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03. April 2018

Porträt

ARA Morgental

Bereits heute spannen ARA Morgental und ARA Hofen zusammen. Sowohl das Kraftwerk Morgental als auch die gemeinsame Seeleitung, durch die das gereinigte Abwasser beider ARA in den Bodensee fliesst, verbindet sie. In Zukunft wird die Zusammenarbeit noch intensiver: Gemeinsam werden die beiden ARA gegen die Elimination der Mikroverunreinigungen in einer Anlage angehen. Zum Einsatz wird hierfür die Ozonierung mit nachgeschaltetem 1-Schichtsandfilter kommen.

Der Abwasserverband Morgental (AVM) befindet sich im äussersten Nordosten der Schweiz, direkt am Bodensee, dem Trinkwasserreservoir für über vier Millionen Einwohner in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für insgesamt acht Gemeinden der Kantone Thurgau und St. Gallen stellt der AVM die Abwasserreinigung sicher. Die Kläranlage und das Verbandskanalisationsnetz wurden von 1965 bis 1973 realisiert. Das Einzugsgebiet wird hauptsächlich im Mischsystem und zu einem kleineren Teil im Trennsystem entwässert.

ARA Morgental heute

Der AVM betreibt in Steinach eine mechanische Reinigung mit Rechenanlage, Sand-/Fettfang und Vorklärbecken sowie eine 6-strassige Belebtschlammbiologie mit längsdurchströmter Nachklärung. Der ARA-Betrieb ist geprägt durch saisonal stark belastetes Abwasser aus der Speiseölindustrie und einer grossen Mosterei.
Der Frischschlamm wird mit Co-Substraten aus der Industrie (Restdestillate, Fett) vermischt, aufbereitet und mittels Vor- und Nachfaulung stabilisiert. Das gewonnene Klärgas kann anschliessend mit dem Blockheizkraftwerk und den Gasturbinen zu KEV-Strom und Wärme für das Fernwärmenetz verwertet werden. Auf dem gesamten Areal der Kläranlage werden im Energiepark Morgental jährlich 31 GWh erneuerbare Energie – 9 GWh/a Strom und 22 GWh/a Wärme – produziert.
Der entwässerte Schlamm wird auf der Kläranlage Altenrhein getrocknet und im Betonwerk Untervaz verbrannt.
Um den Fluss Steinach von Abwasser zu befreien, fliesst das gereinigte Abwasser der Stadt St. Gallen von der ARA Hofen in Wittenbach seit 2014 durch eine Druckleitung zum Kraftwerk Morgental und dann gemeinsam mit dem gereinigten Abwasser der ARA Morgental über die 1270 m lange Tiefeneinleitung in den Bodensee.

Zukünftige Ausrichtung

Schweizweit einzigartig ist die gemeinsame Elimination der Mikroverunreinigungen der beiden Kläranlagen Hofen und Morgental in einer Anlage. Diese kann kostengünstiger gebaut und effizienter betrieben werden.
Nach den Vorstudien und Abklärungen wurde 2017 entschieden, dass sich die Technologie der Ozonierung mit nachgeschaltetem 1-Schichtsandfilter am besten eignet. Das zu behandelnde Abwasser der beiden ARA wird dabei vermischt und über ein Pumpwerk der 2-strassigen Behandlung zugeführt. Insgesamt können so bis zu 900 l/s Abwasser gereinigt und in den Bodensee eingeleitet werden. Die Realisierung ist von 2019 bis 2021 vorgesehen.

Kennzahlen

Angeschlossene Einwohner: 29 790
Ausbaugrösse: 70 000 EW
Mittlere Belastung: 55 000 CSB in EW
Saisonale Belastung: 100 000 CSB in EW
Abwasseranfall: 5 500 000 m3/a
Klärschlammanfall: 900 t TR/a
Co-Substrate flüssig: 2700 t/a
Klärgasanfall: 1 700 000 Nm3/a
Stromproduktion: 4 400 000 kWh/a
Stromverbrauch: 1 700 000 kWh/a
Wärmeproduktion: 4 800 000 kWh/a
Wärmeverbrauch: 1 200 000 kWh/a
Leitungsnetz Verband: 50 km 
Anzahl Sonderbauwerke (Pumpwerke, Regenbecken etc.): 133

www.morgental.ch

Serie ARA Porträts

Rund 100 Kläranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufgerüstet. Dank einer zusätzlichen Reinigungsstufe sollen künftig problematische Mikroverunreinigungen eliminiert werden. Aqua & Gas stellt monatlich jeweils eine ARA vor, die entweder erweitert wird oder sonst mit speziellen Herausforderungen konfrontiert ist.

 

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