Dichtheits- und Festigkeitsprüfungen sind ein zentrales Element der Qualitätssicherung beim Bau und bei wesentlichen Änderungen von Fernwärme-, Fernkälte- und Anergienetzen. Sie dienen dem Nachweis, dass Rohrleitungen und Komponenten vor der Inbetriebnahme den mechanischen und betrieblichen Anforderungen entsprechen. Mit der Richtlinie F5 hat der SVGW hierfür 2022 erstmals einen einheitlichen, materialübergreifenden Branchenstandard geschaffen.
Seit ihrer Veröffentlichung wurde die Richtlinie F5 in zahlreichen Projekten angewendet. Einige Netzbetreiber erklärten sie bereits zum Standardverfahren. Aus der Praxis gingen verschiedene Rückmeldungen zur Richtlinie ein, diese betrafen insbesondere die Verständlichkeit einzelner Abschnitte sowie die Struktur des Dokuments.
Eine Arbeitsgruppe hat diese Rückmeldungen aufgenommen und eine Überarbeitung der F5 initiiert. Dabei zeigte sich, dass sich die definierten Prüfverfahren in der Praxis bewährt haben. So wurde eine ursprünglich diskutierte inhaltliche Anpassung einzelner Prüfverfahren nach eingehender fachlicherAnalyse verworfen. Die Prüfverfahren blieben unverändert bestehen.
Die Revision der F5 war in erster Linie redaktioneller Natur. Es galt, die Lesbarkeit und Anwenderfreundlichkeit zu verbessern sowie einzelne formale Unschärfen zu bereinigen.
Zu den wesentlichen Anpassungen gehörten:
Inhaltlich blieb die Richtlinie stabil. Es wurden keine grundlegenden Änderungen an den Prüfverfahren vorgenommen.
Die Richtlinie F5 bietet je nach Situation geeignete Prüfverfahren an. Neben einer umfangreichen kombinierten Dichtheits- und Festigkeitsprüfung sind auch Verfahren zur getrennten Bewertung von Dichtheit und Festigkeit beschrieben sowie Verfahren bei Einbindungen und Reparaturen.
Eine getrennte Bewertung von Dichtheit und Festigkeit wird bevorzugt beim Bau in Etappen angewendet und bietet eine gewisse Flexibilität. Dennoch ist bei der Verfahrensauswahl die Priorität auf die kombinierte Dichtheits- und Festigkeitsprüfung gelegt (z. B. Normalverfahren nach Fig. 1), da hier alle in der Prüfung integrierten Leitungen und Bauteile messtechnisch erfasst und als Gesamtsystem bewertet werden können.
Der SVGW empfiehlt, künftig nur noch mit der revidierten Ausgabe der F5 (November 2025) zu arbeiten. Ziel ist es, innerhalb der Branche einen einheitlichen Wissens- und Dokumentationsstand sicherzustellen.
Bezüger der F5-Ausgabe 2022 müssen die Richtlinie nicht erneut erwerben. Sie können die aktuelle Version im SVGW-Regelwerkshop mit dem bestehenden Login herunterladen.
Zur Unterstützung der praktischen Anwendung bietet der SVGW im Jahr 2026 erneut den Kurs «F5 – Dichtheits- und Festigkeitsprüfungen an thermischen Netzen» an. Der Kurs ist integraler Bestandteil der Ausbildung «Fachspezialist Thermische Netze» und kann auch als eigenständiges Modul absolviert werden.
Die Schulung richtet sich an Mitarbeitende von Versorgungsunternehmen, Netzbetreibern, Planungsbüros sowie ausführenden Unternehmen. Kursziel ist, die Anforderungen der Richtlinie nicht nur theoretisch zu kennen, sondern sie methodisch korrekt und sicher in die Praxis umzusetzen. Der Kurs vermittelt zunächst die Systematik der Richtlinie F5 und ordnet sie in das bestehende Regelwerk für thermische Netze ein. Dabei wird deutlich gemacht, dass die Druckprüfung kein formaler Projektschritt am Bauende ist, sondern das Resultat einer durchgängigen Wirkungskette aus Planung, Ausführung und korrekter Durchführung (Fig. 2 und 3).
