Direct Air Capture (DAC), CO2 direkt aus der Luft zu entfernen, wird als wichtiger Baustein auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen gesehen. Bisherige Umsetzungen dieser Idee sind komplex, energieintensiv und deswegen teuer. Aus diesem Grund verfolgt die Empa einen neuen Ansatz. Er setzt nicht auf möglichst hohe Speicherkapazität pro Zyklus (Aufnahme und Abgabe von CO2 durch das Filtermaterial), sondern auf Geschwindigkeit. Möglich werden soll dies dank ultradünner Beschichtungen aus Amin-haltigen Materialien. Anders als herkömmliche Filtermaterialien nehmen diese CO2 nicht tief in ihrem Innern auf, sondern binden es direkt an der Oberfläche. Damit lasse sich, so Empa-Forscher Dirk Hegemann, zwar weniger CO2 auf einmal, aber dafür häufiger und schneller aufnehmen und wieder abgeben. Der Vorteil sei, dass beim Freisetzen des CO2 deutlich weniger Material erwärmt werden muss als bei herkömmlichen Adsorbern. Dadurch sinke der Energiebedarf pro abgeschiedenem CO2-Molekül und ein schneller Wechsel zwischen Aufnahme und Freisetzung werde überhaupt erst möglich.
Laut den Empa-Forschenden lässt sich der neue Ansatz mit einem Förderband vergleichen: Eine dünn beschichtete Oberfläche bewegt sich – etwa über rotierende Zylinder – kontinuierlich durch zwei getrennte Bereiche. Auf der einen Seite strömt Umgebungsluft vorbei und CO2 lagert sich an der Oberfläche an. Auf der anderen Seite wird die Beschichtung erwärmt und einem reduzierten Druck ausgesetzt, sodass das CO2 wieder freigesetzt und angereichert werden kann. Danach ist die Oberfläche bereit für die nächste Runde. Ein entscheidender Vorteil, so das Forschungsteam, liegt darin, dass Adsorption und Desorption zwar räumlich getrennt, aber durch das bewegte Material nahtlos miteinander verbunden sind.
Die Idee testeten Forschende an ultradünnen Beschichtungen und führten erste Strömungs- und Prozesssimulationen durch. Laut Empa sind die Forscherinnen und Forscher überzeugt: Eine schnelle Aufnahme von CO2 sei prinzipiell möglich und könnte wirtschaftlich konkurrenzfähig sein. Neben der Geschwindigkeit sieht das Forschungsteam weitere Vorteile im neuen Konzept: Dünn beschichtete Oberflächen benötigen weniger Material und lassen sich einfacher austauschen als heutige hochspezialisierte Adsorbermaterialien. Zudem könnte die rotierende Bewegung des beschichteten Materials selbst dazu beitragen, Luft zu transportieren und damit den Energieaufwand für Ventilatoren zu verringern.
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