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Fachartikel
08. Juni 2026

Methanemissionen

Detektion und Quantifizierung mit Drohnen und Co.

Die Detektion und Quantifizierung von Methanemissionen in Gas- und Versorgungsnetzen ist für Betriebssicherheit und regulatorische Compliance zentral. Moderne Messsysteme erfassen sämtliche Leckagen und unterstützen Typ-Inspektionen und Reporting-Anforderungen. Der Beitrag diskutiert Einsatzszenarien und methodische Grundlagen.
Sanket Bhatia 

Methan gehört zu den klimaschädlichsten Treibhausgasen. In Gasversorgungsnetzen können Leitungsschäden, Ventilfehler oder Dichtungsprobleme zu Methanemissionen führen. Während frühere Inspektionsmethoden vorwiegend qualitativ orientiert waren, verlangen aktuelle Rahmenwerke wie OGMP (Oil and Gas Methane Partnership) 2.0 und die EU-Methan-Verordnung (EUMVO) eine detaillierte Ermittlung von Emissionsmengen zur Plausibilisierung von Emissionsberichten. So sind bei der EUMVO zwischen Typ 1-Inspektionen (qualitative Suche) und Typ 2-Inspektionen (quantitative Bewertung) zu unterscheiden.

Das Ziel dieses Fachberichts ist es, Verfahren und Technologien vorzustellen, die sowohl Lecksuche als auch Quantifizierung von Methanemissionen ermöglichen und gleichzeitig regulatorische Anforderungen unterstützen.

Regulatorische Rahmenbedingungen
OGMP 2.0

Das OGMP 2.0 fordert eine steigende Detailltiefe bei der Dokumentation und Validierung von Methanemissionen. Zu den wesentlichen Elementen gehören folgende Punkte:

  • periodische Inspektionen des Netzes mit Nachweis von Screening- und Follow-Up-Aktivitäten
  • Klassifizierung von Emissionsquellen und quantitative Abschätzungen
  • externe Verifizierung der Meldungen nach standardisierten Protokollen

EU-Methan-Verordnung (EUMVO)

Die EUMVO legt Folgendes fest:

  • regelmässige qualitative Lecksuche im Verteilnetz (z. B. SichtprĂĽfung, Screening)
  • quantitative Messungen bei erkannten Emissionen zur Erstellung von Mengenschätzungen
  • Schwellenwerte zur Bewertung der Schwere von Emissionen
  • detaillierte Dokumentation der Messverfahren und Ergebnisse zur Einhaltung der Meldepflichten

 

Insbesondere unterscheidet die EUMVO zwischen Typ 1- und Typ 2-Inspektionen. Typ 1 lokalisiert potenzielle Leckagen, während Typ 2 die Leckrate für die Emissionsberichterstattung quantifiziert.

Optische Methanerfassung aus der Luft

Die luftgestützte optische Methanmessung (Fig. 1) nutzt hyperspektrale Kameras bzw. Schnüffelgeräte, die mittels Tunable Diode Laser Absorption Spectroscopy (TDLAS) funktionieren. Dabei werden Methan-Absorptionssignaturen über grossflächige Gebiete erfasst. Durch Überlagerung spektraler bzw. Konzentrationsdaten mit geografischen Informationen lassen sich Emissionsquellen über Verteil- und Transportnetze flächendeckend identifizieren.

Auch können dadurch Methankonzentrationen in der Atmosphäre quantifiziert werden, wodurch Leckraten mittels Dispersionsmodellen abgeschätzt werden.

Fallbeispiel

Während einer Feldkampagne wurde eine Verdichterstation beflogen. Durch atmosphärische Korrektur der Methankonzentrationsdaten – insbesondere unter Einbeziehung von Windmessungen – konnten Emissions-Hotspots lokalisiert werden (Fig. 2). Dabei zeigte sich, dass selbst geringe Emissionsquellen erfasst wurden, die bei früheren konventionellen Inspektionen nicht identifiziert worden waren.

Vorteile
  • grossflächige Abdeckung in kurzer Zeit
  • objektive, messbare Daten fĂĽr quantitative Bewertung

Einsatzszenarien
  • periodische Netzwerk-ĂśberflĂĽge zur Identifikation bisher unbekannter Leckagen
  • Validierung von Modellannahmen zur Leckverteilung

Tragbare Methanmessung im Feld

Tragbare, optisch basierte Sensoren ermöglichen dem Feldpersonal, Leckagen direkt vor Ort zu identifizieren (Fig. 3). Die Geräte arbeiten nach dem TDLAS-Prinzip und erfassen Methankonzentrationen in der Umgebungsluft.

