Die Römer verstanden den Zusammenhang schon frĂĽh: Eine gute Wasserqualität ist der SchlĂĽssel zum Wohlstand. Ihre Aquädukte, manchmal mehr als 60 km lang, zeugen von ihrer genialen Intuition: Wasser ist nicht nur eine natĂĽrliche Ressource, sondern auch ein gemeinsames Gut, das geschĂĽtzt werden muss. Heute ist das Bild uneinheitlicher. Noch nie hat sich unsere Gesellschaft den Wert des Wassers so bewusst gemacht – und doch war es nie zuvor so stark bedroht. Diffuse Verschmutzungen, Ăśbernutzung des Grundwassers, ungleicher Zugang: Die Ressource Wasser steht ĂĽberall unter Druck. Wasseraufbereitungstechnologien sind erstaunlich leistungsstark, haben jedoch manchmal MĂĽhe, die Folgen von zwei Jahrhunderten industrieller Aktivität zu beseitigen. Angesichts dieses Paradoxons mĂĽssen wir unsere Beziehung zum Wasser mit Klarheit und Verantwortungsbewusstsein neu denken.Â
Die Trinkwasserqualität hängt nicht mehr ausschliesslich von technischen Meisterleistungen ab, sondern von unserer kollektiven Fähigkeit, die natürlichen Lebensräume zu erhalten, die das Wasser hervorbringen. Wasser zu schützen heisst, an die Zukunft zu denken. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir in Zukunft – wie einst die Römer – das knapp und wertvoll gewordene Wasser über Dutzende Kilometer transportieren müssen, um unsere Dörfer und Städte zu versorgen. Wasser zu schützen heisst, Leben zu erhalten. Zu einem Zeitpunkt, wo jeder Tropfen zählt, müssen alle ihren Teil beitragen: die Bürgerinnen und Bürger durch ihr tägliches Handeln, die Landwirtschaft durch eine verantwortungsvolle Bearbeitung des Bodens und einen angemessenen Einsatz von Betriebsmitteln, die Industriebetriebe durch sauberere und kreislauffähige Verfahren und die Gebietskörperschaften durch eine umweltverträgliche Raumplanung. Vergessen wir nicht: Das Wasser, das aus unseren Quellen und Hähnen fliesst, ist seit der Entstehung der Welt vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren dasselbe. Als stiller Zeuge der Zivilisationen knüpft es eine Verbindung zwischen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Generationen.
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