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02. September 2026

Prolog

Infrastruktur mit vielen Herausforderungen

1995 wurde ich bei AIL Leiter Betrieb und Instandhaltung Trinkwasserversorgung. Damals übernahm ich ein gut konzipiertes und umgesetztes Wasserversorgungsnetz, das in erster Linie regelmässige Unterhalts- und Instandhaltungsarbeiten erforderte. Der Bedarf an grösseren infrastrukturellen Weiterentwicklungen war zu diesem Zeitpunkt gering. Rund zehn Jahre später änderte sich die Situation jedoch grundlegend.

‌Mit der Entstehung des sogenannten «Nuova Lugano» begann eine Phase tiefgreifender Veränderungen: 2004 schlossen sich mehrere Gemeinden der Stadt Lugano an, weitere Fusionen folgten 2008 und 2013. Innerhalb von nur etwa zehn Jahren verdoppelte sich die Zahl der durch das Wasserversorgungsnetz versorgten Einwohner nahezu von knapp 35000 auf rund 75‌000. Dadurch entstanden neue Herausforderungen für Planung, Ausbau und Betrieb der Wasserversorgung. Es galt die Verteilnetze, die in unterschiedlichen kommunalen Kontexten entstanden waren, zu integrieren. Die dabei angewandten Vorgehensweisen werden in dieser Ausgabe angesprochen. Abgesehen von der sorgfältigen Planung der Massnahmen waren spannende Momente die Integration der verschiedenen Druckzonen und die Druckerhöhung in einigen Netzen, die oft Leckagen nach sich zogen. Man kann sich die Begeisterung unserer Wassermeister vorstellen: Fast immer, wenn eine neue Verbindung zwischen zwei Bereichen in Betrieb genommen wurde, bedeutete es für sie intensiver Such- und Reparaturarbeiten, um die unvermeidbaren Leckagen zu beseitigen. Aktuell gilt es nun, neue Reservoire mit grösserer Kapazität zu bauen und die Seewasseraufbereitungsanlage zu modernisieren– Infrastrukturen, die für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit zentral sind.

Darüber hinaus standen wir vor weiteren Herausforderungen, insbesondere bei der Einführung und Erlangung der Zertifizierung nach ISO 22000 im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Dieser Schritt führte nicht nur zur Formalisierung bereits etablierter Prozesse und Arbeitsweisen, sondern ermöglichte auch die systematische Integration der Risikoanalyse und des HACCP-Konzepts für Trinkwasser in ein Managementsystem. Als besonders wertvoll erwiesen sich dabei die Gespräche mit externen Auditoren. Sie brachten neue Impulse, hinterfragten bestehende Ansätze und eröffneten zusätzliche Perspektiven für die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Prozesse. In dieser Ausgabe finden Sie zudem zwei Beiträge über Trinkwasserkontaktmaterialien – ein Thema, dem die Norm ISO 22‍000 besondere Aufmerksamkeit widmet.

Künftig werden sich die Herausforderungen zunehmend um Digitalisierung und innovative Technologien zur Unterstützung des Betriebs drehen. Dadurch können Wasserversorgungsunternehmen den steigenden Anforderungen an Versorgungssicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit noch besser gerecht werden.

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