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22. Juni 2026

Wassertemperaturen

Unser Trinkwasser wird wärmer

Der Rhein hat sich seit den 70-er Jahren um 3°C erwärmt und die Sommerabflüsse sinken stetig. Dies teilte die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein in einer Medienmitteilung mit. Die öffentliche Trinkwasserversorgung sieht sich zunehmend mit höheren Wassertemperaturen und zeitweiser Wasserknappheit konfrontiert. Aber nicht nur: Betroffen sind ebenfalls die Trinkwasserqualität und die Versorgungssicherheit.

Dier internationale Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) hat am 18.06.2026 ihren Rhein-Bericht 2025 publiziert. Dieser bestätigt: Die Wassertemperaturen im Rhein und in den Alpenseen steigen kontinuierlich an und der Klimawandel manifestiert sich vielschichtig. Laut ABWR zeigt der Bericht nebst steigenden Wassertemperaturen auch zeitweise zu tiefe Sauerstoffgehalte und ökotoxische Zustände, veränderte Abflussdynamiken sowie zahlreiche konstante Schadstofffrachten – von Industriechemikalien über Pharmazeutika wie Antidiabetika, Schmerzmittel und Blutverdünner bis hin zu Pestizidrückständen und Ewigkeitschemikalien.

Werden diese Schadstoffe unverändert auch bei Niedrigwasser eingeleitet, so die ABWR, fällt der Verdünnungseffekt weg und die Schadstoffkonzentrationen schnellen in die Höhe. Derselbe Effekt zeige sich auch im Grundwasser, wo Trockenphasen zu erhöhten Nitrat- und Pestizidkonzentrationen im Trinkwasser führen können.

Zunehmende Erwärmung des Trinkwassers ist ein Fakt mit noch unklaren Folgen

Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und Österreich gilt, dass die Kaltwassertemperatur am Wasserhahn maximal 25°C betragen soll. Dieser Wert könne laut ABWR bereits heute nicht mehr immer und überall eingehalten werden. Interessant sei dabei – dies zeige eine Studie der Wasserversorgung Zürich –, dass nicht die Wassertemperaturen an der Quelle der bestimmende Faktor sind, sondern vielmehr die Bodentemperaturen im jeweiligen Versorgungsnetz. Noch sei unklar, welche Auswirkungen die erhöhten Temperaturen auf die Trinkwasserqualität haben.

Zunehmende Nutzungskonkurrenzen und Vogel-Strauss-Politik

Aus diesen Gründen sieht die ABWR folgende Fragen zukünftig im Zentrum: Wer bekommt Wasser, wenn es knapp wird? Und wie wird die Wasserqualität sichergestellt, wenn Verdünnungseffekte wegfallen, und temperaturbedingt das Keimwachstum steigt?

Die AWBR ist überzeugt, dass Europa noch nicht für den Klimawandel und zunehmende Wasserknappheit gerüstet ist. Je nach Bundesland, Département resp. Kanton werden Gewässer unterschiedlich bewirtschaftet und die Zulassung von Wassernutzungen erfolge teilweise ohne verlässliche Daten- und Entscheidungsgrundlagen. So werden beispielsweise zur landwirtschaftlichen Bewässerung – obgleich mengenmässig relevant – praktisch kaum Kontrollen durchgeführt, ob die Wasserentnahmen im Einklang mit dem Naturhaushalt stehen und genügend für die Trinkwasserversorgung übrigbleibt. Gemäss ABWR dominiere auch in der Politik das Vogel-Strauss-Prinzip, denn beispielsweise in der Schweiz wurden jüngst eine Langzeitstudie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS, die digiFLUX-Nährstoff- und Pestizid-Erfassung sowie die Eindämmung nachweislich umwelttoxischer Stoffe wie Deltamethrin abgelehnt. In Deutschland wurde kürzlich die Stoffstrombilanz abgeschafft, welche die Nitratbelastung hätte eindämmen sollen. Ein Glyphosat-Verbot, eine PFAS-Exit-Strategie, eine proaktive Entschärfung wasserbezogener Nutzungskonflikte sowie wirksame Klimaschutz-Massnahmen scheinen gesamteuropäisch in weiter Ferne. Die Konsequenzen werden künftige Generationen belasten.

Was ist zu tun?

Die beiden Co-Präsidenten der AWBR, Matthias Maier und Roman Wiget kritisieren das aktuelle Vogel-Strauss-Verhalten der Politik und fordern nebst wirksamen Klimaschutz-Massnahmen ein gemeinwohlorientiertes Trockenheits-Wassermanagement, das integral die genannten Aspekte berücksichtigen soll. Für Matthias Maier ist klar: «Um die öffentliche Trinkwasserversorgung sicher, naturnah, resilient, zuverlässig und bezahlbar zu halten, müssen unsere Trinkwasservorkommen besser geschützt und uns Wasserversorgern gegenüber Nutzungskonkurrenzen eine Vorrangstellung eingeräumt werden, insbesondere auch in Trockenphasen.»

Im Interesse der über 10 Millionen von AWBR-Mitgliedswerken versorgten Trinkwasserbezüger und -bezügerinnen fordert Roman Wiget: «Als Wasserversorger tragen wir die Verantwortung für die sichere und jederzeitige Trinkwasserversorgung unserer Bevölkerung und Wirtschaft. Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, benötigen wir zukunftstaugliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.»

Quelle und weitere Informationen

Medienmitteilung der ABWR

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