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30. November 2018

Porträt

ARA Hochdorf

Das erste Gewässerschutzgesetz von 1957 führte schweizweit zum Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Seitdem wurde deren Ausbaugrad stetig verbessert. Nun steht für rund 100 ARA, zu denen eigentlich auch die ARA Hochdorf gehört, der nächste Ausbauschritt an: die Aufrüstung für die Elimination von Mikroverunreinigungen. Erst wird aber abgeklärt, ob die ARA Hochdorf weiterhin im Alleinbetrieb geführt wird oder ob es zu einem Zusammenschluss mit anderen Kläranlagen im Rahmen des Projekts «ARA Seetal» kommt.

Auf der ARA Hochdorf wurde die erste Flockungsfiltration der Schweiz entwickelt und realisiert. Gebaut wurde die Abwasserreinigungsanlage in den Jahren 1964 bis 1967 in schwierigen Baugrundverhältnissen, die umfangreiche Pfählungsarbeiten voraussetzten. Die Anlage verfügte über drei Reinigungsstufen: mechanisch, biologisch und chemisch. 1978 wurde die Anlage durch eine vierte Reinigungsstufe ergänzt: die Flockungsfiltration, bestehend aus sechs Mehrschicht-Filterbehältern. Das Verfahren wurde vorgängig von der Eawag in einjähriger Versuchsphase mit einer Pilotfilteranlage auf der ARA Hochdorf entwickelt. Durch den Einsatz der Filtration konnte die Eliminationsrate von Phosphor von ursprünglich 84 auf 97,9% gesteigert werden.

Wachstum macht Ausbau notwendig

Das starke Wachstum der Gemeinden Hochdorf, Hohenrain und Römerswil in den letzten Jahren und die gestiegenen Frachten machten einen Ausbau der ARA dringend notwendig. Die Teilsanierung der Vorreinigung und Filtration sowie die Totalsanierung der Biologie wurde im laufenden Betrieb von 2015 bis 2018 durchgeführt. In zwei Etappen wurde auf den Fundamentplatten der alten Biologie eine dreistrassige Belebtschlammbiologie errichtet. Ausgerüstet mit zwei Bivalentzonen kann so saisonal Kapazität zum Nitrifizieren oder Denitrifizieren bereitgestellt werden. Durch die Nutzung der ursprünglichen Beckentiefe im Baugrund und die Ausbildung der Becken auf etwa 2,5 m über Terrain realisierte man die benötigten Beckenvolumen für Biologie und Nachklärung.

Wärme und Biogas

Aus klimatechnischen und energetischen Gründen wurde während der Sanierung auch entschieden, den Stapelbehälter zu schliessen und das Gas zu verwerten. Die so gewonnene Gasmenge entspricht einem jährlichen Volumen von 240 Ton-nen CO2-Äquivalenten, das so nicht in die Atmosphäre gelangt.
2011 realisierte die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) einen Wärmeverbund mit Abwasserwärmenutzung der ARA, womit die Heizenergie für die Klosterbetriebe Baldegg mit Kantonschule, Dreifachturnhalle, Gärtnerei und ARA sichergestellt wurde. Die Abwärme der Mikrogasturbine (MGT) der ARA kann so kontinuierlich in den Speicher der EBL abgegeben und genutzt werden. Die elektrisch produzierte Energie der MGT wird ins Netz der WWZ gespeist.

Alleinbetrieb oder Zusammenschluss

Die Ara Hochdorf müsste grundsätzlich aufgrund der Ausbaugrösse und des Ab-wasseranteils im Vorfluter eine MV-Elimination erstellen. Mit dem Projekt «ARA Seetal» laufen jedoch Abklärungen für einen längerfristigen Zusammenschluss sämtlicher Kläranlagen im Seetal (Hochdorf, Moosmatten, Hallwilersee und Lenzburg/Wildegg) zu einer zentralen ARA. Damit würden die Seen und Fliessgewässer des Seetals komplett von Abwasser-einleitungen befreit (Ausnahme Regenüberläufe), und beim gesamten Abwasser könnten die Mikroverunreinigungen in einer Anlage eliminiert werden.

Kennzahlen

Angeschlossene Einwohner: 15'500
Ausbaugrösse Biologie: 22'500 EW
Mittlere Belastung: 13'700 EW (CSB)
Abwasseranfall: 1'950'000 m3/a
Klärschlammanfall: 285 t TR/a
Klärgasanfall: 236'000 Nm3/a
Stromverbrauch: 710'000 kWh/a
Stromproduktion MGT: 426'000 kWh/a
Länge Leitungsnetz: 42 km

Serie ARA-Porträts

Rund 100 Kläranlagen in der ganzen Schweiz werden in den kommenden Jahren technisch aufgerüstet. Dank einer zusätzlichen Reinigungsstufe sollen künftig problematische Mikroverunreinigungen eliminiert werden. Aqua & Gas stellt monatlich jeweils eine ARA vor, die entweder erweitert wird oder sonst mit speziellen Herausforderungen konfrontiert ist.

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