Warum ist Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ein zentrales Thema der Wasser-, Gas- und Wärmeversorgung und welche aktuellen Entwicklungen beeinflussen die Anforderungen?
Oliver Giger: Versorgungsbranchen gehören zu den besonders exponierten Gewerben und sind mit vielfältigen, teilweise gefährlichen handwerklichen Tätigkeiten verbunden. Daher ist und bleibt die Arbeitssicherheit ein zentrales Anliegen innerhalb der Versorgungsbranchen. Derzeit gilt es vor allem auch, den erreichten Standard zu halten.
Karsten Reichart: Die Wasser-, Gas- und Wärmebranchen zählen zur kritischen Infrastruktur. Versorgungssicherheit hat deshalb oberste Priorität und es wird eine hohe Verfügbarkeit der Systeme erwartet. Diese Anforderungen wirken sich direkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aus – beispielsweise bei der Organisation des Pikettdienstes. Er muss so organisiert sein, dass einerseits schnell reagiert werden kann, andererseits aber auch die gesetzlichen Vorgaben zu Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden.
Sheela Süess: Wir sind auf den Beizug von Drittfirmen und auch auf den Einsatz von Arbeitskräften von Personalverleihern auf unseren Baustellen angewiesen – eine Situation, die sich mit dem Fachkräftemangel eher noch verstärkt. In diesem Zusammenhang ist es enorm wichtig, dass der Arbeitssicherheit von Beginn an konsequent Rechnung getragen wird und alle auf der Baustelle tätigen Personen korrekt instruiert sind.
Michael Schneiter: Der Fachkräftemangel zeigt sich in einem weiteren Bereich: Es wird immer schwieriger, in den Betrieben qualifizierte Personen zu finden, die sich fachgerecht um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz kümmern können. Diese Herausforderung spüren wir auch auf Verbandsebene deutlich. Wir suchen intensiv nach Fachleuten, die unsere Arbeitsgruppe verstärken könnten. Es ist jedoch immer anspruchsvoller, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, die auch die Zeit hätten, uns zu unterstützen.
Womit befasst sich die SVGW-Arbeitsgruppe S-AG2/ASA-Pool?
M.S.: Vielleicht erst einmal ein paar Worte zu dem umständlichen neuen Namen: Seit der Umbenennung von S-AG2 in S-AG2/ASA-Pool gehören zur Arbeitsgruppe nur noch anerkannte ASA-Spezialisten. Dazu zählen Arbeitsärzte, Arbeitshygieniker, Sicherheitsfachleute und Sicherheitsingenieure sowie Spezialisten und Expertinnen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASGS). Diese Spezialistinnen und Spezialisten bilden den ASA-Pool. SVGW-Mitglieder sowie Versorgungsunternehmen, die sich der überbetrieblichen Branchenlösung «Wasser-, Gas- und Wärmefach» angeschlossen haben, können sich an den ASA-Pool wenden, wenn sie Beratung und Unterstützung bei der betrieblichen Umsetzung der Branchenlösung, bei der Erarbeitung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen benötigen. Dies wurde nun mit dem Namenszusatz «ASA-Pool» deutlich gemacht.
K.R.: Zum ASA-Pool gehören aktuell wir vier. Die Gruppe wird ergänzt durch den Arbeitshygieniker Thomas Eiche und den Arbeitsarzt Steffen Karl Geiger. Die S-AG2/ASA-Pool ist das Kompetenzzentrum fĂĽr Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im SVGW. Wir ĂĽbersetzen regulatorische Anforderungen in praxistaugliche Lösungen fĂĽr die Versorgungsunternehmen und unterstĂĽtzen die Branche bei der Umsetzung. Zudem bildet sie einen Schirm ĂĽber weitere Ad-hoc-Arbeitsgruppen, die je nach Thema und Bedarf zusammengestellt werden.Â
S.S.: In diesen kleinen Arbeitsgruppen sollen Fachleute aus der Branche – nicht unbedingt nur Sicherheitsspezialisten – zusammenkommen, wodurch Praxisnähe und Mitwirkung der Branche gewährleistet werden. Zurzeit sind zwei solche Arbeitsgruppen aktiv, die eine zur Weiterentwicklung der Branchenlösung und die andere zur Überarbeitung und Aktualisierung des Sicherheitshandbuchs. Diese beiden werden Oliver und ich in Co-Leitung führen. Oliver ist Fachmann im Bereich Wasser und ich decke die Bereiche Gas und Fernwärme ab.
