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01. Mai 2026

Prolog

Eine Frage der Sicherheit und der Souveränität

Meine Kindheit war von den Ölkrisen der 1970er-Jahre geprägt: 1973 fuhr ich auf einer Autobahn Roller. Sechs Jahre später erlebte ich die Heizölrationierung im Winter. Aufgrund dieser Krisen sah sich Europa gezwungen, seine Kohlenwasserstoffquellen zu diversifizieren. Sowjetisches Gas wurde in grossem Umfang importiert, obwohl die UdSSR mehr als 40 000 Atomsprengköpfe auf uns richtete. Was für eine hervorragende Idee.

1989 wurde die EDJ, Energie du Jura SA, gegründet – im gleichen Jahr wie GAZPROM – um sowjetisches Gas in den Jura zu transportieren. Das Projekt der Gaspipeline für den Jura wurde mit folgendem Slogan vorgestellt: «Die Sowjetunion ist ein verlässlicher Lieferant.» Dieser Slogan hat sich im Winter 2021-2022 nicht bewahrheitet. Kaum vier Jahr später werden die Importe bereits durch eine neue geopolitische Krise beeinträchtigt. Wie wird die Lösung dieses Mal aussehen? Sollten wir die Russen bitten, die Ventile wieder zu öffnen, die sie im Jahr 2022 geschlossen haben? Oder lieber unter dem Genfersee Fracking betreiben? Oder Biomethan aus der Ukraine oder Georgien importieren? Nein. Wenn wir dauerhaft unabhängig von geopolitischen Bedrohungen bleiben wollen, besteht die einzige Lösung darin, erneuerbares Gas hauptsächlich in der Schweiz zu produzieren.

Die grösste Herausforderung ist dieselbe geblieben: Es wird uns immer wieder mitgeteilt, dass das Schweizer Methangas zu teuer sei im Vergleich zum europäischen Biomethan, das weiterhin mit von den Schweizer Zollbehörden anerkannten Herkunftsnachweisen (HKN) schwierig zu importieren ist. Das ist sicherlich richtig. Aber was ist der Preis für unsere Souveränität? Sind die Waffen unserer Soldatinnen und Soldaten eine lohnende Investition? Diese Frage stellt sich nicht: Sie sind wichtig für unsere Sicherheit, Punkt. Das Gleiche gilt für unsere Energiesicherheit: Wir brauchen in der Schweiz produziertes Gas, Punkt. Da die Preise von den Rahmenbedingungen abhängen, die von der Politik festlegt werden, müssen wir diese so anpassen, dass unser Biogas bis zum Jahr 2050 ungefähr die Hälfte des vorgesehenen Gasbedarfs decken kann. Erhöhen wir die CO2-Steuer und unterstützen wir die Biogasanlagen: Unsere Energieunabhängigkeit ist auch eine Frage der Sicherheit und der Souveränität! Es geht nicht nur um die Energiewende.

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