oder Futtermitteln steht. Es dürfen nur Stoffströme verwertet werden, die sich auf keine andere Art verwerten lassen. Der technische Reifegrad für die erforderlichen Anlagen ist bereits hoch, ist Schildhauer überzeugt. Schon in den nächsten Jahren könnten einige neue Vergasertypen die Marktreife erlangen und der schrittweise Umbau des Energiesystems würde nach anfänglichen Investitionen dann auch die Preisausschläge bei weltweiten Krisen deutlich abmildern.

Quelle und weitere Informationen

Medienmitteilung des PSI

Studie des PSI

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