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01. November 2017

Porträt

ARA Herisau

Rund 100 Kläranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufgerüstet. Dank einer zusätzlichen Reinigungsstufe sollen künftig problematische Mikroverunreinigungen eliminiert werden. Aqua & Gas stellt an dieser Stelle jeweils eine ARA vor, die entweder erweitert wird oder sonst mit speziellen Herausforderungen konfrontiert ist. Als schweizweit erste Anlage hat die ARA Herisau vor zwei Jahren die PAK-Stufe nach dem sogenannten «Ulmer Verfahren» in Betrieb genommen.

Die ARA Herisau wurde 1973 in Betrieb genommen. Ihr wird das Schmutzwasser von 95% der Herisauer Bevölkerung zugeleitet. Seit 1995 ist auch die Gemeinde Schwellbrunn an die ARA Herisau angeschlossen. Aufgrund der damals drei ortsansässigen Textilbetriebe wurde die ARA mit zwei hintereinander liegenden Biologiestufen unter Verzicht auf Vorklärbecken nach dem sogenannten «System Attisholz» erstellt. In den Jahren 1990–99 erfolgte in drei Ausbauetappen die Sanierung der ARA und die Anpassung an die damals neuen Anforderungen betreffend Kapazität, Reinigungsleistung und Klärschlammbehandlung.

ARA Herisau heute

Der ARA Herisau werden auch heute noch erhebliche Mengen Textilabwasser zugeleitet. Zudem steht mit der Glatt nur ein schwacher Vorfluter zur Verfügung. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Reinigungsleistung. Das der ARA Herisau zugleitete Abwasser durchläuft folgende Reinigungsstufen: Grobrechen, Öl-/Sandfang, Feinrechen, 1. Biologiestufe, Zwischenklärung, 2. Biologiestufe mit Nitrifikation, Nachklärung, Teilstromrezirkulation zur Denitrifikation, neue PAK-Stufe mit Reaktions- und Sedimentationsbecken, Sandfilter und 2-stufiger Phosphor-Fällung (Simultan in 2. Biologiestufe und vor Filter). Der Überschussschlamm wird auf der ARA
Herisau statisch eingedickt und mechanisch vorentwässert. Die weiteren Verfahrensschritte erfolgen auf der ARA des Abwasserverbandes Altenrhein (Ausfaulung, Entwässerung, Trocknung und Verbrennung in der Zementindustrie).
Die neue PAK-Stufe ist nach dem sogenannten «Ulmer Verfahren» konzipiert und steht seit etwas mehr als zwei Jahren als schweizweit erste derartige Anlage in Betrieb. Sie wurde zur Elimination der Mikroverunreinigungen und von anderweitigen schwerabbaubaren, farbstoffintensiven oder schaumaktiven Substanzen erstellt.
Die Gemeinde Herisau betreut mit seinem Betriebspersonal nebst weiteren eigenen Abwasseranlagen auch weitere Kläranlagen und Pumpstationen der Nachbargemeinden Waldstatt, Urnäsch und Hundwil sowie der Abwasserkorporation Schwägalp im Auftragsverhältnis.

ZukĂĽnftige Ausrichtung

Die intensive verfahrenstechnische Betriebsoptimierung der neuen PAK-Stufe wird demnächst abgeschlossen werden können. Eine nochmalige Verbesserung der Reinigungsleistung wird im kommenden Jahr durch die Inbetriebnahme einer neuen biologischen Vorreinigungsanlage beim Herisauer Textilbetrieb erwartet. Weitere Optimierungsmassnahmen sind beim der ARA vorgelagerten Regenwasserklärbecken (Siebrechen) und der Grobrechenanlage (Sandwäscher) in Planung. Zudem dürften in den kommenden Jahren Themen wie Energieoptimierung/Photovoltaik, Umsetzung GEP (Trennsystem, Fremdwasserabtrennung) und Erhalt der Bausubstanz vermehrt im Vordergrund stehen.

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KENNZAHLEN

Angeschlossene Einwohner:15 200
Ausbaugrösse (in EW): 34 000
Mittlere Belastung (CSB; in EW): 40 000
Abwasseranfall (m3/a): 3,7 Mio.
Klärschlammanfall (t TR/a): 520 (Frischschlamm/entwässert)
Klärgasanfall: keine eigene Faulung
Stromverbrauch (kWh/a): 830 000
Länge Leitungsnetz (km): 66

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