K.R.: Eine dritte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Überarbeitung der Ausbildung der Kontaktperson für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (KOPAS-ASGS).
Mit welchen anderen Gremien, Fachbereichen und externen Partnern arbeitet S-AG2/ASA-Pool zusammen?
K.R.: Wir arbeiten eng mit verschiedenen Kommissionen und Arbeitsgruppen des SVGW zusammen, um sicherzustellen, dass Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz systematisch in das SVGW-Regelwerk einfliessen. Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Wasser-Unterkommission W-UK3 zur Frage des sicheren Trennens von Faserzementrohren. Es geht darum, regulatorische Anforderungen und praktische Umsetzbarkeit in Einklang zu bringen.
S.S.: Ein weiteres Beispiel ist die enge Zusammenarbeit mit der Wärme-Unterkommission FW-UK2 zum Aufbau des Moduls «Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz» im Rahmen des Lehrgangs «Fachspezialist/in Thermische Netze». Ziel ist es, die S‑AG2 als zentrale Drehscheibe zu etablieren, über die der Austausch mit anderen Kommissionen und Arbeitsgruppen des SVGW läuft. Auch so wollen wir die gesetzlich geforderte Mitwirkungspflicht der Branche sicherstellen.
O.G.: Zusammenarbeit gibt es zudem auch ausserhalb des SVGW. Da im Sicherheitshandbuch das sichere Arbeiten mit Strom, Gas, Wasser oder Fernwärme beschrieben wird, arbeiten wir mit dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zusammen. Weitere Organisationen sind die SUVA, die Eidgenössische Koordinationskommission fĂĽr Arbeitssicherheit (EKAS), Gebäudeversicherungen, Feuerpolizei und schliesslich der Arbeitsarzt und der Arbeitshygieniker.Â
«Wir suchen intensiv nach Fachleuten, die unsere Arbeitsgruppe verstärken könnten.»
Wie stellen Sie sicher, dass regulatorische Anforderungen, Praxisnähe und Branchenrealität zusammengeführt werden?
S.S.: Ganz wichtig ist, immer wieder vor Ort, das heisst auf die Baustellen zu den Arbeitern, zu gehen und zu schauen, wie sie arbeiten. So kann ich Theorie und Praxis miteinander vergleichen. Wenn etwas ĂĽberhaupt nicht umgesetzt wird, gilt es, die Vorgaben im Sicherheitshandbuch zu hinterfragen und allenfalls anzupassen.
M.S.: Der gesamte ASGS‑Bereich ist sehr komplex. Für viele Betriebe ist es eine grosse Herausforderung, ein funktionierendes Arbeitssicherheitssystem aufzubauen. Deshalb ist es zentral, ihnen aufzuzeigen, dass – und wo – sie sich Unterstützung holen können. Die Spezialistinnen und Spezialisten der Arbeitssicherheit können die Versorgungsunternehmen gezielt begleiten und entlasten. Eine wichtige Anlaufstelle, um solche Fachpersonen zu finden, ist S-AG2/ASA-Pool. Zudem gibt es verschiedene Register, wie das SGAS-Register oder auch das SGAH- respektive SGARM-Register, in denen die verschiedenen ASA-Spezialistinnen und Spezialisten gelistet sind.
Sie wurde bereits angesprochen, die Branchenlösung EKAS Nr. 31. Was ist darunter zu verstehen und was umfasst sie?
