Gelangen Kunststoffmaterialien in die Umwelt, zerfallen sie langsam mit der Zeit durch mechanische Kräfte in immer kleinere Teilchen und werden vom Wind weitertransportiert. Wie viel Mikroplastik auf diesem Weg in der Schweiz wieder auf Böden und Gewässer gelangt, war bisher unklar. Dieser Frage gingen Forscherinnen und Forscher der Empa, der Eawag und von Agroscope nach. Sie erfassten systematisch die Ablagerungen an fünf Standorten über einen Zeitraum von einem Jahr. Laut einem Abschlussbericht der Forschungsgruppe lagern sich auf Gebieten unterhalb von 2000 Metern Höhe in der Schweiz hochgerechnet jedes Jahr rund 219 Tonnen Mikroplastik ab. Laut den Forschern seien dabei die «sensiblen» Flächen besonders relevant: Die Forschenden schätzen, dass jährlich etwa 78 Tonnen auf landwirtschaftliche Flächen und rund 10 Tonnen direkt auf Gewässer niedergehen. Zum Vergleich: Eine parallel durchgeführte Eawag-Studie zu Mikroplastik aus Schweizer Kläranlagen beziffert den Eintrag über gereinigtes Abwasser auf nur rund fünf Tonnen jährlich.
Laut eigenen Angaben fanden die Forschenden am häufigsten Polyethylenterephthalat (PET: 31 Prozent), Polyethylen (PE: 26 Prozent) und Polypropylen (PP: 21 Prozent). Diese Kunststoffpartikel haben verschiedene Quellen: Polyethylen und Polypropylen zählen zu den meistverwendeten Kunststoffen und kommen etwa in Verpackungen, Folien, Behältern und Alltagsprodukten vor. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von PET. Der Kunststoff ist aus Getränkeflaschen bekannt, steckt aber auch in Polyesterfasern von Textilien. Deshalb könnten laut den Forschenden auch Textilfasern massgeblich zur Mikroplastikbelastung in der Atmosphäre beitragen. Aus welchen konkreten Produkten die einzelnen Partikel stammen, lässt sich mit der Studie jedoch nicht bestimmen. Klar abzugrenzen sind zudem Emissionen aus dem Verkehr: Reifenabrieb zählt zwar grundsätzlich ebenfalls zu Mikroplastik, wurde aber aus analytischen Gründen in einer separaten, noch laufenden Studie erfasst.
Gemessen an der Gesamtmasse aller Luftpartikel – darunter Wüstenstaub, Russ- und Verbrennungsrückstände oder biologische Partikel – macht Mikroplastik nur einen kleinen Anteil aus: zwischen 0,02 und 0,12 Prozent. Über grosse Flächen führt die ständige Ablagerung dennoch zu beträchtlichen Mengen, die nicht oder nur sehr langsam abgebaut werden
Jeden Monat sammelte die Forschungsgruppe an den fĂĽnf Standorten in ZĂĽrich, DĂĽbendorf, Magadino, Payerne und auf dem Chaumont im Jura Proben der nassen und trockenen Partikel, die in der Luft von Regen und Schnee eingefangen und ausgewaschen werden, und solche, die sich aufgrund der Schwerkraft absetzen. Analysiert wurden Mikroplastikpartikel mit einem Durchmesser zwischen 20 und 215 Mikrometern. Am urbanen Standort ZĂĽrich fanden die Forschenden im Mittel einen Eintrag von 881 Partikeln pro Quadratmeter und Tag. An den ĂĽbrigen Standorten lagen die Werte mit 249 bis 331 Partikeln deutlich tiefer und relativ nahe beieinander.
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