Anwendungsbereiche
  • Routineinspektionen entlang von Leitungen und Komponenten
  • Verifikation von Lecks, die durch andere Verfahren lokalisiert wurden
  • ergänzende Daten zur Bewertung der Leckschwere in der Nähe von Komponenten

Merkmale
  • direkte Konzentrationsmessung (ppm; parts per million) in Echtzeit
  • robuste Bauform fĂĽr den täglichen Einsatz
  • Integration mit digitalen Protokollierungsworkflows
Stationäre Methanüberwachung

Eine stationäre Sensorik ergänzt mobile und punktuelle Messverfahren durch kontinuierliche Datenerfassung an kritischen Punkten im Netz (Fig. 4). Durch integrierte Softwarelösungen ist Folgendes möglich:

  • Erstellen von Zeitreihen von Konzentrationsmessungen
  • Alarmauslösung bei Ăśberschreiten definierter Grenzwerte
  • Generation von Basisdaten fĂĽr statistische Auswertungen und Trendanalysen
  • Lokalisierung und Quantifizierung gemessener Emissionen mittels Windmessung und Winddispersionsmodellen

Nutzen in betrieblichen Abläufen
  • sofortige Erkennung von plötzlichen Konzentrationsanstiegen
  • langfristige Beobachtung von Emissionsentwicklung und Saisonalität
  • Datengrundlage fĂĽr Typ-2-Inspektionen zur quantitativen Bewertung

High Flow Sampling und Quantifizierung

Für eine genaue Quantifizierung der Leckrate ist das High Flow Sampling ein etabliertes Standardverfahren. Es kann flexibel sowohl bei kleineren Anlagen (Fig. 5) als auch bei grösseren Industrieanlagen wie Gasdruckregelanlagen (Fig. 6) eingesetzt werden. Dabei wird ein kontrollierter Luftstrom durch eine Leckquelle geführt, um die darin enthaltene Methanmasse mittels Gasanalysatoren zu vermessen.

Methodik
  • Positionierung: Die DĂĽse des Samplers wird ĂĽber der Leckquelle fixiert.
  • Ansaugung: Ein definierter Luftvolumenstrom wird durch die DĂĽse gesaugt.
  • Analyse: Kontinuierliche Messung der Methankonzentration im angesaugten Gas.
  • Berechnung: Aus Volumenstrom und Konzentrationswerten wird die Emissionsrate berechnet.


In der Praxis erweisen sich die bei der Quantifizierung gemessenen Werte als repräsentativ, wenn vor der Messung ein stabiler Zustand abgewartet wird. Besonders zu berücksichtigen ist, dass sich Methan in Toträumen ansammelt und dadurch anfänglich deutlich erhöhte Konzentrationen verursacht werden können. Eine Quantifizierung sollte daher erst nach Erreichen eines stabilen Messwerts erfolgen (Fig. 7).

Fallbeispiel Quantifizierung 1: Kugelventil

In einem Feldversuch wurde eine Leckstelle eines Kugelventils mit dem High Flow Sampler untersucht (Fig. 5). Durch kontinuierliche Messung über 30 Minuten ergab sich eine mittlere Leckrate von 1,8 kg/h. Diese quantitative Aussage ermöglichte die Einordnung der Leckage in die regulatorischen Meldekategorien und unterstützte das Management bei Entscheidungsprozessen zur Prioritätensetzung bei der Instandsetzung.

Fallbeispiel Quantifizierung 2: Gasdruckregelanlage (GDRA)

In einem kontrollierten Versuch wurde im Inneren des eingehausten GDRA-Gebäudes eine künstliche Methanemission mit einer Soll-Konzentration von 500 ppm erzeugt. Die Messung der Emissionen im Absaugluftstrom der Einhausung ergab Methankonzentrationen, die deutlich unterhalb der im Rauminneren vorliegenden Konzentration lagen. So zeigte das Referenzmessgerät in der Raummitte 500 ppm an, während zu Beginn der Messung im Absaugluftstrom lediglich 145,34 ppm erfasst wurden (Fig. 8).