K.R.: Die S-AG2/ASA-Pool ist die Trägerschaft der SVGW-Branchenlösung für das Wasser-, Gas- und Wärmefach. Diese stellt den angeschlossenen Versorgungsunternehmen Hilfsmittel für den Aufbau eines ASA-Sicherheitssystems zur Verfügung. Zudem gewährleistet sie den gesetzlich geforderten Beizug von Spezialistinnen und Spezialisten der Arbeitssicherheit und bietet Schulungen, wie den Kurs KOPAS-ASGS, sowie weitere Dienstleistungen an. Zentrale Bestandteile der Branchenlösung sind das Dokument GW15001 sowie die Richtlinie GW2 mit dem Sicherheitshandbuch. In Letzterem sind die branchenspezifischen Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmassnahmen beschrieben. Das Dokument GW15001 ist entlang der 10 Punkte des ASA-Systems der EKAS aufgebaut und spezifisch angepasst an die Bedürfnisse der Gas- und Wasserversorgung. Es besteht aus zwei Teilen: Der zweite Teil, der Leitfaden zur Umsetzung der Branchenlösung, bietet insbesondere konkrete Unterstützung bei der Gefährdungsermittlung und Risikobeurteilung – einem der zentralen Elemente des ASA-10-Punkte-Systems. Für uns ist die laufende Überarbeitung, auch mit Blick auf die Rezertifizierung der Branchenlösung, ein zentraler Schritt. Dabei wird die Wärmeversorgung vollumfänglich integriert, indem sie nun auch ins Dokument GW15001 eingebunden wird. Das Sicherheitshandbuch wurde bereits vor einigen Jahren um einen Teil zu Arbeiten an Fernwärmeanlagen ergänzt. So können wir der Branche dann ein praxistaugliches, rechtssicheres und anschlussfähiges Instrument bereitstellen.
O.G.: Die Branchenlösung ist so strukturiert und einfach gestaltet, dass sie von kleineren und mittleren Versorgern praktisch wie ein Kochbuch angewendet werden kann.
S.S.: In der Branche besteht jedoch teilweise noch ein Wissensdefizit. Einige Versorgungsunternehmen sind sich leider nicht bewusst, dass es nicht ausreicht, einen Sicherheitsbeauftragten zu ernennen, sondern dass auch der ASA-Beizug und die Umsetzung des ASA-Systems vorgeschrieben sind.
M.S.: Bei den Gasnetzbetreibern haben wir diesbezĂĽglich einen wirksamen Hebel: Im Rahmen der Sicherheitsaudits achten wir als TISG gezielt darauf, dass der gesetzlich vorgeschriebene Beizug der ASA-Fachpersonen umgesetzt ist.
Welche Verantwortung übernimmt der SVGW als Träger der Branchenlösung?
K.R.: Der SVGW übernimmt eine doppelte Verantwortung: gegenüber den Mitgliedsbetrieben, indem er eine fachlich fundierte und praxistaugliche Branchenlösung bereitstellt – und gegenüber der EKAS, indem sichergestellt ist, dass die Anforderungen der ASA-Richtlinie eingehalten werden.
S.S.: Mit der Branchenlösung stellen wir sicher, dass die Anforderungen des Obligationenrechts, des Unfallversicherungsgesetzes und des Arbeitsgesetzes erfĂĽllt werden. Diese verlangen, dass alle Massnahmen getroffen werden, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik umsetzbar und den konkreten Verhältnissen angemessen sind. Die Hauptverantwortung fĂĽr die Arbeitssicherheit bleibt – auch beim Einsatz der Branchenlösung – weiterhin beim Arbeitgeber bzw. bei den Vorgesetzten. Sollten jedoch die von uns definierten Massnahmen nicht ausreichend sein, können wir in die Mitverantwortung gezogen werden. Gerade deshalb legen wir bei der aktuellen Ăśberarbeitung der Branchenlösung besonderen Wert auf das Thema Rechtssicherheit.Â
«Es reicht nicht aus, einen Sicherheitsbeauftragten zu ernennen, sondern auch der ASA-Beizug und die Umsetzung des ASA-Systems sind vorgeschrieben.»
