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20. Dezember 2018

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Die Agrarpolitik 22+ entpuppt sich als Mogelpackung

Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung eines wirksamen Trinkwasserschutzes und sieht deshalb in der laufenden Vernehmlassung zur Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) ein entsprechendes Massnahmepaket vor.
Martin Sager 

Leider entpuppt sich die AP22+ aus Sicht Trinkwasser als Mogelpackung. Denn ob und in welcher Form die AP22+ tatsächlich umgesetzt wird und welche Massnahmen für den Gewässer- und Trinkwasserschutz darin enthalten sein werden, ist unklar. Inhaltlich stützt sich die AP22+ auf den wenig ambitionierten und wenig verbindlichen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel. Einzig im Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) sollen besonders giftige Pestizide verboten werden. Die vorgesehene Stickstoffreduktion wird keine spürbare Entlastung unserer Gewässer und Trinkwasservorkommen bringen. Nicht akzeptabel ist die Tatsache, dass das Paket der AP22+ erst nach der Abstimmung über die Trinkwasserinitiative geschnürt werden soll.  

Aufhorchen lässt auch die vom Schweizerischen Bauernverband geäusserte Kritik an der AP22+. Somit bleibt fraglich, was von den Gewässerschutzmassnahmen in der Agrarpolitik nach der Parlamentsdebatte tatsächlich noch übrigbleibt bzw. ob das Paket politisch überleben wird.

Wenn die Agrarpolitik tatsächlich – wie vom Bundesrat in Aussicht gestellt – auch die anerkannten Probleme der Landwirtschaft bezüglich Gewässer- und Trinkwasserschutz lösen soll, sind wesentlich wirksamere Massnahmen zur Reduktion der Stoffeinträge notwendig. Der SVGW fordert deshalb weiterhin einen substantiellen Gegenvorschlag zur Trinkwasserinitiative.

Der Trinkwasserverband SVGW wird seine Stellungnahme zur AP22+ gegen Ende Januar allen Mitgliedsversorgern zur Verfügung stellen. Wir müssen uns als Branche konsequent für den notwendigen Trinkwasserschutz engagieren und wirksame Massnahmen fordern.

Beste Grüsse

Martin Sager, Direktor

 

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Kommentare (1)

Walter Strupler am 09.02 2019 um 15:16

Trinkwasserschutz

Sehr geehrte Damen und Herren mit befremden habe ich die Aussagen von Herr Sicher und Herr Sager gelesen. Sie verkennen die Tatsache, dass die Landwirtschaft grosse Anstrengungen unternimmt um die Pestizide zu reduzieren. Es ist aber einfach immer nur die Landwirtschaft für die Rückstände im Wasser verantwortlich zu machen. Im Siedlungsgebiet wird auch Pestizide eingesetzt. Vielfach grosser Überdosierung in den Gärten. Nebst diesem Eintrag wird aus Kläranlagen Hormone Medikamente und Mikroplastik in die Gewässer eingeleitet. Wenn auch 95 % der Rückstände in der Kläranlage eliminiert wird. Eine andere Quelle ist der Pneuabrieb von Lastwagen und Personenwagen. Da höre ich von ihrem Verband sehr wenig. Sie pushen noch den IV Verkehr mit der Propaganda, dass Autos mit Gasantrieb weniger CO2 ausstösst. Der Pneuabrieb bleibt aber derselbe und ist nicht unerheblich. Ich hoffe einfach für etwas mehr Fairness in der Diskussion um sauberes Wasser. Es ist nämlich keine Lösung, wenn wir in der Schweiz keine Landwirtschaft mehr betreiben können, und nachher die Lebensmittel vom Ausland beziehen. Auch dort werden in der Produktion Hilfsstoffe eingesetzt. Mit freundlichen Grüssen Walter Strupler
Martin Sager am 11.02 2019 um 11:13

Sehr geehrter Herr Strupler Vielen Dank für Ihren Kommentar. Der Aqua&Gas-Beitrag vom 21. Dezember 2018 thematisiert die Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2022 und daher natürlich schwergewichtig den Pesitzideinsatz in der Landwirtschaft. Die Trinkwasserqualität in der Schweiz ist heute unbestritten sehr gut. Im Grundwasser werden jedoch zunehmend Pestizide und andere Fremdstoffe festgestellt. Diese können in der Schweiz an vielen Messstellen und auch in gewissen Trinkwasserfassungen nachgewiesen werden. Besonders betroffen sind intensiv ackerbaulich genutzte Gebiete. Selbstverständlich setzt sich der SVGW dafür ein, dass auch Fremdstoffe aus anderen Quellen (u.a. aus dem Siedlungsgebiet) nicht in die Trinkwasserressourcen gelangen und die Bevölkerung auch in Zukunft jederzeit mit unserem wichtigstem Lebensmittel «Trinkwasser» in ausreichender Menge und in einwandfreier Qualität versorgt werden kann. Martin Sager, Direktor

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