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Arbeitssicherheit. Da Festigkeitsprüfungen mit sehr hohen Drücken durchgeführt werden, steht die Sicherheit der Mitarbeitenden an erster Stelle. Behandelt werden die physikalischen Grundlagen, der Unterschied zwischen Luft und Wasser als Prüfmedium, der kontrollierte Druckaufbau sowie die Sicherung von Leitungsenden und temporären Bauteilen. Die Kursteilnehmenden lernen, Gefährdungspotenziale klar zu erkennen und systematisch zu beherrschen.
Im Theorieteil wird die Ermittlung der Prüfdrucke unter Berücksichtigung von Material, Nenndruckstufe und geodätischen Höhenunterschieden aufgezeigt (Fig. 2). Auch das materialabhängige Verhalten von Kunststoffleitungen sowie die Anforderungen an Anschlussmaterial, Schläuche und Messgeräte werden praxisnah erläutert (Fig. 3). Ebenso wird auf das korrekte Füllen, Spülen, Entlüften und die notwendige Temperaturstabilisierung eingegangen, da diese massgeblichen Einfluss auf die Aussagekraft der Prüfung haben. Damit die Teilnehmenden auch in der Theorie einen direkten Praxisbezug bekommen, steht ein konkretes Praxisbeispiel aus einer Bauetappe der Eniwa AG in Aarau im Zentrum. Anhand dieses Projekts wird eine Druckprüfung von der Projektierung bis zur Durchführung durchgespielt – inklusive Festlegung des Systemprüfdrucks, organisatorischer Vorbereitung, Dokumentation und Ablaufs auf der Baustelle.
Ergänzend werden praktische Übungen durchgeführt, bei denen die Teilnehmenden den Ablauf einer Druckprüfung realitätsnah nachvollziehen (Fig. 4 und 5).
Die Schulung vermittelt damit nicht nur Regelwerkskenntnisse, sondern stärkt das Verständnis für Sicherheit, Planung und Qualitätssicherung bei Dichtheits- und Festigkeitsprüfungen in thermischen Netzen.
Mit der revidierten Ausgabe der Richtlinie F5 wird kein neuer technischer Ansatz eingeführt, sondern es werden die bisherigen Verfahren bestätigt. Die Überarbeitung stärkt die Klarheit, Nachvollziehbarkeit und praktische Anwendbarkeit der Vorgaben.
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Wer bereits die Ausgabe 2022 der F5 bezogen hat, kann die revidierte Version mit seinem Login erneut herunterladen – kostenfrei. Die neue F5 ist verfügbar im SVGW-Shop. |
Datum: 18./19. Juni 2026
Ort: BKE, Effretikon
Dichtheits- und Festigkeitsprüfungen sind entscheidend für die Qualitätssicherung von Fernwärme-, Fernkälte- und Anergienetzen. Diese Netze sind langfristig im Einsatz und müssen teilweise hohen Temperaturen wie auch Drücken standhalten. Daher sind umfassende Prüfungen unverzichtbar, um Betriebssicherheit und Schadensfreiheit zu gewährleisten. Doch wie und wann setzt man die Prüfverfahren korrekt ein? Welche Methoden passen zu Material, Baustellenfortschritt und Bauplatz? Der SVGW F5-Richtlinienkurs liefert Antworten.
Der Kurs richtet sich
Die Richtlinie SVGW F5 ist im Kursgeld inbegriffen.
Darüber hinaus wird den Teilnehmenden ein File mit Unterrichtspräsentationen sowie ein Fotoprotokoll des Kurses zur Verfügung gestellt.
«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.
Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.
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