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Wo sehen Sie die Chancen und auch die Herausforderungen bei der Umsetzung der Branchenlösung in der Praxis?
O.G.: Häufig ist es eine Frage der Ressourcen – oder vielmehr der fehlenden Ressourcen –, wenn die Vorgaben zu Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und zum ASA-Beizug, insbesondere bei kleineren Versorgern, nicht vollständig umgesetzt werden. In vielen Betrieben fehlt schlicht die Zeit dafür. Gleichzeitig ist oft auch nicht bekannt, dass in ihrem Betrieb überhaupt ein ASA-Beizug erforderlich wäre.
S.S.: Genau deshalb stellt die Branchenlösung des SVGW eine wichtige Chance dar. Betriebe, die sich ihr anschliessen, werden systematisch durch die Gefahrenanalyse gefĂĽhrt. Dadurch Âerkennen sie, wo Handlungsbedarf besteht und in welchen ÂBereichen sie externe UnterstĂĽtzung – durch den ASA-Beizug – in Anspruch nehmen sollten.
M.S.: Zudem ist die SVGW-Branchenlösung die preisgünstigste Variante, um den gesetzlich vorgeschriebenen ASA-Beizug zu gewährleisten. In Rahmen meiner Tätigkeit als Auditor stelle ich recht oft fest, dass Gemeinden bereits einer Branchenlösung für öffentliche und private Organisationen angeschlossen sind – diese deckt zwar zahlreiche Gemeindebereiche ab, nicht aber die spezifischen Bereiche Gas und Wasser. Hier besteht nach wie vor ein erheblicher Bedarf an Aufklärungsarbeit.
K.R.: Mit der SVGW-Lösung liegt ein standardisiertes, branchenspezifisches ASA-System vor. FĂĽr mich ist die Branchenlösung mehr als ein Regelwerk. Sie ist das zentrale Instrument der systematischen Prävention und eine praxistaugliche Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen.Â
Wo sehen Sie Spielräume fĂĽr eine pragmatische WeiterÂentwicklung der Branchenlösung, die die gesetzlichen Anforderungen erfĂĽllt?
O.G.: Wichtig ist uns, dass die Branchenlösung verständlich und möglichst einfach formuliert ist. Darauf achten wir bei der aktuellen Überarbeitung besonders. Unser Ziel ist es, die Branchenlösung so zu gestalten, dass sie ohne spezielle Vorkenntnisse angewendet und umgesetzt werden kann. Zudem vermeiden wir Doppelspurigkeiten, indem wir gezielt auf bestehende SUVA-Merkblätter und -Hilfsmittel verweisen.
M.S.: Die SUVA stellt heute nur noch Hilfsmittel zu allgemeinen Themen, wie Stolpern und Stürze, zur Verfügung. Auf diese stützen wir uns ab und ergänzen diese durch unsere fachspezifischen Gefahren und Massnahmen.
K.R.: Ziel ist es, das Sicherheitshandbuch als integralen Bestandteil des SVGW-Regelwerks zu verankern. Künftig soll in jedem Regelwerksdokument ein klarer Verweis auf das Sicherheitshandbuch enthalten sein – und umgekehrt. Dadurch entsteht ein kohärentes System, das den Betrieben die praktische Anwendung deutlich erleichtert.
S.S.: Ins Zentrum der zurzeit laufenden Überarbeitung der Branchenlösung steht die Gefährdungsermittlung. Diese wurde letztmals vor rund 13 Jahren angepasst und aktualisiert. Seither hat sich im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz viel getan. Das Sicherheitshandbuch mit den Massnahmen zur Risikoreduktion hingegen wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und zudem um den Bereich Fernwärme ergänzt.
Zur SVGW-Branchenlösung gehört dazu, dass Spezialisten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASA-Pool) beigezogen werden. Wie ist dieser Beizug aktuell geregelt?
