Plattform für Wasser, Gas und Wärme
News
29. Juli 2026

Blaualgen in Seen

Unsichtbare Treiber der Cyanobakterien-Blüten

Das Auftreten von giftigen Blaualgenteppichen lässt sich heute nur ungefähr vorhersagen. Als wichtigste Indikatoren gelten die Wassertemperatur und der Nährstoffgehalt des Gewässers. Eine kürzlich veröffentlichte Langzeitstudie von Eawag-Forschenden nennt weitere Faktoren: Laut ihrer Analyse hängen Blaualgen-Anhäufungen massgeblich von anderen Planktonarten im See ab. Manche Organismen fördern Blaualgenblüten, andere können sie selbst bei günstigen Umweltbedingungen verhindern.

Wenn sich die als «Blaualgen» bekannten Cyanobakterien schnell in Gewässern ausbreiten, raten Behörden dringend vom Baden ab oder sperren Seeabschnitte, weil das Verschlucken von Wasser zu Durchfall, Erbrechen oder Leberschäden führen kann. Die Vorhersage, wann ein Blaualgenteppiche entstehen wird, ist bisher schwierig. Die bekannten Voraussetzungen sind warme Wassertemperaturen und hohe Nährstoffgehalte. Eine Untersuchung des Plankton-Ökologie-Teams der Forschungsanstalt Eawag hat weitere Faktoren zu Tage gefördert. Wie gut toxische Cyanobakterien wachsen, hängt gemäss der Eawag auch massgeblich davon ab, welche anderen Lebewesen in ihrer Nachbarschaft vorkommen und wie sie mit ihnen interagieren. Besonders grosse Effekte sollen bestimmte Gruppen von Zooplankton und anderen Algen haben. Für die Untersuchung hat die Forschungsgruppe Daten aus dem Greifensee ausgewertet.

Günstige Bedingungen für eine Algenblüte entstehen laut der Studie durch das Zusammenspiel zahlreicher Arten im Ökosystem. Eine Temperatur, die in einem Jahr keine Blüte auslöst, kann unter veränderten biologischen Bedingungen plötzlich zu einem Wachstum führen. Umgekehrt muss nicht jeder warme Sommer in einem nährstoffreichen See zwangsläufig zu einer massenhaften Blaualgenvermehrung führen.

Ansatzpunkt für ein verbessertes Gewässermanagement

Laut den Autoren haben die Ergebnisse auch praktische Bedeutung für das Gewässermanagement. Statt sich auf Temperatur, Phosphor oder Stickstoff zu beschränken, schlagen die Forschenden vor, in Zukunft auch stärker bestimmte Planktongruppen zu beobachten. Zwar sind die Interaktionen zwischen den Arten komplex und standortabhängig, doch die Häufigkeit von Rädertierchen, Wasserflöhen oder Chrysophyten könnte Hinweise darauf liefern, ob sich in einem See eine Cyanobakterienblüte anbahnt.

Kommentar erfassen

Kommentare (0)

e-Paper

«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.

Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.

Die «gazette» gibt es auch als E-Paper. Sämtliche bisher erschienen Ausgaben sind frei zugänglich.