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Fachartikel
08. Juli 2019

Revision der eidg. Berufsprüfungen

Neue Berufsbilder sind auf gutem Wege

Im Sommer 2018 wurde die Revision der beiden eidg. Berufsprüfungen Brunnenmeister und Rohrnetzmonteur in Angriff genommen. Mit der Eingabe der neuen Berufsbilder und Qualifikationsprofile Brunnenmeister/in und Rohrnetzmonteur/in beim Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) wurde nun ein erster Meilenstein erreicht. Als nächster Schritt wird für die beiden Berufe bis Ende 2019 eine neue Prüfungsordnung und Wegleitung erstellt.
Dorothe von Moos 

Auf Empfehlung des Staatsekretariates für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) werden die Berufsprüfungen Brunnenmeister/in (BM) und Rohrnetzmonteur/in (RM) gleichzeitig revidiert, um mögliche Synergien zu nutzen. Je Beruf wurde aus den Prüfungskommissionen eine Projektgruppe gebildet, die zusammen mit weiteren Berufsleuten und Branchenexperten in Arbeitsgruppen die Revision fachlich bearbeitet. Die Leitung des Gesamtprojekts liegt beim SVGW, bei Thomas Rotach und Dorothe von Moos. Das Projekt wird zudem durch Eva Heinimann, b-werk Bildung gmbH Bern, pädagogisch begleitet. Als erfahrene Projektleiterin von diversen Reform- und Revisionsprozessen verschiedenster Berufe unterstützt sie den Prozess und moderiert die Workshops und Arbeitssitzungen.

 Schnittstellen und Synergien

Die Revision der beiden Berufsprüfungen erfolgt in zwei grossen Phasen: Als Erstes werden die Qualifikationsprofile erarbeitet (Abschluss Ende Mai 2019) und danach erfolgt als Zweites die Erarbeitung der Prüfungsordnung und der Wegleitung (Abschluss Ende November 2019. Eine gemeinsame Kickoff-Sitzung «Revisionsprojekt Brunnenmeister/in und Rohrnetzmonteur» hatte zum Ziel, Schnittstellen und Synergien der künftigen Berufsbilder aufzuzeigen und mögliche Zukunftstrends und Entwicklungsfaktoren zu skizzieren. Die künftig gefragten Kompetenzen sind ein Schlüsselfaktor im Beschrieb der Handlungskompetenzen der Qualifikationsprofile und in der künftigen Ausbildung. «Wir definieren heute, welche Kompetenzen der Brunnenmeister oder Rohrnetzmonteur von Morgen haben muss», erklärte Thomas Rotach, Leiter der Höheren Berufsbildung beim SVGW.

In einer Reihe von jeweils vier Workshops pro Beruf erarbeiteten in der Folge die Projekt- und Arbeitsgruppen zwischen September 2018 und März 2019 die inhaltlichen Grundlagen für die Qualifikationsprofile. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Arbeitsgruppen möglichst repräsentativ, d.h. aus allen Landesteilen, aus Stadt und Land sowie aus Vertreterinnen und Vertretern von grossen und kleinen Werken zusammengesetzt sind.

 Von den Tätigkeiten zum Qualifikationsprofil

Im Rahmen der Workshops analysierten die Fachspezialisten aus der Praxis die Berufstätigkeit der beiden Berufe Brunnenmeiste und Rohrnetzmonteur und beschrieben sie detailliert. Die so erstellten Tätigkeitsbeschriebe bzw. Handlungskompetenzen wurden durch Vorgesetzte und Experten verifiziert und zu sinnvollen Handlungskompetenzbereichen gruppiert. Beim Brunnenmeister/in kamen insgesamt 45 Handlungskompetenzen zusammen, die in sieben Bereiche gruppiert wurden, beim Rohrnetzmonteur waren es 43 Handlungskompetenzen, gruppiert in acht Bereiche.

Mit dem Beschrieb von Leistungskriterien wurde zudem das Anforderungsniveau der einzelnen Handlungskompetenzen festgelegt. Die Leistungskriterien konkretisieren die Anforderungen an die jeweilige berufliche Tätigkeit und stellen wichtige Aussagen für die Ausgestaltung einer eidgenössischen Prüfung dar. Zum Qualifikationsprofil gehört auch das Berufsbild. Darin werden das Arbeitsgebiet und der Beruf des Brunnenmeisters und des Rohrnetzmonteurs prägnant beschrieben. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ist der Beitrag des Berufs an die wirtschaftliche, soziale, gesellschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit.

Anlässlich der Erstellung des Qualifikationsprofils des Rohrnetzmonteurs wurde auch das Thema «Fernwärme» intensiv diskutiert. In einem separaten Workshop wurde eine Übersicht der Handlungskompetenzen eines «Monteur Fernwärme» (Arbeitstitel) erstellt, damit die Gemeinsamkeiten zu den Handlungskompetenzen Rohrnetzmonteur konkreter werden. Das Thema «Fernwärme» und die künftigen Aus- und Weiterbildungen ist eine wichtige strategische Stossrichtung des SVGW und wird nicht abschliessend im Rahmen dieses Projektes behandelt.