S.S.: Wir vier sind alle ASA-Spezialistinnen und -Spezialisten und können bei Fragen beigezogen werden. Gleichzeitig gilt auch für uns: Sobald wir an fachliche Grenzen stossen und eine Thematik mit unserem Know-how nicht ausreichend abdecken können, ist ein externer ASA-Beizug zwingend erforderlich – gegebenenfalls auch aus einer branchenfremden Disziplin.
K.R.: Der SVGW arbeitet im Rahmen des ASA-Pools auch mit einem Arbeitsarzt und einem Arbeitshygieniker zusammen. Diese werden bei Bedarf beigezogen, insbesondere bei komplexeren Fragestellungen oder bei der Weiterentwicklung der Branchenlösung. Das ist auch erforderlich fĂĽr die Ende Jahr anstehende Rezertifizierung der Branchenlösung durch die EKAS.Â
Die Umsetzung der Branchenlösung in den einzelnen Betrieben ist ein Dauerthema. Wo schlummern Ihres Erachtens aktuell die grössten Probleme diesbezüglich?
M.S.: Wir haben es bereits mehrfach angesprochen: Einerseits fehlt in vielen Betrieben nach wie vor das Wissen rund um den ASA-Beizug und die Branchenlösung. Andererseits mangelt es an Ressourcen. Die Zeit, die Sicherheitsbeauftragten üblicherweise zur Verfügung steht, reicht bei Weitem nicht aus, um ihre Verantwortung umfassend wahrzunehmen. Zudem verfügen die SiBe teilweise nicht über die erforderlichen Aus- und Weiterbildungen. Und schliesslich braucht es auch eine deutlich stärkere Sensibilisierung der Führungskräfte für die Thematik der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes.
K.R.: In der Praxis sehen wir häufig, dass Betriebe grundsätzlich gewillt sind, Arbeitssicherheit umzusetzen, ihnen jedoch die methodische Struktur fehlt. Genau hier setzt die Branchenlösung an: Sie führt systematisch durch die Gefährdungsermittlung und zeigt auf, wo externe Unterstützung sinnvoll ist.
«Die SVGW-Branchenlösung ist die preisgünstigste Variante, um den gesetzlich vorgeschriebenen ASA-Beizug zu gewährleisten.»
Wie erleben Sie die Umsetzung in Ihrem Betrieb?
O.G.: In der Wasserversorgung ZĂĽrich erreichen wir einen sehr guten Umsetzungsstand. Dennoch ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben und unser Sicherheitssystem laufend aktuell zu halten. Diese ständige Aktualisierung ist mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. Manchmal gehört auch dazu, unbequeme Themen offen anzusprechen. Ich habe das GlĂĽck, dass mir die dafĂĽr notwendige Zeit von der Geschäftsleitung eingeräumt wird. KĂĽnftig planen wir, neben den ISO-Audits, internen Audits und Arbeitsplatzbegehungen auch das ASA-System-Audit des SVGW in Anspruch zu nehmen. Dadurch möchten wir eine neutrale, praxisnahe RĂĽckmeldung zu unserem Sicherheitssystem erhalten.Â
S.S.: Auch bei uns ist die Umsetzung auf einem guten Stand und unser Sicherheitssystem wurde regelmässig aktualisiert. Zum Teil haben wir die Massnahmen des Sicherheitshandbuchs an unseren Betrieb angepasst – bisweilen auch verschärft. Da wir beide – Oliver und ich – ASA-Spezialisten sind, fällt uns die Umsetzung der Branchenlösung nicht allzu schwer. Zudem erhalten wir die dafür nötige Zeit. Für einen SiBe ohne diese Ausbildung ist die Umsetzung wahrscheinlich schwieriger. Daher versuchen wir nun bei der Überarbeitung der Branchenlösung, den Leitfaden möglichst einfach und klar zu schreiben und immer auf den ASA-Beizug hinzuweisen, sobald Grenzen erreicht werden.
Wie könnte die Umsetzung verbessert werden?
S.S.: Extrem hilfreich wäre es, wenn sämtliche Elemente der SVGW-Branchenlösung – einschliesslich des Sicherheitshandbuchs – in digitaler Form zur Verfügung stünden. So könnten sie unkompliziert in betriebsinterne Systeme und Tools integriert werden. Das würde den Aufwand erheblich reduzieren und wertvolle Ressourcen sparen.