Dieser Unterschied ist auf eine Vermischung der methanhaltigen Raumluft mit einströmender Umgebungsluft unterhalb der Einhausungsplane zurückzuführen. Infolgedessen wird die tatsächliche Methankonzentration im Anlagenraum durch die Absaugung nicht vollständig erfasst. Dennoch traten deutliche Abweichungen gegenüber der Referenzmessung auf: Die im Absaugluftstrom gemessenen Konzentrationen lagen zu Beginn etwa 71% und am Ende etwa 77% unterhalb der Referenzwerte im Rauminneren. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die im Absaugluftstrom erfassten Methankonzentrationen die tatsächliche Konzentration im Anlagenraum nur eingeschränkt repräsentieren. In der Praxis soll dieser «Verdünnungseffekt» kompensiert werden. Dies verdeutlicht, weshalb eine reale Quantifizierungsmessung essenziell ist und reine Konzentrationsmessungen allein nicht ausreichen.

Diskussion

Die Kombination verschiedener Messtechnologien – von luftgestützter Methankonzentrationserfassung über tragbare Sensorik bis hin zu stationärer Überwachung und High Flow Sampling – schafft ein robustes Rahmenwerk zur Erfassung und Quantifizierung von Methanemissionen. Besonders wichtig ist die Ergänzung qualitativer Lokalisierung durch quantitative Mengenermittlung, um den Anforderungen aktueller Regulierungsrahmen wie OGMP 2.0 und EUMVO gerecht zu werden. Regulatorische Vorgaben verlangen nicht nur die Erkennung von Emissionen, sondern valide, nachvollziehbare Zahlen zur Emissionsstärke. Die beschriebenen Verfahren liefern folgende Daten:

  • reproduzierbare Messdaten
  • Grundlagen fĂĽr Typ-2-Inspektionen und detaillierte Reports
  • Entscheidungsgrundlagen fĂĽr Instandhaltungs- und Minderungsmassnahmen
Schlussfolgerungen
  • Modernste Messsysteme ermöglichen eine detaillierte Identifikation und Quantifizierung von Methanemissionen in Verteilnetzen.
  • Die Kombination geometrisch unterschiedlicher Verfahren schafft ein mehrstufiges Inspektions- und Quantifizierungssystem.
  • Quantitative Ergebnisse sind notwendig, um aktuelle regulatorische Anforderungen zu erfĂĽllen und Emissionsberichte valide zu untermauern.
  • Methodische Transparenz, standardisierte Protokolle und Datenintegration sind SchlĂĽssel zur erfolgreichen Umsetzung.

 

Stationäre Methanüberwachung

Eine stationäre Sensorik ergänzt mobile und punktuelle Messverfahren durch kontinuierliche Datenerfassung an kritischen Punkten im Netz (Fig. 4). Durch integrierte Softwarelösungen ist Folgendes möglich:

  • Erstellen von Zeitreihen von Konzentrationsmessungen
  • Alarmauslösung bei Ăśberschreiten definierter Grenzwerte
  • Generation von Basisdaten fĂĽr statistische Auswertungen und Trendanalysen
  • Lokalisierung und Quantifizierung gemessener Emissionen mittels Windmessung und Winddispersionsmodellen

Nutzen in betrieblichen Abläufen
  • sofortige Erkennung von plötzlichen Konzentrationsanstiegen
  • langfristige Beobachtung von Emissionsentwicklung und Saisonalität
  • Datengrundlage fĂĽr Typ-2-Inspektionen zur quantitativen Bewertung

High Flow Sampling und Quantifizierung

Für eine genaue Quantifizierung der Leckrate ist das High Flow Sampling ein etabliertes Standardverfahren. Es kann flexibel sowohl bei kleineren Anlagen (Fig. 5) als auch bei grösseren Industrieanlagen wie Gasdruckregelanlagen (Fig. 6) eingesetzt werden. Dabei wird ein kontrollierter Luftstrom durch eine Leckquelle geführt, um die darin enthaltene Methanmasse mittels Gasanalysatoren zu vermessen.

Methodik
  • Positionierung: Die DĂĽse des Samplers wird ĂĽber der Leckquelle fixiert.
  • Ansaugung: Ein definierter Luftvolumenstrom wird durch die DĂĽse gesaugt.
  • Analyse: Kontinuierliche Messung der Methankonzentration im angesaugten Gas.
  • Berechnung: Aus Volumenstrom und Konzentrationswerten wird die Emissionsrate berechnet.


In der Praxis erweisen sich die bei der Quantifizierung gemessenen Werte als repräsentativ, wenn vor der Messung ein stabiler Zustand abgewartet wird. Besonders zu berücksichtigen ist, dass sich Methan in Toträumen ansammelt und dadurch anfänglich deutlich erhöhte Konzentrationen verursacht werden können. Eine Quantifizierung sollte daher erst nach Erreichen eines stabilen Messwerts erfolgen (Fig. 7).