Vernehmlassung bei den SVGW-Mitgliedern

Im April 2019 konnten nun die beiden finalisierten Qualifikationsprofile den SVGW-Mitgliedern zur Vernehmlassung vorgelegt werden. Die Rückmeldungen gingen aus allen Landesteilen ein. Obwohl die Projektleitung eine grössere Beteiligung bei der Vernehmlassung erwartet hatte, konnten viele wertvolle Ergänzungen und Präzisierungen ins Qualifikationsprofil einfliessen. Die Rückmeldungen waren mehrheitlich sehr positiv und bestätigten die seriöse Arbeit der engagierten Projektgruppen.Das Berufsbild der beiden Qualifikationsprofile wird mehrheitlich als stimmig und korrekt beurteilt. Die einzelnen Handlungskompetenzbereiche wurden anlässlich der Vernehmlassung auf einer Skala von 1 bis 6 beurteilt. Grossmehrheitlich wurde den Beschrieben «voll und ganz» zugestimmt. Das «Anforderungsniveau der einzelnen Handlungskompetenzen» wird ebenfalls grossmehrheitlich als «gerade richtig» bezeichnet. Aber es gab auch einige kritische Stimmen. So wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Aufgaben und Kompetenzen der Brunnenmeister sehr heterogen sind und sowohl von der Grösse als auch dem Ort oder Region der jeweiligen Wasserversorgungen abhängen. Und trotzdem muss nun im Qualifikationsprofil ein Konsens getroffen werden, da das Dokument für die ganze Schweiz seine Gültigkeit hat.

Nachdem alle Rückmeldungen zu den Qualifikationsprofilen zusammengetragen und analysiert wurden, fand Ende Mai nochmals eine «Bereinigungssitzung» der Projektgruppe statt. Dabei wurde entschieden, welche Bemerkungen und Kommentare in die definitive Version einfliessen. So wurden beim Brunnenmeister und beim Rohrnetzmonteur jeweils kleine Korrekturen an drei Handlungskompetenzgruppen vorgenommen.

Erarbeitung der Prüfungsordnung und Wegleitung

Im Juni 2019 konnte schliesslich die Erarbeitung der Prüfungsordnung/Wegleitung in Angriff genommen werden. Insgesamt sind für diese Phase pro Beruf zwischen Juni bis September 2019 jeweils vier Sitzungen geplant: Es gilt dabei gemeinsame Strukturen zu definieren, das jeweilige Prüfungsdesign festzulegen, die Module zu bezeichnen und vor einer Autorengruppe beschreiben zu lassen oder die Prüfungsordnung und Wegleitung zu finalisieren.

Beide Berufsprüfungen wurden bis anhin «klassisch» durchgeführt. Konkret bedeutet dies, dass nach dem abgeschlossenen Vorbereitungslehrgang eine alle Themen umfassende Schlussprüfung (schriftlich, mündlich, praktisch) durchgeführt wird. Es gibt aber auch ein «modulares» Prüfungsdesign. Dabei werden die einzelnen Module während des Vorbereitungslehrganges mit einer Modulprüfung abgeschlossen. Die eigentliche Abschlussprüfung ist dann kürzer und fokussiert sich auf die «Vernetzung der Modulinhalte». Bei einer kompetenzorientierten Prüfung stehen diverse Prüfungsformen wie Handlungs- und Fallsimulation, «critical incidents», «mini-cases», praktische Arbeiten, Rollenspiele etc. zur Auswahl.

Klassisch oder modular?

Mit der Revision der beiden Berufsprüfungen stellt sich nun die Frage, ob es weiterhin sinnvoll ist, «klassisch» zu prüfen oder ob allenfalls ein neuer Weg eingeschlagen werden soll. Zwischen den beiden Berufen Brunnenmeister und Rohrnetzmonteur gibt es bei einigen Handlungskompetenzbereichen Gemeinsamkeiten. Um diese Synergien optimal zu nutzen, könnten diese in gemeinsamen Modulen angeboten werden. Der Weg Richtung modular zeichnet sich zum jetzigen Zeitpunkt deshalb deutlich ab – allenfalls sogar nach einem modularen Prüfungsdesign. Es ist aber auch denkbar, dass in Zukunft lediglich die Struktur der Vorbereitungslehrgänge modular aufgebaut wird und die Prüfungsordnung weiterhin klassisch bestehen bleibt.

Beide Varianten haben diverse Vor- und Nachteile, die in den verschiedenen Gremien ausführlich diskutiert wurden. Der finale Entscheid über die Ausgestaltung der künftigen Prüfungsordnung ist noch offen und wird im Sommer 2019 gefällt. Danach finden die weiteren Sitzungen der Projektgruppen statt. Voraussichtlich im November 2019 wird die zweite Vernehmlassung bei den Mitgliedern über die Prüfungsordnung und Wegleitung stattfinden.

Die inhaltliche und juristische Qualitätssicherung der Prüfungsordnung und Wegleitung durch das SBFI wird im Sommer 2020 abgeschlossen sein. Nach der Übersetzung der finalen Dokumente erfolgt dann die Ausschreibung im Bundesblatt. Sofern keine Einsprache eintrifft, wird die revidierte Prüfungsordnung durch das SBFI genehmigt und im Berufsverzeichnis publiziert. Dies wird auf Ende 2020 erwartet. Die konkrete Ausgestaltung der neuen Vorbereitungslehrgänge wird ab dem Jahr 2020 in Angriff genommen. Mit dem ersten Vorbereitungslehrgang und der ersten Berufsprüfung gemäss revidierter Prüfungsordnung und Wegleitung ist nach heutiger Sicht 2022 zu rechnen.

 

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