Welche Erwartungen haben Sie an die Betriebe und insbesondere an deren Führungskräfte?
S.S.: Führungskräfte müssen sich der Verantwortung, die sie tragen, bewusst sein. Mit der Benennung einer oder eines Sicherheitsbeauftragten ist es keineswegs getan. Die Verantwortung für das Sicherheitssystem und dessen Umsetzung liegt weiterhin beim Arbeitgeber, der SiBe hat nur eine beratende Funktion.
O.G.: Gerade grössere Unternehmen tragen zudem eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Durch konsequente Prävention verfügen sie über einen wesentlichen Hebel zur Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Sie sollten sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden gesund am Abend nach Hause gehen – und gesund das Rentenalter erreichen können.
... und was erwarten Sie vom SVGW?
S.S.: Ich würde mir wünschen, dass das Netzwerk jener Personen, die im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aktiv sind, weiter ausgebaut und gestärkt wird. Ein solches Netzwerk könnte als wichtige Anlaufstelle für fachspezifische Fragestellungen dienen. Darüber hinaus sollten die SVGW-Angebote zur Auditierung beziehungsweise Beratung zum ASA-System stärker bekannt gemacht werden.
O.G.: Insgesamt sollte der SVGW seine Position im Markt stärken. Der Verband darf ruhig selbstbewusster auftreten und klar kommunizieren: «Wir können das und wir machen das!»
Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern zum Thema Arbeitssicherheit abschliessend mitgeben?
S.S.: Aus meiner Sicht ist es wichtig, nicht nur über Arbeitssicherheit zu sprechen, sondern immer den Gesundheitsschutz mitzudenken. Das spiegelt sich inzwischen auch in der Berufsbezeichnung wider: Während früher ausschliesslich Sicherheitsfachleute tätig waren, wurde das Aufgabenfeld deutlich erweitert – entsprechend spricht man heute von ASGS-Spezialistinnen und -Spezialisten. Themen wie Mutterschutz, Ergonomie oder ähnliche sind keine HR-Aufgaben, sondern gehören klar in den Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Ein zweiter Punkt ist mir wichtig: Ein Betrieb sollte nicht erst dann beginnen, sich mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auseinanderzusetzen, wenn bereits ein Unfall passiert ist. Prävention ist nicht nur wirksamer, sondern für den Betrieb auch deutlich kostengünstiger.
O.G.: Die Zahl der Berufsunfälle in der Schweiz liegt deutlich unter jener der Nichtberufsunfälle. Auch wenn der Einfluss der Arbeitgeber auf das Freizeitverhalten der Mitarbeitenden begrenzt ist, spielt die Sensibilisierung eine wichtige Rolle. Betriebliche Gesundheitsmanagementsysteme können hier einen wertvollen Beitrag leisten. Gerade für kleinere Betriebe lohnt sich dieser Ansatz, denn der Ausfall einer einzelnen Arbeitskraft wiegt dort ungleich schwerer.
K.R.: Kurz und knapp: Unser Ziel ist es, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz fest als integralen Bestandteil der Versorgungssicherheit zu verankern.
Die Branchenlösung wird fachlich durch den ASA-Pool des SVGW unterstützt. Ihm gehören derzeit vier Fachpersonen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz an:

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Oben: Sheela Süess, Leiterin Bereich Health, Safety & Crisis (Energie 360°), Expertin Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Oliver Giger, Fachperson Arbeitssicherheit und Spezialist Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (Wasserversorgung Zürich).
Unten: Karsten Reichart, Spezialist Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, und Michael Schneiter, Inspektor TISG und Sicherheitsfachmann (EKAS) (beide SVGW).
Die Arbeitsgruppe S-AG2/ASA-Pool würde sich über Verstärkung freuen. Interessierte können sich bei Karsten Reichart melden: k.reichart@svgw.ch
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