Fallbeispiel Quantifizierung 1: Kugelventil

In einem Feldversuch wurde eine Leckstelle eines Kugelventils mit dem High Flow Sampler untersucht (Fig. 5). Durch kontinuierliche Messung über 30 Minuten ergab sich eine mittlere Leckrate von 1,8 kg/h. Diese quantitative Aussage ermöglichte die Einordnung der Leckage in die regulatorischen Meldekategorien und unterstützte das Management bei Entscheidungsprozessen zur Prioritätensetzung bei der Instandsetzung.

Fallbeispiel Quantifizierung 2: Gasdruckregelanlage (GDRA)

In einem kontrollierten Versuch wurde im Inneren des eingehausten GDRA-Gebäudes eine künstliche Methanemission mit einer Soll-Konzentration von 500 ppm erzeugt. Die Messung der Emissionen im Absaugluftstrom der Einhausung ergab Methankonzentrationen, die deutlich unterhalb der im Rauminneren vorliegenden Konzentration lagen. So zeigte das Referenzmessgerät in der Raummitte 500 ppm an, während zu Beginn der Messung im Absaugluftstrom lediglich 145,34 ppm erfasst wurden (Fig. 8).

Dieser Unterschied ist auf eine Vermischung der methanhaltigen Raumluft mit einströmender Umgebungsluft unterhalb der Einhausungsplane zurückzuführen. Infolgedessen wird die tatsächliche Methankonzentration im Anlagenraum durch die Absaugung nicht vollständig erfasst. Dennoch traten deutliche Abweichungen gegenüber der Referenzmessung auf: Die im Absaugluftstrom gemessenen Konzentrationen lagen zu Beginn etwa 71% und am Ende etwa 77% unterhalb der Referenzwerte im Rauminneren. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die im Absaugluftstrom erfassten Methankonzentrationen die tatsächliche Konzentration im Anlagenraum nur eingeschränkt repräsentieren. In der Praxis soll dieser «Verdünnungseffekt» kompensiert werden. Dies verdeutlicht, weshalb eine reale Quantifizierungsmessung essenziell ist und reine Konzentrationsmessungen allein nicht ausreichen.

Diskussion

Die Kombination verschiedener Messtechnologien – von luftgestützter Methankonzentrationserfassung über tragbare Sensorik bis hin zu stationärer Überwachung und High Flow Sampling – schafft ein robustes Rahmenwerk zur Erfassung und Quantifizierung von Methanemissionen. Besonders wichtig ist die Ergänzung qualitativer Lokalisierung durch quantitative Mengenermittlung, um den Anforderungen aktueller Regulierungsrahmen wie OGMP 2.0 und EUMVO gerecht zu werden. Regulatorische Vorgaben verlangen nicht nur die Erkennung von Emissionen, sondern valide, nachvollziehbare Zahlen zur Emissionsstärke. Die beschriebenen Verfahren liefern folgende Daten:

  • reproduzierbare Messdaten
  • Grundlagen fĂĽr Typ-2-Inspektionen und detaillierte Reports
  • Entscheidungsgrundlagen fĂĽr Instandhaltungs- und Minderungsmassnahmen
Schlussfolgerungen
  • Modernste Messsysteme ermöglichen eine detaillierte Identifikation und Quantifizierung von Methanemissionen in Verteilnetzen.
  • Die Kombination geometrisch unterschiedlicher Verfahren schafft ein mehrstufiges Inspektions- und Quantifizierungssystem.
  • Quantitative Ergebnisse sind notwendig, um aktuelle regulatorische Anforderungen zu erfĂĽllen und Emissionsberichte valide zu untermauern.
  • Methodische Transparenz, standardisierte Protokolle und Datenintegration sind SchlĂĽssel zur erfolgreichen Umsetzung.
Verwendete AbkĂĽrzungen

TDLAS – Tunable Diode Laser Absorption Spectroscopy

OGMP – Oil and Gas Methane Partnership

EUMVO – EU-Methan-Verordnung 2024/1787

ppm – parts per million

GDRA – Gasdruckregelanlage

Automatisierte Methaninspektionen mit Roboterhunden

Roboterhund im Einsatz

Roboterhunde sind im Trend. Sie ermöglichen eine kontinuierliche und präzise Überwachung von Anlagen, ohne dass Menschen vor Ort aufwendig und riskant eingreifen müssen. Dadurch sinken Kosten für Personal und Wartung, während gleichzeitig die Effizienz steigt, da Lecks schneller erkannt und behoben werden können.

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