Plattform für Wasser, Gas und Wärme
02. Dezember 2020

Prolog

Digitalisierung ersetzt Expertenwissen nicht!

Vielleicht sitzen Sie jetzt notgedrungen zu Hause am Schreibtisch im «Homeoffice» und öffnen die neue Aqua & Gas-Ausgabe auf ihrem Computer. Anders als noch vor 10 Jahren stehen uns diese digitalen Möglichkeiten heute offen und sind schon selbstverständlich geworden, auch wenn wir den persönlichen Austausch vermutlich alle vermissen.

Dank der Digitalisierung können wir im Moment glücklicherweise auch viele Forschungsprojekte weiter betreiben, ohne im Labor vor Ort zu sein. Die Auswertung der Daten nimmt ohnehin einen immer grösseren Teil der Zeit in der Forschung, aber auch in vielen Betrieben wie Umweltlaboren in Anspruch. Mithilfe verbesserter Hard- und Software können immer grössere Datenmengen aufgenommen und automatisiert ausgewertet werden.
In der Umweltanalytik eröffnet neue Instrumentierung, wie die hochauflösende Massenspektrometrie, in Kombination mit neuer Datenauswertung interessante Möglichkeiten. Immer mehr Spurenstoffe, auch solche, die uns bislang unbekannt waren, wie z. B. Pestizidmetaboliten im Grundwasser, können identifiziert werden. Dies ist nun sogar direkt im Feld möglich: Die Probe wird von einer mobilen Einheit automatisiert genommen, aufbereitet, vermessen und ein Abbild der Wasserqualität im Halbstundentakt auf den Computer zu Hause gesendet. Aktuell befindet sich das Verfahren noch im Forschungsstadium, aber in einigen Jahren werden neben dem bestehenden Sensornetzwerk solche Messeinheiten möglicherweise von Kantonen und Wasserversorgern betrieben. Damit kann dann die Wasserqualität immer besser erfasst und den Behörden oder sogar dem Bürger quasi in Echtzeit nach Hause auf den Computer geliefert werden. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden – und das gilt nicht nur für organische Spurenanalytik, sondern z. B. auch für den Nachweis von Mikroorganismen –, dass alle Schritte von der Probenahme bis zur Datenauswertung von Experten geplant und installiert bzw. ausgeführt werden müssen, damit am Ende nicht ein «Datensalat» herauskommt und möglicherweise falsche Schlussfolgerungen gezogen werden. Richtig und zeitnah ausgewertet können die hochaufgelösten Daten jedoch helfen, schneller zu reagieren, beispielsweise bei einer versehentlichen Einleitung in ein Gewässer. Auch kann das Risiko für die Umwelt und den Menschen umfassender bewertet werden.
Die Digitalisierung bekommt zurzeit einen Schub in vielen Lebensbereichen, auch in der Forschung und im Umweltmonitoring. Das schafft neue Möglichkeiten. Zu glauben, damit würde alles ohne Erfahrung und Expertenwissen viel einfacher, wäre aber sicher falsch.

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